116 Otahiti
Eigenthum für eine willkürliche Anstalt der bürgert. Gesellschaft; allein die nähereBekanntschaft mit jenen Insulanern, ehe sie noch durch europ. Gewohnheiten undLaster verführt waren, zeigte bald, daß, ohne Liebe zurArbeit und ohne Achtung fürdas Eigenthum, derMensch, auch wenn die Natur ihn noch so freigebig ausstattet,sich nicht zu einem sittlichen Wesen entwickeln kann. Nach vielen mißlungenen Be-kehrungrversuchen, z. B. der Brüdergemeinde seit 1197, ist es endlich engl. Mis-sionarien geglückt, unter den durch europ. Laster verwilderten Otahitern dasChristenthum einzuführen. (S. Pomarre.) Die Bew. von Otahiti, Eimeo,Tapuaman und Huoheine, Rajatea, Tahaa, Borabvra und Maurua haben seil1811 den Götzendienst ganz verlassen. Die heidnischen Bilder und Altäre (z. B.die Morais, ihre Begräbnißplähe und Tempel) sind verschwunden, ebenso dieschrecklichen Menschenopfer und Kindermorde. Der Sonntag wird jetzt auf sämmt-lichen Inseln gefeiert. Die Bewohner können lesen, und viele auch schreiben.Otahiti hat auf 20 s^W. 1000 Einw.; Cook zählte daselbst vor 1110, undBougainville , der 1108 dort war, gegen 20,000 Menschen. Die Abnahme derBevölkerung war eine Folge der hitzigen Getränke und der syphilitischen Krankhei-ten, mit welchen die Europäer sie beschenkten, sowie des durch die Priester ge-heiligten Gebrauchs, daß die Weiber der vornehmsten Classe ihre Kinder gleich»ach der Geburt tödteten. — Die Insel ist gebirgig, eine Bergspihe hat nach För-ster 10,230 F. Höhe. Da sie sich in 2 Halbinseln theilt, eine größere und einekleinere, jede mit einem Hafen, so hat sie auch 2 Erbkönige, und Ehrgeiz undSchwäche spielen hier so gut mit dem Glücke der Völker wie in Europa . Unter denübrigen Inseln kommt Rajatea der Insel Otahiti an Schönheit fast gleich. DieBlutrache verwickelte bisher diese Völkerschaften oft in hartnäckige Kriege „ die siezu Lande und zur See führten, und wobei die Gefangenen bisweilen zu Tode ge-martert wurden. Das sonst gutmüthige, gastfreie, frohe Völkchen auf Otahitiist von weißerFarbe mit etwas blaugelbem Anstriche. Die Wohlhabenden zeichneteine schöne Bildung aus. Die ürmern Einw. treiben den Feldbau, aber ohne Er-müdung, denn 3 Brotbäume können einen Menschen ein Jahr hindurch ernähren.Der Bau des Getreides und der europ. Küchenkräuter macht ihnen zu viel Mühe.Auch haben sie Kokosnüsse, Bananas, Platanen, Yamswurzeln, Pisang, Po-laren, Arawurzeln ic. Man bewundert die Geschicklichkeit der Einwohner im Ver-fertigen kunstreicher Zeuche vom Baste des Papiermaulbeerbaums, geflochtenerMatten, Kanots, Fischergeräthe, musikal. Instrumente und Waffen aus Stei-nen (z. B. Basalt), Knochen und Eisen. Sie ergötzen sich mit Musik und drama-tischen Tänzen. Ihre Kenntnisse bestehen, außer jenen mechan. Geschicklichkeiten,fast nur in Heilmitteln. Das Tätowiren ist jetzt verboten. Don den Europäernhaben sie zu ihren einheimischen Thieren, unter welchen die Hunde und Schweinedie Hauptnahrung der Vornehmer» sind (Vögel und Fische für die übrigen),Pferde, Ziegen, Schafe, Pfauen, Truthühner und Gänse erhalten; auch kom-men Zuckerrohr und Kartoffeln gut fort. In dieser Hinsicht machten sich Cook undCap. Bligh sehr um Otahiti verdient. Sie führten Orangen, Ananas, Citronenu. a. Früchte ein. Cook wurde daher von ihnen, bis zur Annahme des Christen-thums, als ein Heiliger, als ein Gott verehrt. Sie kennen nur den Tauschhan-del. Im Allgemeinen sind sie nicht so gelehrig wie die Sandwich-Insulaner;doch haben sie mehre Handwerke von den Missionarien gelernt. Wer die liebens-würdige Königin Oberea, die Freundin des Capitain Wallis , wer den gutmü-thigen Tupia, welcher aus Freundschaft dem Capit. Cook folgte und auf der Seestarb, und den ehrlichen Omai, der mit Cook nach London reiste, wo er eine Zeitlang die vornehme Welt beschäftigte, näher kennen lernen will, der lese I. Reinh.Forster's „Reise um die Welt" (Berlin 1118 — 8t); v. Zimmermann's„Australien" (Hamburg 1810); Lindner'S „Australien" (Weimar 1814) und