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Achter Band. O bis Q.
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Orleans (Louis Joseph Philipp, Herzog v.)

gung scheute, die Minister machen, was sie wollten, daher die Politik seines Hofesimmer schwankender wurde. Den legitimirten Söhnen Ludwigs XIV. ließ er ihrRecht zur Erbfolge und den Vorzug, sich Prinzen vom Geblüte zu nennen, abspre-chen. Aus Rache wegen dieses Gewaltschritts verband sich die Gemahlin des Her-zogs v. Maine mit dem span. Gesandten Cellamare (s. d.), um dem Regentendie Obergewalt zu entreißen; aber er verzieh ihr, weniger aus Großmuih als imGefühle seines Unrechts. Doch mußten 4 ihrer Mitverschworenen auf dem Blut-gerüste sterben. Der Präsident des Parlaments, de Mesmes, betheuerte demRegenten seine Unschuld an der Verschwörung, allein der Prinz bewies ihm dasGegentheil durch einen Brief und verzieh ihm, weil er jetzt auf seinen unbedingtenGehorsam rechnen durfte. Sonst wurde das Recht streng und parteilos verwaltet.Ein GrafHorn sollte wegen eines an einem Wechsler begangenen Mordes lebendiggerädert werden. Die Familie und die Hofleute stellten dem Regenten vor, derGraf sei mit den vornehmsten Häusern, ja selbst mit ihm verwandt. „Meine Her-ren", ei'tviderte der Prinz, „die Schande liegt im Verbrechen, nicht in der Bestra-fung, und was mich betrifft, so will ich die Schande mit Ihnen theilen". Endlichlegte er die Regentschaft am 15. Febr . 1123 in des jungen Königö Hände nieder,den er nach und nach auf eine gefällige Weise mit den Geschäften bekanntgemachthatte, und überließ sich von nun an ungestört den wildesten Ausschweifungen.Doch nahm er nach Dubois's Tode (Aug. 1723) die Stelle eines Premiermini-sters an und verstattete seinen Günstlingen (Roms) keinen Einfluß in die Ge-schäfte; selbst im wildesten Taumel entfiel ihm nie ein Staatsgeheimnis Schonfaßte man von ihm gute Hoffnungen, als er, 49 I. und einige Mon. alt (2. Dec.1728), am Schlagfluffe, einer Folge seiner Unmäßigkeit, starb. Über sein Lebens. m. die Originalausg. der „Ueiuoires" des Herzogs v. St.-Simon (Paris 1829sg.), die „älemnircd s-ecrel» ei rc» rcsponü. inüüitc >lu slaicl. Dubais , älr.eis tieveliiige," (2 Bde., Paris 1815), und Chüteauneuf'S „Ilist. <Ie Philippskl'Orlcun!, regciit üe biiixue"; sie berichtigen Manches in der Schrift: „l.avie cie Philippe ü'Orlea»«!, petit-üls cle I'rnnce etr., par Ulr. I . äl. 1). !U."(London 1736, 2 Bde.), welche man dem Jesuiten la Motte zuschreibt. X.

Orleans (Louis Joseph Philipp, Herzog v.), Urenkel des Vor., und gleichihm durch Ausschweifungen berüchtigt, geb. 1747, hieß Herzog v. Chartres big1787, wo sein Vater starb. Eine gemeine Natur, aufgedunsen von den Gelüsteneiner verbrecherischen Zeit, schwamm dieser Mensch, getragen von der Woge derRevolution, dem Strome nach, bis dieser ihn verschlang. In der Jugend warsein Ruhm die höchste Sittenlosigkeit. Er soll absichtlich seinen Schwager, denPrinzen von Lamballe , Sohn des Herzogs v. Penthi.vre, in seine Ausschweifun-gen hineingezogen und zu Grunde gerichtet haben, um sein Vermögen zu erben.Seine Gemahlin, Louise Marie Ädelaite v. Peiithrvre (geb. 1753), glich anTugend und Frömmigkeit ihrem Vater. O. machte sie unglücklich. Sie wandtedagegen ihre ganze Sorgfalt auf die Bildung ihrer ^öhne, die, wenn die jetztregierende Linie Bourbon ausstirbt, dem Throne die nächsten sind. Die Natur hatteviel für den Herzog v. O. gethan, das Glück noch mehr; er war unermeßlich reich.Don mehr als mittler Größe, gefiel er durch »eine Gestalt und angenehme Ge-sichtsbildung; aber seine Ausschweifungen hakten sein Gesicht mit bösartigen Blat-tern bedeckt. Er war geschickt in körperlichen Übungen, nicht ohne Verstand, aberunwissend und leichtgläubig; ein gutmütbiger Schwächling ohne eignen Willen,außer wo ihn Leidenschaften reizten. Nachdem er allen Sinnenkitzel bis zur Sät-tigung genossen, fand er in der Revolution neue Spannung für seine abgestumpf-ten Nerven und in der Befriedigung der Rache ein neues wollüstiges Gefühl.Sein öffentliches Leben war durchaus das Werk der Umstände. Durch seine Ge-burt zur Stelle eines Großadmirals berufen, führte er 1778 eine Abtheilung der