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Orkans (Philipp, Herzog v.)
Italien ging verloren. Der König stellte ihn darauf an die Spitze eines Armeecorpsi, Spanien unter Berwick. Allein er glaubte, daß man ihn nicht gehörig unter-stützt habe, und fand sich auch durch die Weigerung, seine Maitreffe zur Hofdameder Königin zu ernennen, beleidigt. Als man nun in Spanien den Untergang desschwache» Philipps V. für wahrscheinlich hielt, so willigte er ein, daß eine Parteiauf diesen Fall sur seine Erhebung auf den spanischen Thron arbeiten sollte. Alleinder Plan wurde verrathen; die Unterhändler des Herzogs wurden verhaftet, undman berathschlagte zu Versailles , ob man ihm webt selbst den Proceß machenmuffe. Seine Feinte beschuldigten ihn, er habe Philipps V. Swlduren gegenihre» König zu den Waffen rufen wollen, und der Dauphin verlangte daher die Hin-richtung des Herzogs; auch Frau v. Mmntcnon hielt ihn für schuldig. Der Kanz-ler aber und der Lohn des Dauphins, der tugendhafte Herzog v. Dourgogue, wel-cher den Herzog v. O. wegen seiner natürlichen Anmuth und aus Dankbarkeitliebte, weil dieftr sich einmal für ihn und F. n. lo» nnt Wärme gegen ihre Feindeerklärt Hütte, sprachen so nachdrücklich für ihn, daß man ihm erlaubte sich zurechtfertigen. Hierauf erklärte ihn der König gegen Philipp V. für unschuldig.Alles sollte nur ein Spiel der Rache von der Maurcffe des Herzogs gewesen sein,aus Verdruß, daß sie nicht Hofdame geworden. Seil dieser Zeit ward der Herzogunaufhörlich von Haß und Verleumdung verfolgt. Dadurch verlor er die letzte Ach-tung für Menschen, welche schlecht handelten und doch für rechtliche Leute galten.Sein Lieblingsstudium war Chemie. Er laborirte fleißig mit einem gewissen Hom-bcrg, und als seine Gemahlin einmal von einer Kolik befallen ivurde, hieß es, derHerzog habe sie vergiften wollen. Sie genas wieder, und man schwieg. Als aberNil und 1112 der Dauphin, der Herzog v. Bourgogne, dessen Gemahlin undälteste, Sohn schnell hinter einander starben, und »ur ein Wundarzt ein bösartigesFaulsieber und die Röcheln als natürliche Ursachen so plötzlichen Todes ansah,wo die übrigen Ärzte Spuren von Vergiftung erkennen wollten, da klagte die öf-fentliche Stimme laut den Herzog, der mit Rouds umgehe und Gifte koche, alsden Mörder an. Selbst Frau v. Mainrenon erklärte sich in Gegenwart des Kö-nigs für diese Meinung. Nur zwei Glieder von der Familie des Dauphins blie-ben am Leben, dcr Herzog von Berrv, Schwiegersohn des Herzogs v. P., undder schwächliche Herzog v.Anjo», der nachherige König, cinKind, das nur durchGegengift, wie zwei Hofdamen vorgaben, gerettet worden sein sollte. Am eifrig-ste» verbreitete der Herzog v. Manie, Ludwigs natürlicher Sohn, das Gerüchtvon dieser Vergiftung. Es ward allgemein geglaubt, und der Herzog kam in Ge-fahr, von dem Pöbel in Stücke gerissen zu werden. Da verlangte er von dem Kö-nige, daß er ibn und seinen Chemiker in der Dastille vernehmen lassen sollte. DieseErniedrig! ng mische! dem König; denn er fand cs ebenso würdig als schicklich, desHerzogs Unschuld ohne Untersuchung anzuerkennen. Nicht so der Hof. Wo derHerzog hinkam, wich Jeder vor ihm zurück. Dies kümmerte ihn jedoch wenig, undals Regent hatte er jede Beleidigung vergessen. Jetzt starb auch plötzlich der Her-zog v. Derrv, und diesmal traf der Verdacht seine Gemahlin, die Tochter des Her-zogs v. O. schrei» wilden Charakter nach konnte sie eine solche That begehen;man wußte, daß zwischen ihr und ihrem Vater eine schändliche Vertraulichkeitherrschn-: Grund genug, um diesen für den Mitschuldigen zu halten. Doch machteder Vorfall wenig Eindruck. Der stumpfsinnige König mochte nichts wissen, undder chof fiu chtere die Rache des Herzogs, wen» er zur Gewalt kommen sollte. Da-mals unterschrieb Ludwig XIV. das Etiet, worin er dem Herzog v. Mainc unddem Graf.» v. Toulouse , seinen natürlichen Söhnen, das Erbsolgcrecht zusicherte.Doch wollte er den Herzog v. P., dem als erstem Prinzen von Gcblüre die Re-gentschaft .gebührte, nicht ausschließen, und ernannte deßhalb in seinem Testa-mente einen RegentHhaftSrath, in welchem der Regent zwar den Vorsitz führen,