108 Orleans (Stadt) OrleanS (Gaston JeaivPhil., Herz. v.)
Parlament. Der Lord wählt für jedes Kirchspiel einen Richter, dem die Gemeinde6—1 Beisitzer gibt, und von dem Spruche dieses Gerichts geht die Appellation anden Erbrichter oder seinen Delegirken in Kirkwall .
Orleans, an der Loire , mitten unter Weinbergen gelegen, dieHauptst. imfranz. Depart. des Loiret , mit 26 Kirchen, 4500 H. und 42,600 E. Sie ist vonalter Bauart, die Straßen sind enge und krumm, außer der schönen, langen Straßein der pariser Vorstadt, welche zu der Brücke fuhrt. Vier ansehnliche Plätze zierendie Stadt. Merkwürdig sind die gothisch gebaute Domkirche, die öffentliche Biblio-thek im Kloster X„t>r-I)-,»,e <Ie >»>>,,, e Iiouvclle, das ehemal. Jesuitencollegium,das Rathhaus, dasChatelet, die große Mailbahn im Stadtgraben, die 1160 fertiggewordene prächtige Brücke mit 16 Bogen, sonst mit dem i» der Revolution errich-teten metallenen Denkinale geziert, welches König Karl V II. und die Jungfrau vonOrleans vor dem Kreuze Christi knieend vorstellte, zum Andenke» an die den 8. Mai1429 durch dieses Mädchen bewirkte Befreiung der Stadt von den Engländern,welche sonst jährlich durch eine feierliche Procession gefeiert wurde. 1312 hakteKönig Philipp IV. eine juristische Universität hier errichtet, die vormals sehr be-rühmt war, jetzt aber durch ein Lyceum ersetzt worden ist. Die Stadt hat aus-gebreiteten Handel, Strumpf-, Seiden-, Wollenzeuch-, Papiertapeten-, Leinwand-,Fayencefabriken, eine Porzellanfabrik und 11 Zuckerraffinerien, welche vor derRevolution bedeutend waren, jetzt aber gesunken sind; auch verfertigt man vieleConfitüren. Die Umgegend ist äußerst angenehm. Seit 1344 war O. ein Herzog-khum und eine Pairie, welche verschiedene Prinzen des königl. Hauses besaßen.Ludwig XIV . gab sie seinem Bruder Philipp, bei dessen Nachkommen sie bis zurZeit der Revolution blieb.
Orleans (Jungfrau v.), s. Jeanne d'Arc .
L) r l e a n s (Gaston, Iran Baptiste von Frankreich , Herzog v.), der3. Sohn Heinrichs lä. und Mariens v. Medici, geb. 1608. Er war, ohneRuhm und ohne Glück, in die Zerrüttungen verwickelt, die Frankreich währendderRegierunz Ludwigs XIII. und der Minderjährigkeit Ludwigs XIV. bewegten,verließ 4 Mal dar Reich und kehrte 4 Mal mit den Waffen in der Hand zurück.«Schon früh wurde er durch schlechte Erziehung vernachlässigt und zu jener Cha-rakterschwäche gebracht, die er, der sonst mehr von seines Vaters Geist besaß alsLudwig XIII. , während seines ganzen Lebens zeigte. Die Eifersucht, welche dieser,zumal so lange seine Ehe mit Anna v. Östreich kinderlos war, gegen seinen Bru-der, den vermuthlichen Thronerben, verrieth, gab den ersien Anlaß zu einer Ent-zweiung , die bei des Herzogs rachsüchtigem Geiste nie dauernd versöhnt werdenkonnte. Aus seiner ersten kurzen Ehe mit Maria v. Bourbon, der Erbin des Hau-ses Montpensier, hatte er eine Tochter, die Verfasserin der für die Geschichte jenerZeit schätzbaren „Denkwürdigkeiten", die Herzogin (Mademoiselle) v. Mont-pensier (s d.). Um den Prinzen von einer zweiten Vermählung abzuhalten, dieder eifersüchtige König fürchtete und selbst Richelieu bedenklich fand, ließ man esdein Herzoge nicht an Mitteln fehlen, seine Leidenschaft für das Spiel und seineNeigung, Kunstschätze aufzusammeln, zu befriedigen. Er lebte seinem Hange zurZerstreuung, bis er in den Streitigkeiten zwischen der Königin Mutter, die ihnbegünstigte, und dem Cardinal Richelieu Partei gegen den Hof nahm. DieserZwist endigte damit, dem Cardinal die Obergewalt zu verschaffen. (V. Riche-lieu und Ludwig XIII.) Auch der Herzog v. Orleans mußte sich unterwerfen,und e« zeigte sich nun in seinem politischen Betragen und feinem Leben jenes selt-same Schwanken, das den klugen Cardinal v. Netz späterhin veranlaßte, von ihmzu sagen, er habe sich in alle Händel eingelassen, weil es ihm an Kraft gefehlt.Denjenigen zu widerstehen, die ihn dazu verleitet, und sei immer mit Schimpf dar-aus gekommen, weil er nicht den Muth zur Beharrung gehabt habe. Als der