Band 
Achter Band. O bis Q.
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Original, Originalität, Originell 103

man für eine Hauptstütze der Kirche ansah, eingekerkert und mußte harte Marternerdulden. Erschöpft durch diese Mißhandlungen, starb er zu Tyrus im I. 254.Wenige Menschen sind so bewundert und geachtet und doch so lebhaft angegriffenund verfolgt worden als er bei seinem Leben und nach s. Tode. Man warf ihmvor, daß er die Wahrheiten der chrisil. Religion platonischen Ideen habe anpassenwollen. Besonders in seinem an die Ketzer gerichteten, nur in einer Übersetzung desRusin in Bruchstücken vorhandenen Buche „lke z»i„nss>>>5" stellt er ein aus diePhilosophie des Plalo gegründetes System auf; aber er gibt seine Meinungennur als Möglichkeit; überdies hatten, wie er selbst sogt, die Ketzer seinerzeit seineSchriften verfälscht. Man hak ihm ohne Grund vorgeworfen, daß er dem Mate-rialismus günstig gewesen. Er widerlegt ausdrücklich Diejenigen, die sich Gott alskörperlich dachten. Von seinen Werken (angeblich 60Ü0 an der Zahl) sind außerden angeführten, noch vorhanden eine „Ermabnung zum Märtyrerihumc"; Com-mentare, Homilien und Schölten über die heilige Schrift, die er vielleicht zuerstganz zu erklären unternahm. Wir haben deren noch eine große Menge, aber diemeisten sind sehr freie Übersetzungen. Er mochte überhaupt die bildliche oder alle-gorische Erklai unosart der Juden allgemeiner und verwarf den buchstäblichen Sinn,den er bloß als Körper der erster» ansah. Außer diesen exegetischen Werken machteer sich um die Kritik verdient durch s. ..Hexapla" (s. d.), von welcher Mont-faucon und später Ehr. Fr. Bahrdt eine Ausgabe besorgt haben. Seine Schriftgegen Eelsus ist die vollständigste und bündigste Vertheidigung des Christenthums,welche das Alterthum aufzuwciscn hat. Seine sämmtl. Werke hat in 4 Bd». Fol.de la Rue herausgegeben (Paris 1733 — 58). Über des O. Rechtgläubigkeithaben sich viele Streitigkeiten erhoben. Im 4. Jahrh, beriefen sich die Arianerauf ihn, um die Wahrheit ihrer Lehrsätze zu beweisen. Sowol unter seinen Ver-theidigern als unter seinen Gegnern finden sich die gelehrtesten und berühmtestenKirchenväter.

Original, Originalität, Originell. Im Allgemeinenbezeichnen diese Ausdrücke die Beziehung der Gegenstände aus ihren Ursprung, na-mentlich bei solchen, welche der Vervielfältigung oder Nachahmung fähig sind. EinOriginal nennt man somit das ursprüngliche, der Nachahmung oder Nachbildungvorliegende Produet (z. B. eine Urkunde in der Urschrift), in Besiehung auf dieseNachahmung oder Vervielfältigung (entgegengesetzt also der Copie), oder Bearbei-tung und Übersetzung (daher z. B. der Ausdruck Originalschauspiel); dann heißtauch Original oft so viel als Muster, Musterbild, Vorbild, wenn es auch nichtimmer musterhaft, d. h. so beschaffen ist, daß es zum Muster dienen sollte. Inengerer Bedeutung und vorzüglich in dem Gebiete der Wissenschaft und Kunstnennt man den Menschen oder Gegenstand originell oder auch original (ureigen)und ein Original, der in seiner Art emsig ist und durch eigenthümlichen Charaktervon dem Gewöhnlichen bedeutend abweicht; diese Eigenthümlichkeit selbst Ori-ginalität (Ureigenheir). Auch in dieser Abweichung liegt noch keine Musterhaftig-keit, wohl aber der Begriff einer nicht nachgeahmten Richtung der innern, und zwarfreien Kraft. Letzteres ist der Grund, warum wir nur den Menschen und seineWerke, nicht die Natur und ihre Erscheinungen originell nennen; denn der Menschkann sich durch Freiheit über den Kreis der Bildung erheben, die durch Gewohn-heit und Natur dem größten Theile der Menschen ohne Bewußi fein und Willenmitgetheilt wird. Weil nun die Meisten auch mehr auf die Wirkung und ihrenEindruck als auf die wirkende Kraft sehen, so hat man oft das Originelle mit demAuffallenden, Seltsamen, Ungewöhnlichen «md Wunderlichen verwechselt. DerGrund, sagt ein scharfsinniger Beobachter, liegt darin, daß nian fühlt, jederwahre Ursprung sei nur durch Freiheit möglich; die Freiheit aber erscheint unge-wöhnlich deßhalb, weil der Mensch nicht frei geboren, sondern erst durch Freiheit