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Papst (kath.)
ersten der Apostel wurde durch seinen Nachfolger ausgeübt. Dieser Nachfolgerwar nun, das ganze Alterthum bezeugt es, kein andrer als der Bischof von Rom.Dieser Primat des römischen Bischofs hat sich zwar mit der Zeit immer mehr ent-wickelt und weiter gestaltet (auch mitunter mißstaltet); aber er ist von Petrus zuerstgeübt, so alt wie das Christenthum, er ist in keiner spätern Zeit entstanden. Schonaus dem 1. Jahrh, sind spuren vorhanden, das der römische Bischof Clemens,Nachfolger Petri, den Primat übte. Er legte die Zwistigkeiten der unruhigen undzum Theil Hülfe suchenden Korinther bei; man hatte an ihn den Recurs ergriffen,obgleich andre Kirchen, wie die von Smyrna, EphesuS u. s. w., näher lagen, diegleichfalls apostolische Jünger zu Vorstehern hatten, ja obgleich wahrscheinlich derApostel Johannes noch lebte. Clemens bestrafte die Korinther nicht allein scharfmit Worten, sondern erklärte auch, das, wenn sie seiner Verfügung nicht ge-horchten, man sie als Ungehorsame ansehen solle. Dieser Brief ward in vielenKirchen bis zu den Zeiten des Eusebius vorgelesen. (Isme!>. „ili-lor. ecol«.", I,.III. o. 12.) Zu Ende des 1. Jahrh, erhielt von eben diesem Clemens ein gewisserDionysius die Sendung nach Gallien , ja er übernahm sie auf Befehl des römi-schen Bischofs. Im 2. Jahrh, reiste Marcion vom fernen Pontus nach Rom ,um sich dort in die Gemeinschaft der Kirche wieder aufnehmen zu lassen, aus wel-cher ihn sein Bischof ausgeschlossen hatte. Cerdo erhielt seine Herstellung in Rom ,die dort nachher eingezogen ward, u. s. w. Der h. IrenäuS sagte: „Es ist noth-wendig, das; die ganze Kirche, das heißt Alle, die allenthalben gläubig sind, zudieser (der römischen) Kirche wegen ihrer größern Borzüglichkeit sich halten, als inwelcher römischen Kirche immer von Denen, die allenthalben sind, die apostolischeTradition bewahrt ist"; und an einer andern Stelle sagt derselbe, daß er Diejeni-gen, welche die kirchenfürstliche Nachfolge auf Petrus läugnen, wo immer sie seinmögen, als Keßer, Schismatiker und stolze Vertheidiger ihrer Meinung in Ver-dacht haben werde. Im 3. Jahrh. appellirtenOrigeneS, Cyprian nach Rom , undso manche Andre. So gibt es sehr viele Thatsachen aus den Zeiten des Urchristen-thums, welche den Primat von Rom beurkunde». — Die Kirche ist ihrer Ver-fassung nach ein Bundesstaat, an dessen Spitze der Papst steht; sein Regimentist nicht eine Monarchie zu nennen, sondern nähert sich mehr der Form desKaiserthums. Wie wir es nun aber in solchen msammengesetzten Staatsver-fassungen gewöhnlich sehen, so muß es sich auch bei einer solchen geistlichen Ver-fassung begeben, daß die Macht der Centralgewalt bald über, bald unter ihrer an-gemessenen Höhe ist. Die an sich legitime Macht des Papstes stieg mit der Zeitimmer mehr, und man nahm allinälig den Grundsatz an, daß die Bischöfe derKirche ihm nur zur Beihülfe beigegeben seien: eine Ansicht, von der auch die im9. Jahrh, entstandenen falschen Decretalen des Isidor ausgingen, die diese nichterst schufen, sondern als verbreitet voraussetzten. — Ungemein wurde der Glanzdes Papstthums auch erhöht durch seine Verbündung mit dem Kaiserthum imMittelalter. So heilsam diese Verbündung für die Cultur und die Ruhe von Eu-ropa war, so sehr mußte sie auch die geistliche Gewalt des Papstes heben. Daßdiese Verbündung allinälig zu einer Suprematie des Papstthums über die Weltward, haben wir früher auseinandergesetzt. (S. Katholicismus IV.)— Wasin der Zeit entsteht, kann auch in der Zeit vergehen. Irrungen des Papstes mitWeltherrschern führten nicht allein den Fall des weltlichen Einflusses des Papstesauf die europäischen Staaten nach sich, sondern endeten auch in ihren letzten Rück-wirkungen damit, daß der Staaten Einfluß auf die Kirche ein ungemessener ward.— Auch die geistliche Gewalt des Papstes ward in ihre Grenzen zurückgebracht.Mißbrauche, die mit dem Besitze der Macht so leicht entstehen, hakten allgemeindasVerlangen nach einer Reform der Kirche an Haupt und Gliedern erzeugt. DasConcilium zu Konstanz (141-l) erklärte sich competeitt, diese Reformation vorzu-