2L7
ein Iahrgeld aus. Bald brachte es die junge Künstlerin durch Kozeluch'ü Unter-richt so weit, daß sie gegen 60 Clavierconcerte mit der größten Genauigkeit spielenlernte. 1784 trat sie eine musikalische Reise an und erl egte in London 178.7 Bc-wundcrung und Theilnahme. Besonders rührend wußte sie ihr Schicksal in einerCantatevo» dem gleichfalls blinden Dichter Pfessel, ir.Musik gesetzt von Koteluch,vorzutragen. Ihr Gedächtniß war bewundernswürdig treu: ihre zahlreichen Kom-positionen, welche meistentheilö für den Gesang und zum Theil von bedeutendemUmfange sind, dictirte sie Note für Note in die Feder. Auch in der Geographie,im Rechnen w. war sie wohl unterrichtet; dabei heiter, unterhaltend, witzig undhöchst anziehend. Sie starb in Wien als Vorsteherin einer musikalischen BildungS-anstalt, d. I.Febr. 1824.
Paradiesvogel. Dieser in Neuguinea und den benachbarten ostindi-schen Inseln einheimische Vogel, von dem man mehre Gattungen kennt, zeichnetsich vor allen andern durch die unnachahmliche Farbenpracht seines Gefieders aus.Sonst erzählte man von ihm, daß er ohne Beine zur Welt komme und s. ganzesLeben hindurch in der Luft schwebe, daß er bloß vomThau lebe ».dgl. Fabeln. Ei-genthümlich behandelt und für den Handel zubereitet, wird der Paradiesvogel auchzum weiblichen Kopfputz gebraucht. Der Preis ist dann gegen 60 Dukaten.
Paradox bezeichnet Dasjenige, was gegen Meinung und E> Wartungsn-sx« verstößt oder ausschlägt, das Unglaubliche, Unverinuihete. Para-
dox ie, die Sonderbarkeit in Meinungen. Im Gebiete der Wisienschast oder desGeistes nennt man so, was gegen die herrschende, für wahr angenommene Ansichtverstößt, eine Behauptung oder einen Satz, welcher durch eine scharss»mige> keckund ohncWeitereS hingestcllteFolgerung aus weggelassenen vorhergehenden Säßenentsteht. Es erhellt von selbst, daß an sich der Sinn dieses Wortes bloß ein bezie-hungsweise wahrer ist, und eine Schule die Behauptungen der andern paradoxfinden kann, weil sie eben von einander abweichen, daß aber darum noch nicht ent-schieden ist, ob die fo benannte darum auch verwerflich sei. In einem Zeitalter, wel-ches rüstig in der Wisienschast fortschreitet, muß darum und weil der Forschungs-trieb, wie er sich in den Schulen auSspricht, auch seine üppigen Auswüchse hat,Manches paradox scheinen, weil eü gegen eine siühere, beschränktere Ansicht ver-stößt, obwol es an sich ü, einer gesetzmäßig aufgebautenAnschauungS- »ndBegriffS-reihe ganz natürlich und nichts weniger als unerwartet odei ganz falsch ist. >V.,.
Paraguay , das Land des 1>. Francia, von 7000 s^M., mit 600,000 E.,zwischen Peru, Chile, Brasilien und dcr PlatwRepublik, liegt am Parana, Uruguay und Paraguay. Der Parana erhält nach seiner Vereinigung mit dem Paraguay bei §o,rientes, und mit deni Uraguay unweit Bucnos-Ayres, den Namen desPlata-vderSilberstroms. Ehemals gehörte zu Paraguay noch >>) die Barrda orientalüiit Monte-Video, und b) im östl. Paraguay , die Provinz der Missionen.Jener Landstrich, welcher zwischen dem Meere, demPlata, dem Uraguay, den Mis-6snen und der Capitania von Rio Grande liegt, ward u. d. N. der Cisplatani-fchen Provinz ((Asplawua), Hauptsi. Monte-Vidco, durch den Beschluß deru»r 15. Iunius 1822 versammelten Abgeordneten dem Kaisertum Brasilien bsi d.) einverleibt. Allein es entstand darüber ein Krieg mit der Platarepublik, und^ Kaiser mußte im Frieden (27. Aug. 1828) auf die <A.-g,!nia»a Verzicht leisten,derjenige Theil des östl. Paraguay , welcher die allein noch übrigen 7 Missionenunter den Guaranis am linken Ufer des Uraguay enthält, ward 1801 von den Bra-usten, erobert. — Das Land am Plata entdeckte (1516) der Großstruermann von^astilien, Diaz de Solis . Er verlor im Kampfe mit den Wilden das Leben. Inber Folge legten zwar (1526) die Spanier am Ausflüsse des Paraguay eineFestungu», allem sowol diese Niederlassung als auch das nachher gegründete Buenos-AyreSHür de» wegen der beständigen Überfalle der kriegerischen Einw. verlassen. DaraufEvM'crsaiionrckexicv,,. Bd. Wll. 17