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Orleans (Philipp, Herzog von)
zu glauben schien, davon erzählt sie in den angeführten Denkwürdigkeiten seltsameund ergötzliche Dinge.
O rleanö Philipp, Herzog p.), geb. 1611, des Vorigen Sehn. AlsRegent von Frankreich wälnend der Minderjährigkeit Ludwigs X V. (1115-23)hat er, ungeachtet seiner Talente und eines guten Charakters, durch seine Person-,lichkeit sowol als durck seine iLtaatSverwalkung, durch das schamlose Leben a»seinem Hofe und durch den furchtbaren StaatSbankerutt, die Folge der Finanz-unkeriiebiiiungen des Schotiländers Law (s. d.), die sranz. Revolution vorbereitet.Der Herzog v. Ldrlean? (bis 1101, wo sein Vater starb, Herzog von Charmesgenannt) vereinigte Witz und Beredtsamkeit mu Anmuth und Liebenswürdigkeit.Bei großer Fassungskraft und einem treuen Gedächtnisse hatte er sich spielend eineMenge Kenntnisse erworben. Von Heinrich IV. , dein er ähnlich zu sein wünschte,besaß er das einfache, gütige, fröhliche und zutrauliche Wesen, die Gabe, Belebtizunge,i zu vergessen, und die Eigenschaften eines Kriegers. Aber um ein gro-ßer Mann zu sein, fehlten ihm Kraft und Seelenstärke. Dubois (si d.), seinLehrer, war sein Verführer. „Es ward dein Abbe. Dubois leicht", sagt Mai-,niontel in seiner „lV^enee ,lu Duo ,!'< >, UViiV (Paris 1805), „aus siinem Zog:liiige einen Wüstling zu machen. Der Prinz lernte von ihm die Güte als eineSchwäche ansehen, die Tugend als eine Tboih.ut, die Religion als ei» Hirnge-spinnst, Rechischaffenkcir als das Verdienst der Einfältige»; die Kunst zu lügenaber und mir sieg denen Worten zu spielen, als die einzige Regierungskunst.Diese höllische Lehre würde aus einem energischen Menschen ein Ungeheuer gemachtbaden; aus dem von Natur leichtsinnigen Prinzen, der weder den Mark noch dieSpannkraft des Bösen haue machte sie nur einen Lasterhaften, der sich ohne C cheusinnlichen Leidenschaften hingab und der össentlichen Meinung spottete, der dasGeräusch aufsuchte, um sich zu betäube», und mit verkckrier Gcschmackslust derschändlichste» Grnußgier fröhnke, um den durch Übersättigung abgestumpftenNervenreiz immer wieder zu scbärfen. So blieb der Prinz gut aus Schwäche, derRache unfähig aus Schlaffheit; er liebte in seiner Größe nur die Leichtigkeit, ganznach seinem Gelüste zu leben: er schenkte seine Gunst Jedem, der ihn zu nnterhalten wußte, lind war aus Freigebigkeit ein Verschwender". Vorzüglich zeigte erdurch ein schummerndes Beispiel und durch die lachende Verspottung alles Ehrwür-digen, mehr als ein Andrer vor ihm, das Lasier in jener reizenden Gestalt, dieden leichtsinnigen Franzosen so schnell verführt. Bei den Talenten des Prinzen wares Dubois leicht, vor dem Hofe glänzende Prüfungen mit ihm anzustellen. Durchdiese Triumphe, die er seinem Zöglinge verschaffte, und durch die Dienerinnen derWollust, die er ihm des Nachts heimlich zuführte, erwarb er sich seine Anhäng-lichkeit. Der Prinz ließ sich daher leicht von ihm überreden, Ludwigs X I V. Wun-sche gemäß, gegen den Willen seiner Mutter, Mlle. de BloiS, die natürliche legi-,tnmrte Tochter des Königs zu heirathen, mit welcher er sechs Töchter und einenSohn zeugte. Der Vater des Prinzen, ein höchst ausschweifender Mann, standzu sehr unter fremdem Einflüsse, als daß er hier eine Stimme gehabt hätte. DieEhe war nicht glücklich; desto nothwendiger machte sich Dubois. Der Prinz ver-nachlässigte seine Gemahlin, die weniger schön und geistvoll als stolz und kaltwar. Der strenge Ton des Königs, welcher von seinen Verirrungen hörte, reizteihn zum Aufsuchen geheimer Wollüste. Hier trieb er unter Menschen, die erRoußs nannte, und unter Buhldirnen frechen Spott mit Allem, was Sitte heißl,und verlachte die Frömmigkeit des alten, der Sünde abgestorbenen Königs. Den-noch behandelte Ludwig seine» Neffen, an dem er die Eigenschaften eines Heldenerblickte, mit Ldchonung. 1692 machte der Prinz seinen ersten Feldzug unter demMarsch all von Luxemburg in den Niederlanden mit. I»> spanische» Erbfolgekriegeerhielt er 1106 ein Commando in Ztalien. Man hörte nicht auf seinen Rath, und