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Achter Band. O bis Q.
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Orleans (Philipp, Herzog von)

aber kein andres Vorrecht, als bei gleichen Stimmen die entscheidende haben sollte.Die Person des unmündigen Königs und sein ganzer Hof: und Militairstaat soll-ten unter der Aufsicht des Herzogs v. Maine stehen. Aber schon in der letztenKrankheit des Königs war die Ehrfurcht der Höflinge für den Herzog immer regergeworden, je mehr sich der Tod Ludwigs XIV. näherte. Auch die Nation haßteihn nicht mehr, und das Militair trat entschieden auf seine Seite. Dasselbe ge-schah von dem Parlamente, den Herzogen und Pairs, die durch den jenen Bastar-den ertheilten Vorzug beleidigt waren. Mehre der angesehensten Männer botendem Herzog insgeheim ihre Dienste an. Für eine halbe Mist. Livres erklärte sichder Herzog v. Guiche im Namen des Garderegiments für ihn. Kurz, alle Maß,regeln waren genommen, um der Einrede des Herzogs v. O. gegen die Gültigkeitdes Testaments am Tage der Eröffnung (2. Sept. 1715), 24 Stunden nach demTode des Königs, Nachdruck zu geben. Also wurde nach kurzem Widersprüchevon Seiten des Herzogs v. Mame die dem Letzter« übertragene Vormundschaftfür ungültig erklärt und dem Herzoge v. O. die höchste Gewalt zugesichert. Hier-auf versprach der neue Regent, die Regierung nach einem Plane einzurichten, dener unter den Papieren des Herzogs v. Bourgogne gefunden habe, und kehrte so-dann unter dem Zubel des Volks nach seinem Palaste zurück. Den 12. Sept. ließer den fünfjährigen Ludwig XV. , zu dessen Füßen die Gouvernante saß, ein Litde Iustice halten, wo der Kanzler Voisin, der das Testament geschrieben hatte,die Vernichtung desselben feierlich ausspi ach. Einer der ersten Schritte seiner Re-gentschaft war, daß er die Bürgerlichen (Ir, rnlnre) von asten obern Staatsämte.nausschloß. Die Besetzung der verschiedenen Conseils erfolgte nach persönlichenRücksichten, und bald erhob der Regent seinen alten Lehrer Dubois, den man nurden Abbe Fi iponneau (Schuftchen) nannte, ohne die Bitten seiner Mutter zu ach-ten, zum Staatörathe; doch sagte er ihm vertraulich: „Aber ein Bischen Recht-lichkeit, Abbe, ich bitte darum!" Dubois hatte bald Gelegenheit, sich verdientzu machen. Frankreich stand seit dem utrechter Frieden allein in Europa . DieHandlungen deö Regenten waren dem Könige von England verdächtig; die Hol-länder trauten dem franz. Systeme noch weniger und näherten sich daher dem öst«reich. Hose, welcher ebenfalls mit Frankreich in keinem guten Vernehmen stand;mit Spanien endlich war der Regent in persönlicher Feindschaft. Nur eine Allianzmit England konnte ihn sicherstellen, und nicht bloß diese vermittelte Dubois, son-dern auch den Beitritt der Generalstaaten , wodurch die berühmte Tripelallianz imHaag (4. Zan. 1117) zu Stande kam, welche des spanischen Ministers AlberoniPlane vereitelte und die Politik des franz. und span. Hauses Bourbon gänzlichtrennte. Troß Dem brachte der gewandte Mann, der dafür zuin Minister der aus-wärtigen Angeleg. erhoben worden war, späterhin eine Doppelheirath zwischen demKönige Ludwig XV. mit einer Znfantin und zwischen dem Prinzen v. Asturien mit der Prinzessin v. Chartres zu Stande. Daß Law'ö Finanzsystem für Frank-reich so verderblich wurde, lag in der Art und Weise, wie nian eü ausführte, undin dem Leichtsinne des Regenten, der durch jenes System eine volle Goldgrube fürseine Maitressen und Günstlinge gefunden zu haben wähnte. Durch Herabsetzendes Metallwerths suchte er vergebens die Bankzettel und Staatspapiere in ihremNennwerthe zu erhalten; endlich erließ er (24. Febr. 1720) das tyrannische Ge-setz, daß Niemand mehr als 500 Livres in Silber, weder gemünzt noch unge-münzt, bei Strafe von 10,000 Livres, bei sich haben sollte. So verschwand miteinem Male Treue und Glaube, und der erste Keim der in unsern Zeiten erfolgtenRevolution war gelegt. Wie leichtsinnig der Regent bei einem Unglücke, das erselbst verschuldet hatte, dachte, beweist die Antwort, welche er damals dem abge-dankten ?,evnt cles marob.vncl«, Trudaine, auf seine Klagen gab: „Sie sind einviel zu ehrlicher Mann für uns!" Übrigens ließ der Regent, da er jede Anstren-