Band 
Achter Band. O bis Q.
Seite
135
JPEG-Download
 

L35

Osmanisches Reich (statisk.)

Kafes (Käfig) unter Verschnittenen und Odaliken erzogen. Jeder lernt eine me-chanische Kunst oder ein Handwerk; mit allen einem Regenten nöthigen Kennt-nissen aber bleiben sie unbekannt. Sie haben keine andre Aussicht als den Thron,oder die, im Kafes zu sterben. Die Töchter des Sultans heißen Suliana undwerden nach dem Herkommen schon in der Wiege an Desiere, Paschas oder andreGroße vermählt; aber ihre männlichen Nachkommen sind nach einem Reichsgrund-gesetzt gleich nach der Geburt zum Tode verdammt. Der Hofstaat zählt mitallen Verschnittenen, Weibern, Garden ic. an 10,000 Personen. Der äußereHofstaat besteht aus dem Oberhosmeisterstabe, ? Kammern, den Hofämtern, der2000 M. starken Leibwache (das bisherige Corps der Dostangi wurde 1826 aufge-hoben), den Vertraute» oder Titular-Würdenträgern, wohin die Stummen, dieZwerge, die Tonkünstler, die Herren der Audienz, die Herren des Steigbügelsund die Desiere der Achsel gehören. Der innere Hofstaat besteht aus dem Haremmit seinen Weibern, weißen und schwarzen Verschnittenen, deren Aufseher, derKislar- und Kap« Aaa, als die vornehinstc» Vertrauten des Sultans, vielen Ein-fluß habe»; dann aus dem Großvesier und der sogenannten hohen oder glänzendenPforte, welche die beiden Cabinete des Kiaga Beg oder Munster des Inner» unddes Reis Effenki oder Ministers der ausmärt. 'Angelegenkeilen bilden. DerTiicl desjetzigen Padischah ist: , Wir Sultan , Sokn eines Sultan, Chakan, S ckn ei-nes Ehakan, Sultan Makmuo II., Khan, Sohn des siegreichen Sultan Abd-uk-Hamid, durch die unendliche Gnade des Schöpfers der Welt und ewigen Wesensund durcb die Vermittelung und großen Wunder des Mohammed Mustapha, desvornehmsten unter teil Propheten, über dem der Segen Gottes ruhe, Diener undHerr der Städte Mekka, Medina und KudS, gegen meist e die ganze Welt ihrAngesicht wendet, wenn sie betet, Padischah der 3 große» Städte Istambul , Ed-reneh und Bnrssa, welche alle Fürsten mit Neide ansehen ic." Das Reichswappen, welches Mohammed >1. nach der Eroberung Konstantinopels annahm, istein grünes Schild mit einen, wachsenden silbernen Monde. Für verdiente Euro-päer stiftete Selim lll. 1199 bei Gelegenheit des von Nelson bei Abukir erfoch-tenen Sieges den Orden des halben Mondes mit 3 Clasien. Nelson, Scbasttani und andre Ausländer haben ihn erhalte». Die Staatsverwaltung istorientalisch. Im Namen des Sultans regiert der Großvesier, oder in seiner Ab-wesenheit der Kaimakan; doch haben auch die Umtriebe im Seraj unter den Wei-bern und Verschnittenen vielen Einfluß. Der höchste StaatSralh, Diva», wirbunter dein Vorsitze des Großvesiers im 2. Hofe des Seraj gehalten. Den ordentli-chen bilden die höchsten Reichsbeamten (der Kiaga Beg, der Reis Effendi, derDefterdar oder Finanzminister, der Kapuda» Pascha oder Großadmiral, derTschausch Baschi oder Minister der ausübenden Gewalt) und die Agas der Trup-pen; zu dem außerordentl. Divan werden auch andre Personen, vorzüglich derMufti, berufen. Die Provinzen sind, mit Ausnahme der Moldau und Wala-chei und der beiden Hauptstädte Istambul und Edreneh (Adrianopel ), in 25 Eja-letS, Paschaliks oder Statthalterschaften mit 290 Sandschaken oder Fahnen ein-getheilt, unter welchen die Statthalter von Rnniili, Anadoli und DamaS den Ti-tel Beglerbcg führen und 3 Roßschweife vor sich her tragen lasten, welches Rechtauch der Kapudan Pascha (Großadmiral) besitzt; die übrigen Paschas führen derennur zwei. Die Paschas in den Provinzen haben ihren Divan, der wie derReichü-divan besetzt ist. Übrigens ist ihre Gewalt, inwiefern die mächtige Ulema ihr nichteinen Damm entgegenseht, unumschränkt, und ihre einzige Verpflichtung bestehtdarin, daß sie die Abgaben an den Großherrn entrichten. Dock werden sie biswei-len ron ihren Posten entfernt, wenn das durch unerschwingliche Losten gereizteVolk sich empört, oder wenn die Ulema sich gegen sie erbebt; oft auch wol nur,um ihren Trotz zu bestrafen, aus Argwohn und Hw ihr Vermögen einzuziehen.