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Achter Band. O bis Q.
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Palais Royal

sem oder jenem Buchhändler frage man nach dem ältesten wie nach dem neuesten,nach dem wissenschaftlichsten wie nach dem frivolsten Buche, und man wird es fin-den. Berühmte und unberühmte Schriftsteller versammeln sich bei ihm, und umsie her wimmelt es von Kritikern undDilettanten. DasBijouteriegewölbe daneben,das 3 Bogenballen einnimmt, bietet der armen Braut den kleine» Ring und derreichsten Fürstin die brillantenen Armbänder. Dies funkelnde Gewölbe ist Abendsvon mehr als 50 Wachskerzen erleuchtet, und große Spiegel vermehren das zauberi-sche Strahlen-, undFarbenspiel. Elegante Modehandlerinnen walten hier Mit ihremScepter. Was die phantastische Laune aus Band und Pettinet, Blumen und Fe-dern zu schaffen versteht, formt sich hier unter den niedlichen Fingern einer Scharvon zierlichen Mädchen. In diesem Gewölbe breiten sich die glänzendsten seidenenZeuch?, die köstlichsten Merinos aus, in jenem die feinsten Tücher, die weichstenorientalischen ShawlS, hier die nettesten Wäschwaaren, dort die zartesten Sticke-reien. Gewölbe mit Uhren aller Arten wechseln mit Niederlagen des geschmackvoll-sten Porzellans ab; hier sind Knöpfe von Wedgeivood und Diamanten, dort Uhr:ketten von Gold, Degengefäße von Stahlbrillanten und Silber; hier duften dielieblichsten Parfums, dort fesseln den Blick die vollendetsten Miniaturgemälde, dieherrlichsten Kupferstiche; und ebenso lockend sind Bonbons wie mathematische In-strumente, Kinderspielzeug wie Gewehre in bunter Mannigfaltigkeit nebeneinander-gereiht; dazwischen erblickt man wieder ein weites Gewölbe, das Alles faßt, wasman an Bekleidung im erlesensten Geschmacke nur wünschen kann: dort ein andresmit Chiffonnieren und allem HauSrath, dein Bequemlichkeit, Kunst und ModeEntstehung, Pracht und Gestalt gaben. LoiteriecollecteurS und Geldwechsler,Pelschaststecher und Pastetenbäcker, Restaurateurs und Obsthändlerinnen drängensich in jede Reihe. Anfgethürmt sind die erwähltesten Leckereien aller Meere undProvinzen in der berühmten lluiiilgna ^o», >,>->,ist, während man in dem

cke lol das beste Eis findet, bei welchem die ausgesuchteste Gesellschaft sich Versam-melt. Aus dem Oal'e N, -iven-stes ertönt die fröhlichste Musik von lauter Blinden ausgeführt, während wilder Lärm und freche Ausgelassenheit aus den >ln«riiean und >Iu n, erschallen. Daneben zieht dertäckeü» ventrilo-zne durchdie Possen seines Eigenthümers ebenso viele Gäste an, als dort der tVö ,!,.<>nulle >->ils>!>nr8 durch seinen, von allen Seiten zurückgespiegelten Glanz. Übrigenssind alle Waaren im Palais Royal um die Hälfte theurer als im übrigen Paris .Das äußere Leben drängt sich hier so allgebietend auf; eS scheint über alles Geisti-ge, über das Innere, Reine, Heilige und Natürliche so leichtsinnig zu spotten, daßder unverdorbene Fremde sich gewiß aus diesem bethörenden Lustlabyrinthe baldwegsehnt. Noch anlockender und verführerischer als die Galerien sind die obernSäle. Hier sind in der ersten Etage zwischen reichen Magazinen und glänzendenRestaurateursalen jene verrufenen Spielzimmer, wo an der grünen Tafel Rouletteund Rouge et uoir die letzten Funken der Vernunft ersticken. In den Mansardenwohnen Künstler, viele der Familien, deren Gewölbe und Läden in den Bogen-hallen sind, auch einzelne öffentliche Mädchen mit Matronen, jedoch nicht in solcherZahl und noch weniger so hoch gebildet, als <S oft in Reisebeschreibungen darge-stellt wird. Spaziergänger trifft man zu jeder Tageszeit im Palais Royal an.Früh eilt der ernste Geschäftsmann, der fleißige Künstler durch, um noch einmalfrische Lifft zu schöpfen, ehe er an seine Arbeit geht; die Bewohner sind da noch imtiefen Schlafe. Nach 8 Uhr werden die Gewölbe geöffnet; nach 9 Uhr fangen dieCaffeehäuser an sich zu füllen, die ZeitungSleser versammeln und die Gruppen ver-vielfältigen sich. Von 12—2 Uhr wird es der Sammelplatz der vornehmsten Welt;rechtliche Frauen erscheinen und bilden hier die Schule des Geschmacks und derMode. Die Bänke reichen nicht zu; Hunderte von Strohstühlen, die unter denBäumen aufgeschichtet standen, werden herbeigeschafft und für 2 Lwus vermiethet.