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Orleano (Louis Joseph Philipp, Herzog v.)
Abgeordneten von Paris bei dem Nationalconvent ernannt. Um dieser Gesell»schaft würdig zu sein, ließ er sich d. 15. Sept. 1192 von der Gemeinde von Pari»den Namen Egalit< beilegen; auch eiklärte er im Dec. durch den Druck, daß erauf sein Thronfolgerecht verzichte. Seine Verbindung mit den Moralisten abermachte ihn der Girondeparkei verdächtig. Diese gab vor, die Municipalität vonParis habe die Absicht, den Herzog v. O. auf den Thron zu sehen, und verlangte,als die Stadt Paris die Nerurtheilung Ludwigs federte, daß Philipp von O. undalle Dourbon« aus der Republik verbannt werden sollten. Das Betrogen desHerzogs in dem Processe des Königs, wo er mit herzloser Kälte für die Hinrich,tung seines Vetters stimmte, empörte selbst einen Theil der Jakobiner und erregt«lautes Murren in der Versammlung. Bei der Hinrichtung war rr zugegen, undfuhr hieraus nach Rainen, um diesen Tag durch eine Orgie zu feiern. Am 9,März besuchten ihn Danton, Robespierre , Maral u. A., um Geld zu einerVolksbewegung, die sie zu seinen Gunsten veranstalten wollten, von ihm zuempfangen; allein O. hakte nicht allein seine Schätze vergeudet, es fhlie ihni auchin dem entscheidenden Augenblicke der Muth, auf dos Rathhaus zu gehen undseine Rolle auszuführen. Nun gaben ihn selbst Robespierre und Danton auf, l ieihn wegen seiner vormaligen Gunst beim Pöbel schon längst heimlich gehaßt undihn nur wegen seines Reichthums noch eine Zeit lang g> schont hatten. Lie ließenihn aus der Liste der Jakobiner streichen, und bald gab die Emweichung seinesSohnes, des Herzogs v. Chartres , der den General Dumouriez auf seiner Fluchtbegleitet hatte, einen Vorwand, auch >h» zu stürzen. Durch einen Beschluß desConventS ward die Verhaftung sämmtlicher BourbcnS, und zwei Tage später ihreEntfernung nach Marseille , mit einziger Ausnahme der königl. Familie, die imTempel verblieb, angeordnet. Vergebens sichte O. den Convent und seine ehe-,maligen Freunde um Theilnahme und Schonung an. Umsonst berief er sich aufsein„Verdienst, für den Tod des Königs gestimmt zu haben!!" Alle Parteiengegen ihn, jede machte der andern die Verbindung mit einem soscheu zum Vorwürfe. Er ward daher nebst seine- ^milie in die Gefängnisse vonMarseille gebracht. Hier lebte er in solch.; Seilerei, daß der Prinz v. Conti denConvent schriftlich crütchte, ihn von seinem Mitgefangenen zu trennen, dessenNähe ihm eine härtere Straft dünke als der Tod. Der Convent nahm auf dieseBitte (9. April) keine Rücksicht. Als hierauf das Triminalgericht der Rhoncmün-düngen den gefangenen Philipp Egaliw für unschuldig erklärte, verbot der Wohl-fahrtsausschuß dessen Freilassung und ließ ihn nach Paris bringen, wo er t. L.Neu. früh um 4 Uhr sich vor dem Revolutionstribunale mir ziemlicher Ruhe undGewandtheit vertheidigte. Man beschuldigte ihn der Verschwörung gegen dieLicherheik der Republik ; aber seine Hauptvei brechen waren sein Vermögen undsein königl. Blut, weßbalb man ihn nach Abhörung eines einzigen Zeugen veiur-theilie. Er hörte das TodcSunheil mit S tandhaftigkcit an und staib denselbenTag (6. Nov. 1193) um 5 Uhr Abends; doch erblaßte er, als er dem Blutgerüst«sich näherte. Unter Verwünschungen rief das Volk ihm zu: „'I n veitä l-,>nc » t <ie ton e-nuein, ernnpieiiit lni rnacdcn, niaiü I» uo >ni six-o-de r.>-, guodun- In ßmillntine". Seine beiden jünqern Sehne wurden im Nov. 119» vonMarseille nach Philadelphia gebracht. Seine den 22. Juli 1192 von ihm geschie-dene Gemablin wurde im Sept. 1195 in Freiheit gesetzt, erhielt aber erst 1191den Genuß ihres Vermögens wieder. Nach dem 18. Fructidor ward ihre Depor-tation beschlossen; sie begab sich nach Spanien , wohin man ihr ein Zahlgeld von100,000 Fr. verabfolgen ließ. Noch der Restauration Ludwigs XVII!. kam sie1814 wieder nach Paris und blieb, durch Krankheit zurückgehalten, daselbst, als Bo-naparte sich im März 1815 des Tki ones von Frankreich zum zweiten Male bemäch-tigte. Sie starb bald nachher. Zhr und des Obigen einzig noch lebender Sohn ist
Eonverstiliviis-Lexikon. Bd. VIU. 8