128 Hsmanisches Reich (Gesch. v. 1453—1566)
ihm hatte das Leftn alter Schriftsteller den Ehrgeiz, groß wie Alexander zu sein,entzündet. Rasch griff er Konstantinopel an. Es fiel den 29. Mai 1453, und derletzte Paläologe, Konstantin XI. , begrub sich unter den Trümmern seines Throns.Sendern ist Stambul der Sitz der hohen Pforte. Darauf baute Mohammed die Schlösser der Dardanellen und ordnete die Grundverfassung des Reichs, wobeier Nußhirwan's Einrichtungen des persischen Reichs zum Muster nahm, aberauch den Brudermord als Befestigungsiniktel des Thrones zum Staatsgesetzeerhob. Dann unterjochte er Morea (1456) und führte den letzten Komnener, denKaiser von Trebisonte, als Gefangenen nach Konstantinopel (1461). Vergebensrief Pius II. die Christenheit zu den Waffen. Mohammed eroberte (1470) denRest von Bosnien , und »ach Skanderbeg'S Tode Epirus (1465), nahm denBenetiancrn Negroponke und LeninoS, denGenuesern Kassa, und zwang den Khander knmmischen Tataren, aus DschingiS-Khan'S Geschlecht, ihm zu huldigen(1473). Schon hatte er Dlranto in Neapel (1480) erobert, da starb er mittenunter großen Entwürfen gegen Rom und Persien . Hierauf drängte sein Enkel,Selim I. , der den Vater entthront und getödlet, dann 2 Bruder nebst 5 Bruders-söhnen (1512) erwürgt hatte, die Macht der Perser bis an den Euphrat und Ti-gris zurück. Er schlug die Mamelucken und eroberte (1517) Ägypten, Syrien undPalästina. Mekka unterwarf sich, und Arabien zitterte. 50 Jahre lang waren dieWaffen der Osmanen zu Lande und zur See das Schrecken Asiens und Europas ;am furchtbarsten unter Suleiman 1l. (1519 — 66), dem Prächtigen, auch derGesetzgeber genannt. Er entriß den Iohannitern RhoduS (1522) und unterwarfsich nach dein Siege bei Mohacz (1526) halb Ungarn ; die Moldau zahlte ihmTribut; in Asien schlug er die Perser, sodaß Bagdad, Mesopotamien und Geor-gien ihm Unterthan wurden. Schon drohte er Deutschland zu überziehen und dieFahne Mohammed's im Abentlande aufzupflanzen, da brach sich sein Ungestüman den Mauern von Wien (1529). Doch als Ungarn , aus Haß gegen Östreich,seinen König Johann v. Aapolya unter des Padifchah mächtigen Schutz stellte, derglückliche Seeräuber Kair-Uddin (Barbarossa) das mittelländische Meer beherrschte,Nordafrika unterwarf (vgl. BarbareSken), und Minorca, Lstcilien, Apulien und Körfu verheerte, da konnte Suleiman Europa unterjochen, hätte er seinenPlanen Zusammenhang und Festigkeit zu geben gewußt. So scheiterten die Ent-würfe des Eroberers an der Siaarsklugheit Karls V.; ihm widerstanden zur Seedie Venetiancr und der Genueser Andreas Doria, die Tapferkeit des GroßmeistersLa Valetke auf Malta , und die Mauern von Zigeth, welche Zrinyi vertheidigte.Zwölf Sultane, alle muthvoll und kriegerisch, fast alle unaufhörlich siegend, hat-ten bis jetzt, im Lause von dritthalbbundert Jahren, die Macht des Halbmondeserhoben; aber die innere Kraft des VkaatS blieb unentwickelt. Zwar vollendeteSuleiman durch s. Gesetzbücher die von Mohammed II. gegründete Staats- undHvfordnung, auch vereinigte er (1538) die Priesterwürde des KhalifatS mitÖsman's hoher Pforte; allein er verstand es nicht, die überwundenen Völker zueinem Ganzen zu verbinden, und verschlckß die Thronfolger in das Serail. Diesesaber erzieht so wenig Helden als Staatsmänner. Von der Zeit an artete das Ge-schlecht Osman'ö aus, und die Macht der Pforte sank. Seit Suleiman's Tode(1566) bis auf unsere Zeit regierten 18 Sultane, und unter allen nicht zwei muth-volle Krieger, nicht ein siegreicher Fürst. Denn diese Herrscher stiegen aus demGefängniß auf den Thron, und lebten im Serail, bis sie nicht selten denThron wieder mit dem Gefängnisse vertauschten. Nur einzelne große Bessere, dieKiuprili und Ibrahim, bis auf den unglücklichen Mustapha Dairaktar, hieltenden Fall des Staates auf. Aber im Innern versank das Volk immer tiefer in denSchlamm der Unwissenheit und des Despotismus. Raubgieriger noch und will-kürlicher als der Sultan und sein Divan herrschten in den Provinzen die Paschas.