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Achter Band. O bis Q.
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124 Osiander

seinen Geist und seine Thätigkeit nicht geschwächt, und noch wenige Tage vor seinemTode (18. März 1199) haue er einen EhristuSkopf vollendet. Seine zahlreichenWerke haben Mensel und Rost verzeichnet; viele derselben sind durch Kupfer-stiche bekannt.

Osiander (Friedrich Benjamin), Pros. und Hosrath zu Göttingen , einerder ausgezeichnetsten Pfleger der EnrbindungSkunst in der Theorie und Praxis,geb. am 9. Febr . 1159 zu Zell im Königr. Würtemberg, erhielt seine erste Bil-dung in der Klosterschule zu Denkendorf , wo er die Neigung zur römischen Litera-tur gewann, die er in seinem spätern Leben durch eine Sammlung von Epigram-men über Gegenstände seines anatomischen Museums (1801 und 1811) beurkun-dete. Nach Vollendung seiner Studie» in Tübingen und Strasburg begab ersich 1119 nach Kirchhen», wo sein Vater Archwiakonus war, um die Laufbahneines praktischen Arztes zu beginnen. Sein Gönner, der Frech. v. Palm, der inKirchheim lebte, gab ihm Unterstützung zu einer Reise nach Kassel , wo O. beinaheein halbes Jahr lang den Unterricht und die Leitung des berühmten GeburtshelfersStein genoß. Er blieb darauf in Kirchheim, bis er 1192 als Pros. der Entbin-dungskunst und als Direcwr der Gebäranstalc nach Gottinge» berufe» wurde.Diese 1151 gegründete Anstalt, die besonders durch Röderer die erste Entbin-dungsschule Deutschlands geworden war. hakte seit 1185 ein neues Gebäude er-halten, dessen Musterhafte Einrichtung O. vollendete. Seitdem widmete er dieserAnstalt 30 I. lang die erfolgreichste Thätigkeit. Binnen dieser Zeit sind aus der-selben gegen 3000 Zöglinge der Entbindungskilnst hervorgegangen, und für diesorgfältige Verwaltung derselben spricht der Umstand, daß von 80—100 Gebä-renden, die jährlich aufgenommen wurden, in mehre» Jahren oft nicht eine inder Anstalt starb, und daß der Vorsteher während der ganzen Zeit, selbst in denschwierigsten Fällen, durch zeitige Anwendung künstlicher Hülfe der Nothwendig-keit vorbeugte, zu gewaltsamen Mittel» zu schreite». Er hat die Geschichte derAnstalt und die daselbst vorgekommenen merkwürdigen Fälle seit 1191 in mehrenSchriften erzählt. Die Theorie seiner Wissenschaft förderte er durch sein „Lehr-buch der Hebammenkunst" (1190). besonders aber durch sein „Handb. der Entbin-dungskunst" (Tübingen 1818—21, 2 Thle.), mit einer Sammlung von Abbild.,die er selbst gezeichnet hatte, nnd mehre, zum Theil in den „Eommentationen derkonigl. Gesellsch. der Wissensch. zu Göttingen " befind!. Abhandl. Die Krankheitendes weiblichen Organismus, die er schon in frühern Jahren (1181) dargestellthakte, machte er später zum Gegenstände einer eignen Schrift: „Über die Ent-wickelungskrankheiten in den Blükbenjahren des weibliche» Geschlechts", die zuerstin Göttingen 1811 fg. und dann 1820—22 zu Tübingen in 2Bdn. erschien. Umden praktischen Theil seiner Wissensch. machte er sich vielfach verdient, z.B. durchdie Verbesserung der Geburtszange, durch die Angabe eines Beckenmessers, einerWage zur Wägunq neugeborener Kinder, eines Geburtsgestelles u. a. m. Die Stif-tung einer Gesellschaft von Freunden der Entbindungswissenschaft, seit 1196,trug unter seiner Leitung auch gute Früchte. Eine reiche Sammlung von anato-mischen und pathologischen Präparaten, die theils unter seinen Augen waren be-reitet. theils mit großen Kosten angekauft worden, vollendete den Kreis der Lehr-mittel, die sich in der von ihm vervollkommneten Anstalt vereinigten. Zur Ver-breitung der Schntzpockenimpfling trug er eifrig bei, und benutzte auch die „Hanö-venftbeii Anzeigen", um das größere Ptiblicum über Gegenstände der Heilkunde zubelehren. Seine zahlreichen, beinahe alle Theile der Arzneiwissenschaft berühren,den Schriften, die Saalfeld in seiner „Geschichte der Univers. Göttingen von 1188—1820" und Mensel nennen, zeugen von einer seltenen Belesenheit auch inFächern, di»nicht zunächst zu seiner Wissenschaft gehören, wiewol er, um ver-meintlich anziehender zu werden, häufig Dinge einmischte, die der Würde einer