Band 
Achter Band. O bis Q.
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PalamedeS Paläograplsse 203

Bon 2—5 Uhr nimmt die wogende Menge ab. Dagegen benutzen die Wärterinnen,Ammen und Mutter mit ihren Kleinen diese Pause; aber bald strömt Alles, was indie Theater eilt, herbei. Gegen 8 Uhr nehmen die öffentlichen Mädchen die Alleeein, und später findet man solche, sür eine kurze Zeit. noch zahlreicher in den Gale-rie», welche die Polizei ihnen zu ihren Promenaden angewiesen hat. Die funkelndeBeleuchtung beginnt, und die Stunden bis 1t Uhr werden die täuschendste» undmannigfaltigsten. Nach 11 Uhr verliert sich allmäbg das Getümmel, unk um 12Uhr ist Alles leer und todtenstill. Da die Alleen 3 Mal des Tages besprengt wer-den, so ist der Staub nie beschwerlich. Eine wohlthuende Abkühlung bewirkt ein inder Mitte des Gartens angelegtes großes Bassm mit einem Springbrunnen, der ineiner aus 24 Öffnungen hervorgehenden Garbe aufsteigt. Auch tritt man aus demGarten durch eine zweite Galerie in den Hof, wo gewöhnlich die herrlichsten Blu-men und fremde Gewächse Zu haben sind. Ein andrer Ausgang führt durch eineFreitreppe hinauf in die glänzende Rue Bivienne. So wenig dieser Ort, wotie Lltiiienlust des Leichtsinns über alles Reine, Lttsie und Heilige zu spottenscheint, den unverdorbenen Fremden fesseln wird: so bclehrend ist er dennochfür den Unerfahrenen, ergötzlich und unterhaltend sür den Schuldlosen undanziehend für den Beobachter der Menschen und Sitte»; er ist das reichsteund lebendigste Gemälde der Frivolität und des Luxus, des Sinnenrauschesund der Verderbtheit der neuer» Zeit.

PaIamede s, einer der griech. Helden vor Troja, nach der Sage ein Sohndes NaupliuS, Königs von Euböa , und der Klymene. Nachdem er mit anderngriech. Gesandten die Helena von Priamus vergebens zurückgefedert und den ver-stellten Wahnsinn des Ulysses, der sich dadurch von dem Zuge gegen Troja frei z»machen dachte, aufgedeckt hatte, schloß er sich dem griech. Heere an. Zm Kriegsratheder griech. Helden setzte er sich den Anmaßungen des Agamemnon entgegen undnahm selbst eine Zeit lang dessen Stelle als Oberfeltherr ein. Doch kommt von die-ser Theilnahme des P. im Homer noch Nichts vor. Über ihn sind überhaupt dieSagen sehr verschieden, vorzüglich über s. Tod. Nach der gewöhnlichsten vergrubUlysses einen Schatz im Zelte des P. und brachte diesen durch einen untergeschobe-nen Brief in den Verdacht eines Einverständnisses mit Priamus , worauf P. alsVerräiher gesteinigt wurde. Zhm wird die Erfindung des Würfelspiels und desSchauspiels, oder doch wenigstens die Einführung des letztem, wie auch die Erfin-dung der Rechnung und des Maßes und Gewichts beigelegt. Noch allgemeiner istdie Sage, daß er das alte griechische, von Kadmus zuerst eingeführte Alphabet,welches aus 1b Buchstaben bestand, durch 4 andre (gewöhnlich nennt man Ich --)vermehrt habe. Auch werden ihm astronomische und medieinische Kenntnisse zuge-schrieben. Nach allen Sagen spielt er in der ältesten Bildungsgcschichte derGriechen eine bedeutende Rolle.

Palämo n, s. MelicerteS.

P a l a n k i n, eine in Ostindien gebräuchliche Art von Tragsessln mit 4Füßen, einem ziemlich bohen Geländer ringsherum und einer gewölbten Decke mitBambusstäben, inwendig mit einer Matratze und einigen Kissen belegt, überdiesnoch mit einem Vorhänge versehen, den man, um in dem Palankin zu schlafen,herunterlassen kann. Er wird von 4 Trägern (Kulis) auf den Schultern getragen,denen 4 andre zum Abwechseln beigesellt sind. Sie machen eine besondere Classe derSuders (der letzten indischen Kaste) aus und haben in jeder Stadt und jedemDorfe ibren Borsteher, der mit den Reisenden den Accord abschließt. Manreist in diesen Tragfisseln ziemlich schnell, bequem und sicher, denn die Trägerbeobachten einen gewissen Taktschritt und sind ehrliche, dienstfertige Leute.

P a l ä o g r a p h i e, die Wissenschaft, durch deren Hülfe uns das Verständ-niß aller (graphischen) geschriebenen und gezeichneten Denkmäler eröffnet wird,