Band 
Achter Band. O bis Q.
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100jährige Verwilderung und Entweihung des heil. Stuhls, welche unter demEinflüsse der gräflich toscanischen Familie zu Rom 90 t mit Verzins I II. begann,und durch ruchlose, wollüstige Günstlinge und Verwandte der berüchtigten Mark-gräsinnen Thcodora und Marozia , wie Johann XII., der 956 als ein Jünglingvon 18 Jahren, undBenedict l X., der 1038 gar als ein 12jähr. Knabe zur päpstl.Würde gelangte, fortgepflanzt ward, ja selbst das Ärgerlich, daß 1015 drei fürGeldgemachte Päpste zugleich in Rom hausten, dem röm. Einflüsse keinen wesentlichenEintrag thun. Die Wildheit des Zeitalters bedeckte diese Schändlichkeiten, aus derenDunkel die Regierung Sy lvesters ll.(s.d.), 999—1003, des von der Welt alsZauberer angestaunten größten Gelehrten seiner Zeit, ehrwürdig hervorleuchtete;die mit dem Verfalle der karolir.gischeu Dynastie in Frankreich und Deutschland entreißende Verwirrung gab dem Ehrgeize der Päpste immer größer» Spielraum;ja auch seine während jener Zerrüttungen und Parteiunge» Roms schwer verletzteWürde und Unabhängigkeit von dem römischen A'del und Volke erhielt der heil.Stuhl durch die Constikurion wieder, mit welcher NieolauS I >. 1059 die Papstwahl(s. Conclave ) in die Hände der Cardinäle legte und aller Einmischung der Laienentzog. Don jetzt an sah man eine Reihe echter Kirchcnrcgenten von großem Sinneund heiligem Wandel auf diesem damals ersten Throne der Christenheit: Gre-gor Vll. (s. d.), der an Geist und Kraft alle übertraf und den Plan der Welt-herrschaft mit bewundernswürdiger Folgerichtigkeit durchzuführen begann; Ur-ban II. , der durch den Gegenpapst Clemens III. mehre Male aus Rom vertrieben,dennoch (1088—9Z) mit vielseitigem Einflüsse und seltenem Nachdrucke regierte;Alexander III. , der während seiner Regierung (1160—81) zwei Gegenpäpsteüberlebte und den dritten niederwarf, die Königin von England und Schottland zum unbedingten Gehorsam in kirchl. Sachen brachte, sich vom Kaiser Friedrich I.die Steigbügel halten ließ und die Verfassung der Papstwahl festbestimmte; undJnnocenz III., dessen Regierung (1198—1216) das Papstthum auf den höchstenGipfel der Macht und Würde brachte. Was die Päpste früherer Jahrh, nur ineinzelnen Fällen versucht hatten, machten diese großen, ihren Zeitgenossen überle-genen Männer durch dreistes Umsichgreifen und beharrliches Fortschreiten in EinemGeiste zur Regel. Sie knüpften die Geistlichkeit des westlicher: und mittlern Eu-ropa durch die Einführung einer neuen Eidesformel (s. Glaubenseid), durchdie Nörhigung zum Cölibat und durch die Investitur (s. d.), welche den LehnS-verband der Bischöfe mit ihren Fürsten trennen sollte und unter Jnnocenz III. inwillkürliche Verfügung über kirchliche Würden und Pfründen ausartete, gleichVasallen und eignen Beamten mit mrauflöslichen Banden an ihren Stuhl; siebrachten mittelst ihrer Legaten und Nuntien (s. d.) das bischöfliche Rechtder Entscheidung in kirchlichen und Ehesachen und das ausschließende Heiligspre-chungsrecht in ihre Gewalt, und gaben der päpstl. Würde dadurch das Gewicht dereinzigen Weihebehörde in der Welt, von welcher alle geistliche Gewalt und Amrs-befugniß ausgehe. Die gesammte Kirche selbst machten sie sich endlich als ein; geausschreibende Vorsitzer der Concilien und Nationalsynoden (deren Beschlüsse nurdurch päpstliche Bestätigung gültig werden sollten) und durch die »ach und nachimmer kühner hervortretende Behauptung der Jnfallibilität (Ilntrüglichkeit) ihrerAussprüche völlig Unterthan, und schufen sich durch den klugen Gebrauch derMönchs-, besonders der Bettelorden , eine geistliche Miliz, die, weil diese» Ordendie Inquisition, das Beicht - und Predigtwesen und der öffentliche Unterricht ausSchulen und Universitäten in die Hände fiel, das geschickteste Werkzeug ihrer Po-litik und eine der stärksten Stützen ihrer Macht geworden ist. Das Gelingen diejerFortschritte zur unumschränkten geistlichen Oberherrschaft gab ihnen den Muth,auch nach der weltlichen Souverainetät zu streben. Doch sind die weltlichen Ho-keitSrechre des Papstes viel spätern Ursprungs, als die römischen Hosschrifcsteller