Band 
Achter Band. O bis Q.
Seite
129
JPEG-Download
 

12S

Osmanisches Reich (Gesch. von 1618 —1174)

Nach Außen wurde die Pforte da« Spiel der europ... Politik, und mehr als ein Malvon dem Eabiaete zu Versailles in Kriege gegen Östreich und Rußland Verwickelt,Während überdies Europa in jeder Kunst des Friedens und des Krieges vorwärk»-schritk, hingen die Osmanen, Staat und Volk, träge und gleichgültig an dem AI«ten. Denn im blinden Glauben an ein unvermeidliches Schicksal befangen und vonihrem alten Waffenruhme aufgebläht, verachteten sie die Fremden als Ketzer (Gau »ren). Ohne festen Plan, als den des wilden Hasse« und der Eroberung, setzten siedie Kriege mit Persten, Venedig, Ungarn und Polen fort. Gefahrvoller waren d «Empörungen der Janitscharcn und der Statthalter. Datum bewaffnete sich derArgwohn des Despoten mit Dolch und Schnur; er opferte feig die tüchtigen Män-ner seines Divans dem Hasse der Soldaten und der Ulema auf. Gewöhnlich ließder Thronfolger seine Bruder ermorden, so Murad Nl. (1514 — 95) 9, undMu-hammed 111. (1595 — 1803) I9Btüder; aber auch das Volk sah gleichgültig tenverhaßten Sultan erwürgen, oder ten unfähigen absetzen. Mustapha l. winke 2Mal e»tthiont(1618 u. >828), Osman ll. und Ibrahim wurden erdrosselt; jr«ner 1622, dieser 1848. Zwar eroberte Selim U. Cypern 1511; aber in dems. I.schlug D. Juan d'Austi ia die türk. Floite bei Lepanto . Hundert Jahre später, in»«ter Mohammed IV., fiel nach 13jähr. Widerstände Kandia 1689, und der BesterKara Mustapha gab ten von Östreich gedrückten Ungarn ihren Heerführer, desGrafen Tökeli, zum Könige (1882); aber schon im folg. I. wurde er von Wien ,das er belagerte, zurückgeschlagen, und nach der Niederlage bei Mohacz (1681) ver-loren die Ösmanen die meisten festen Plätze in Ungarn . Darüber erbittert, stießdas Volk den Sultan ins Gefängniß. Auf kurze Zeit stellte der Großvcsier KiupriltMustapha die Ordnung, den Muth und den Sieg wieder her; allein er blieb in terSchlacht gegen die Deutschen bei Salankeme» 1891. Endlich zog der Sultan Mu»stapha ll. selbst zu Felde ; aber ihm gegenüber stand der Held Eugen, der Sieger beiZeniha (1691), und am Don eroberte Peter d. Gr. Asow. Also mußte er im Ver-trage zu Karlowitz (1899) auf Siebenbürgen und das ganze Land zwischen derDonau und Theiß verzichten, den Denekianern Morea zugestehen, den Polen Podo-'lien nebst der Ukraine zurückgeben, und den Russen Asow lassen. Damit begann derFall der Macht der hohen Pforte. Hierauf zwang ein Aufruhr der Janitscharen,welche, der alten strengen Zucht entwöhnt, Gewerbe weiden und häuslich leben woll-ten, den Sultan abzudanken. Gleichgültig sah sein Nachfolger, der träge und üp-pige Achmed III., den Unruhen in Ungarn , dem span. Ei bfolgekriege uiid dem großennord. Kriege zu. Endlich gelang es seinem Schützlinge, dem beiPultawa besiegtenKarl XII. (s. t.), ihn zum Kriege gegen Peter zu reizen; aber leicht erkaufte dermit 'einem Heere eingeschlossene Zaar ten Frieden am Pruth (1111) mit derRück-gabe von Asow. Nun griff der Grosvester Venedig an und nahm Morea (1115);aber Östreich stand der Republik bei, und Eug.n's Siege bei Pelerwardein undBel-grad (1111) entrissen der Pfone im passarowitzcr Vergleiche (1118) TemeSw.rund Belgrad mit einem Theile von Sei bier und derWalacheft doch behielt sie Mo-rea. Ebenso unglücklich waren Achmed's Waffen gegen Persten; darum stieß ihnein Aufruhr ins Gefängniß (1138). Hinauf demüthigte der russ. Feldherr Mün-nich den Stolz der Osmanen <1136); aber Östreich, Rußlands Bundesgenosse»war nicht glücklich, und der franz. Gesandte in Konstantinopel bewirkte den Ab-schluß des belgrader Vergleichs (1139), durch welchen die Pforte Belgrad mit Ser-bien und der Walachei wiedererhielt. Als hierauf nach 3vjähr. Ruhe Mustapha III.Rußlands steigende Größe wahrnahm und deßhalb von Katharina ll, verlangte,daß ße Polen räumen sollte, so entschieden im Kriege von 1168 — 14 Rumjänzoff'sTriumphe das politische Übergewicht Rußlands . Schon damals siegte eine r, ss.Flotte in den gi iech. Gewässern, und Alepis Orloff rief die Grieche» zur Freiheitaus. Ein unglücklicher Versuch! Doch mußte Abd-usiHamid im Frieden zu Kut-E»r»ttsatioiir>repic»u. Bd. VIII- 9