268
1. Geschichte. Ein gallisch-celtischer Volksstamm, die Pausier, hattendas alte Lutetia auf einer Morastinsel der Seine schon vor Christi Geburt gebaut(seines schmutzigen Bodens wegen soll ihm dieser Name: Kothstadt, gegeben wor-den sein); sie verbrannten es, als die Römer Gallien überzogen. Die Römerbauten Lutetia wieder auf, befestigten den Ort, führten dahin eine Wasserleitungund legten warme Bäder (Thermen) an. Allein Lutetia blieb unbedeutend, bis Kai-ser Julian 360 daselbst Winterquartiere nahm und sich einen Palast erbaute. 486wurde eS von den Franken erobert und 508 zur Hauptstadt ihres Königreichs er-klärt. Clodowig nahm den christlichen Glauben an und wohnte in dem Palasteder Thermen, von welchem man noch jetzt in der Straße Laharpe Minen findet.Clotilde , seine Gemahlin, vollendete den Bau der Kirche 8i6.-6<-,>eviöve, dieChlodowig angefangen hatte. Um 550 begann Childebert den Bau der Kirche vonNotre-Dame ; 100 I. später gründete St.-Landry das Hätel-Dieu. Zu Ende d.8. Jahrh, stiftete Karl d. Gr. die Schulen, aus welchen späterhin die Universitätentst.,rd. 845 belagerten die Norniänner die Stadt und verbrannten sie um 857.Seit Hugo Capet, Graf von Paris , der erste König der dritten Stammfolge, denThron bestieg (087), blieb P. die Restdenz, bis Ludwig XI V. , den die Fronde 1649aus der Hauptst. vertrieben hatte, Versailles zum königl. Wohnsitz erhob, HugoCapet residirte im jetzigen Iustfzpalaste. Die Stadt vergrößerte sich und ward in 4Quartiere getheilt, Damals genügten 10 Menschen zur Erhebung aller Abgaben;unter Ludwig d. Dicken wurden an dem nördlich gelegenen Thore, in der Nähe derjetzigen Straße St.-Mqrtin, nicht mehr als etwa 12 Francs monatl. eingenommen.1163 errichtete Bischof Mori; v. Sully den Dom von Notre-Dame , wie er nochjetzt zu sehen ist, In demselben Jahrh, bauten die Tempelherren ihren Palast aufdem Platze, wo sich gegenwärtig 1>e msrolw Oo te-npls befindet. 1190 ordnetePhilipp August , der auch P. hatte pflastern lassen, eine dritte Erweiterung an undtheilte die Wtadt jn 8 Quartiere. B>s dahin hatte P. nur 3 Thore gehabt, jetzterhielt es 15. Im 13. Jahrh, gründete der heil. Ludwig das Hospital der gulurovi,»Ai8 für Blinde und eine Menge Klöster. Nach Aufhebung des -Ordens derTempelherren , 1312, ließ Philipp der Schöne 1314 den Großmeister Molay undviele Ritter auf dem Platze verbrennen, wo jetzt die pl.ioe vaupliiue ist. UnterPhilipp von Valois zählte P. 150,000 Einw. Die schwarze Pest, die um dieMitte des 14. Jahrh. Europa verheerte, raffte die Hälfte der Einw. hin. Umdiese Zeit fing man an, das Ilötel <1e vil le, auf dem Greveplatz, zu bauen. 1867fand die vierte Vergrößerung von Paris, unter Karl V. , statt; P. wurde jetzt in16 Qartiere getheilt. 20 I. später begann der Bau der Bastille. Bis dahinhatte P. 2 Brücken: die eine nach Norden, le pont au clisn^e; die andre nachSüden, I« pet t pc>nt. 1378 baute man die dritte, 1.« pont 8t.-.VIlcIie1, derjetzigen Straße Laharpe gegenüber. Eine vierte Brücke, Pont nötre Dame,wurde bald nachher gebaut. 1418 wurde P. von einer Hungersnoth, von Pestund Seuchen heimgesucht. Der Tod raffte in 3 Monaten 100,000 Menschenhin. Die Engländer bemächtigten sich 1420 der Hauptst. Frankreichs. Karl VII. vertrieb sie 1436. 1465 dachte man zuerst an eine, wenn auch noch sehr unvoll-kommene Straßenbeleuchtung. Unter Ludwig Xl. zählte man in P. schon 300,000Einw. Die Jesuiten nisteten sich 1563 ein. Unter Franz. I. fand die fünfteVergrößerung von P, statt. 1590 belagerte Heinrich I V. PariS ; die Stadt er»gab sich 1594, und Heinrich hielt einen Triumpheinzug. Der Pont nouk wardvon Heinrich III. im I, 1578 zu bauen angefangen und 1604 von Heinrich IV. vollendet. 1614 wurde die Statue Heinrichs I V. zu Pferde (das erste Denkmaldieser Art in Frankreich ) auf dem Pont „outerrichtet. 1615 fing der Bau des Pa-lastes Lurembourg, 1629 des Palais Royal (in seiner alten Gestalt) und 1635 dieAnlage des PflanzengartenS an. Ludwig F lV, enveiterte die Stadt und that viel