114 OrlcanS(Louis Philipp, Herzog v.) Orloff (Familie)
O ll e a n s (Louis Philipp, Herzog v.), ein Fürst von edlen Grundsätzen undseltener Humanität, erster Prinz von Geblute, geh. d. 6. Oct. 1773, erzogen von sei:nee trefflichen Mutter und von der Frau v.Genlis, hieß vor der Revolution Herzogv. Charmes. Er verließ Frankreich , nachdem ein Verhastsbefehl gegen ihn ergangenwar, mit Dumouriez , hei dessen Heer er diente, 1795, und ging mit 100 Louisdor,seiner ganzen Baarschafr, von Mono aus in die Schweiz . Uni seine Familie vonaller Verantwortlichkeit wegen seiner Auswanderung zu ''efreien und sich seihst je--der Verfolgung zu entziehen, verharz er sich unter einem angenommenen Namen ineinem Thale der hohen 'Alpen , fern von der Heerstraße und desuchten Hegenden.Er hatte se.ner LLchwester das wenige ihm noch ädrige Held zurückgelassen; daherlitt er vier Monate lang die größten Entbehrungen. Alle Sonn: und Festtage gaber nicht mehr als etwa 8 Hrosehen aus, um sich und seinen alten Diener, der ihnnicht verlassen wollte, zu beköstigen. Als er nur noch einen Louisdor hakte, suchteund erhielt er die Professur der Geometrie an einem Collegium in Hraubündten.Hier blieb er 8 Monate, ohne daß ihn Jemand kannte, und erwarb sich die Achtungseiner Mulehrer in so hohem Grade, daß ein Herr v. Salis, der ihn vorher als Her:zog v. Orleans hakte verfolgen müssen, von der Geschicklichkeic des jungen Professorseingenommen, ihm die Stelle eines Hofmeisters bei seinen Kindern antrug. Alleinder Herzog lehnte dies ab und fuhr fort, in seinem Collegium die Heometrie zu leh-ren. Nach Robespicrre's Tode, als er nicht mehr wegen seiner Mutter und Gc-schwister in Ltorgen war, verließ er seinen Zufluchtsort und entdeckte sich einigenalten Freunden; doch lebte er noch eine Zeit lang in einer kleinen Schweizerstadteinfach und unerkannt. Späterhin 5egab er sich nach Hamburg und war entschlos-sen nach Nordamerika zu gehen. In der Folge lehre er, als Herzog v. Orleans , inEngland und zu Palermo in Sieilien. Hier vermählte er sich 1809 mit Amalie,König Ferdinands v. Sieilien Tochter, die ihm 6 L>. und 3 T. geboren hat. Nachder Restauration kam er mit seiner Familie von Palermo nach Paris. Bei Napo-leons MäN l815 begab er sich nach England und lebte zu Twickenham.
Er blieb daselbst, uA! die cG.nust einer Partei m Frankreich zwischen ihm und denPrinzen des kömzl. Hauses eine Sssgnnung veranlaßt hatte. Allein sein durchaustadclfreies Verhalten mußte ihm die Achtung des Königs sichern, und er kehrte1816 nach Paris zurück, wo er im Palais Roval, od-r auf seinem Landsitze Neuilly wohnt und Heneraloberster der Husaren, auch Großkreuz der Ehrenlegion (seit 1816)ist. 1824 erhielt er das Prädieat Königl. Höh. In der Pairskammer sprach er1815 und 16 gegen die von den Ultras wider die hohen Staatsbeamten Napoleons vorgeschlagenen Blutmaßrcgeln; daher kam das geheime Verbot, daß die Prinzenvon Geblüte den Sitzungen der Kammer nicht mehr beiwohnen sollen, außer beifeierlichen Gelegenheiten. X.
Orloff, ein russisches altadeliges Geschlecht. Gregor Orloff, unterPeter I. Oberstlieut., hinterließ 5 Söhne. Der 2., Gregorej O., kam liebstseinen beiden ältesten Drüdern in das Landcadettencorps, trat dann in ein Garde-regiment zu Fuß und ward Adjutant des GeneralfelozeugmeisterS Schuwaloff.Er lebte mit seinen Brudern ausschweifend, und wußte sich, als sein Vermögenaufgezehrt war, durch Spiel und andre Kunstgriffe zu helfen. Im siebenjähr.Kriege ward er mit dem zum Gefangenen gemachten Grafen Schwerin nach Peters-burg geschickt, wo ihn zufällig die Großfürstin Katharina sah, die eben in Po-niatowski ihren Liebling verloren hatte. Der Anblick des schönen Mannes fes-selte ihr Herz, und bald entspann sich ein Verständniß. Die Idee einer Thronre-volution, welche die Kaiserin ihrem Günstlinge mittheilte, ward von diesem mitFeuer ergriffen. Er zog seine Brüder, die ebenso ehrgeizig als er waren, inSGeheimniß, und sie übernahmen es hauptsächlich, die Garden zu gewinnen; eraber erhielt auf der Kaiserin Empfehlung die Zahlmeisterstelle bei der Artillerie und