Paderborn 195
Was Karl d. (Ar. und die Klöster des Mittelalters dafür thaten, verfiel mit diesenInstituten selbst, und es bedurfte, selbst nach dem Wiederaufleben der classischenLiteratur und den Bemühungen der Reformatoren. Jahrhunderte, um die Ideen zuzeitigen und in Umlauf zu bringen, welche den gegenwärtigen Standpunkt der Pä-dagogik bezeichnen. (Vgl. Menschenbildung und Methode.) Engländer,Franzosen und Deutsche haben das Meiste und Beste für diese Wissenschaft gethan;eine spstematische Anordnung verdankt sie insonderheit dem Scharfsinne deutscherPhilosophen. Obgleich sie nicht gerade an eine der neuern Philosoph. Schulen ge-,bunden wurde, so lassen sich doch mir Niemeyer mehre pädagogische Systeme anfuh-ren, die im 18. Jahrh, »ach einander und gleichzeitig galten. Hiervon haben dieFrank'sche Schule (s. Pietismus ) im Anfange biS gegen die Mitte, und diephilantkropische (s. Philanthropinismus) von der Mitte bis gegen dasEnde dieses Jahrh, ibre vorübergehenden Epochen in Deutschland gehabt; dagegendie Humanisten (s. Human), die der Elfer für die Ausrechkhaltung der classi-schen Literatur und der Wunsch, das Schulwesen der Aufsteht der Geistlichkeit zueinziehen, verbunden hält, und die Eklektiker, z. B. Viemeyer selbst, welche demGrundsätze: „Alles zu prüfen und das Beste zu behalten", folgen, sich immer unab-hängig und im Besitze einer bedeutenden Wirksamkeit behauptet haben. Die Ge-schichte der pädagogische» Ideen entkälr Schwarz's „Erziehungslehre", (1. Anst.in 4 Bdn. 1802—13; 2. Aufl. in 3 Bdn. Leipz. 1829). Außer dem Bereich dieserpädagogischen Systeme, auf dem Grund und Boden einer eignen trefflichen Ideestand Pestalozzi's (s. d.) Unternehmen, dem die praktische Pädagogik eine tiefereBegründung und ein neues Leben verdankt. > .
Paderbor n, ehemals ein reichSunmittelbarcsBiSthum im westfäl.Kreise.Dieses Fürstenthum (44 UM., 97,000 E.) wird durch rauhe Gebirge, die Eggegenannt, in den unter- und oberwaldischen Bezirk eingetheilt. Der Boden ist iinGanzen sehr fruchtbar, besonders das sogen. Sendvelt, zwischen der'Alme und Die-ntest Beträchtlich ist die «Lchweine- und Schafzucht. Da? Land liefert Eisen, Stein-kohlen, Salz, und hat beträchtliche Waldungen. Das Bisthum war eins der ersten,welcheKarl d.Gr.stiftete; die Stiftskirche wurde 799 von Leo 111. selbst emgewecht.1802 kam da? Land an Preußen und 1806 an das Königreich Westfalen , stel abernach dessen Auflösung an Preußen zurück und bildet jetzt einen Theil des zurProv.Westfalen gehörigen Regierungsbezirks Minden. Die Kreisst. Paderborn (870H., 6700 E.) hat enge finstere Straßen und ist der Sitz des ÖberlandeSgericbtSund eines BiSthumS. Hauptnahrungszweige sind Ackerbau und Viehzucht. Indem Dome befanden sich, außer a.Kostbarkeiten, die goldenen Bildnisse der 12 Apo-stel und der silberne Sarg des heil. Liborius , welche Herzog Christian v. Braun-schweig 1622 wegnahm und aus letzterM die, jetzt selten gewordenen, Thaler mitder Umschrift: „GottesFreund, und der Pfaffen Feind", schlagen ließ. DerDomwart 777 von dem ersten Bischof Harhumar zu bauen angefangen; er brannte1000 ab. Der jetzige ist aus dem 12. und 14. Jahrh., mit beträchtlichen Veränderun-gen a. d. 15.16. u. 17. Jahrh. Aus Karls d. Gr. Zeit soll noch die Geroldscapelleübrig sein. Von dem Dom, den der berühmte Bischof Meinwerk 1015 vollendete,steht noch die BartholomäuScapelle. S. Brand'S „Hist.-artist. Darstell. des Domszu P.(Lemgo 1827). Die Pader entspringt unter dem Dom aus 3 Quellen in einersolchen Stärke, daß sie 20 Schritte davon einige Mühlen treibt. Außer dem kathol.Gymnasium hatte P. eine Universität, welche 1592 von dem Fürstbischöfe (Theodorv. Fürstenberg gestiftet, und 1623 eingeweiht nur aus einer tbeolog.und pbilosopb.Faculkät bestand. Sie ward 1819 aufgehoben, und der Fonds zur Verbesserung des(Gymnasiums inPaderborn und der kheolog. Faculkät in Münster verwandt. P. hatauch ei» Priesterseminar, 5 Kloster und einen Verein für die Geschichte und Alter-thumskunde Westfalens. Unweit P.liegt derTeutoburger Wald (s. d.).
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