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Achter Band. O bis Q.
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Orion

gebildet wird, und die Meisten im gewöhnlichen Laufe des Lebens diese Stufe derBildung gar nicht erreichen, sondern nur von blinden Naturtrieben bestimmt undgebildet werden. Ein origineller Mensch ist daher eine auffallende Erscheinung,nur mehr oder weniger, je nachdem das Z uralter oder die Gesellschaft, worin erlebt, der Freiheit gewohnt ist oder nicht. Diele suchen daher originell zu schei-nen; das Genie ist es (es ist urschöpferssch), ohne es sein zu wollen. DasOriginelle kann oft durch den Verstand allem hervorgebracht werden; das Ge-niale seht dagegen immer eine Wirksamkeit aller Kräfte der Menschheit in Vereini-gung voraus. Es kann daher originelle Narrbeiten, aber keine genialische geben.Zu einem originellen Menschen kann man sich selbst na ch und nach bilden, zu einemgenialen nicht. Eine bloß originelle Erscheinung erregt daher wol Aufmerksamkeit,Verwunderung, stößt aber auch nicht selten ab; die geniale erregt Antheil, Be-wunderung, Liebe, Zuneigung. Genial ist, was die Spuren einer nach Ge-sehen der Hähern und ediern Menschheit eigenthümlich wirkenden Bildungskraftdeutlich an sich trägt. Das Genie ist daher immer originell, o. h. ursprünglichltnd eigenthümlich in seinen Hervorbringungen, und Originalität (eine eigenthüm-liche Weltanschauung, sagt Jean Paul ) ein so wesentliches Merkmal des Genies,daß selbst der Ausdruck Originalgenie nur ein Pleonasmus ist; aber nichtimmer erscheint das Geniale originell, insofern die Eigenthümlichkeit und Ursprüngelichkeit genialer Erzeugnisse in der Betrachtung derselben um so weniger hervor-stechende Seite ist, je mehr man beim Genusse des Kunstwerks den Künstler überder Kunst zu vergessen pflegt. Dies geschieht, wenn der Künstler seine Eigenkhüm-llchkeit dem Geiste der Kunst und seinem Werke untergeordnet, oder sich ganz insein Werk verloren hak. Letzteres ist vorzüglich auf Naturpoesie (s. d.) anzu-wenden, weshalb auch Homer und Göthe mein originell erscheinen, wicwol ihrenWerken Originalität im weiter» und engern Sinne nicht abzusprechen ist. In demGenius lebt ein Ideal des Schönen; und je vollendeter dieses ist, desto wenigerwird es eigentlich auffallen, oder.durch seltsame Form die Aufmerksamkeit reizen.Durch rrineS Ebenmaß und inneres Leben verkünden sich die Schöpfungen deswahren Genies, und eine edle Einfalt ist oft gerade sein unkerscheidendstes Merk-mal. Die echte Originalität (Neuheit mit Musterhaftigkeit verbunden nennt sieKant) ist dagegen zugleich Genialität. Immer jedoch ist Originalität ein Vorzug,weil sie als stark ausgedrückte, individuelle Lebenskraft erscheint, welche deßhalbeiner verschönernden Bildung mehr oder w'niger fähig ist. So scheint sich imGrunde Originalität zur Genialität wie das Charakteristische zum Schönen zu ver-halten, und es ist einzusehen, warum die Künstler und Dichter der neuern Zeitmehr originell als genial sind.

Orion, ein Heros des mythischen Alterthums. Gewöhnlich hält man ihnfür einen Sohn des Neptun und der Bervlle. Nach Homer war er ein schönerJüngling, in dessen Reize Aurora sich verliebte. Die Götter beneideten diese Liebe,und Diana erlegte ihn auf der Insel Ortygia mit ihren Pfeilen. Nach A. war erein König und großer Jäger, der, nach Homer , noch in der Unterwelt fortfuhr,aufeiner großen Wiese das Wild zu jagen, das er schon aufde" Oberwelt getödtet hat-te. Er war von so riesenhaftem Wüchse, daß er auch in den,tiefsten Stellen desMeeregmit den Schultern hervorragte. Dafür, daß er des Önopion Tochter entführenwollte, ließ ihm dieser die Augen ausstechen. Das befragte Orakel rieth ihm, imMeere den Sonnenstrahlen so lange entgegenzugehen, bis er wieder sehend würde.Er starb von dem Stiche eines Skorpions. Andere erzählen: Diana liebte den O.so leidenschaftlich, daß sie ihn zu ihrem Gatten begehrte. Dicke Erniedrigung be-leidigte ihren Bruder Apollo so, daß er den Tod des verwegenen Sterblichen beschloß.Als einst O. durch das Meer daher schritt und nur mit dem Kopfe hervorragte,foderte Apollo Dianen auf, zu versuchen, ob sie jenen schwarzen, über dem Meere