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Achter Band. O bis Q.
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Paris (Stadt), Sitten

Preise auszeichnen. In Uhren und Bronzearbeiten kann Niemand, besonders in denletztern nicht, mit den pariser Fabrikanten wetteifern. Im Porzellan thun es diepariser Fabriken allen andern durch die schönsten Formen, die geschmackvollsten Ver-zierungen, Malereien und die niedrigsten Preise zuvor. Außerdem werden feineBlechwaaren (als Lampen), lackirte Artikel, künstliche Blumen, mathematischeInstrumente, feine Glas- und Krystallartikel (wie Kronleuchter), plattirte- undLederwaaren (wie Pferdegeschirre), die zierlichsten Tischlerarbeiten auf das vortreff-lichste verfertigt; so auch Fußteppiche, von den G obeli nS (s. d.) an, die man nurin den Gemächern füisll. Personen als Geschenke der franz. Regierung findet, biszu den gemeinsten herab, deren sich der Handwerker in seinem Festgemache bedient.Unter den zahlreichen Eattundruckereien übertreffen die zu Iouy von Oberkampf(s. d.) die engl. an Haltbarkeit der Farben und an Geschmack in den Mustern. EinHauptartikel des pariser Handels ist Frauenpuh. Seit einem Jahrh, und längerhat Purjs der Welt das Gesetz der Mode gegeben, und wenn auch in neuerer ZeitLondon ihm diesen Zepter schien entreißen zu wollen, so hat sich doch bald Alles wie-der den Vorschriften unterworfen, welche von der Hauptstadt an der Seine aus sichüber ganz Europa verbreiten. Ein wichtiger Industriezweig andrer Art sind derBuchhandel und die Buchkruckereien (600 Pressen). Der Verlagshandel mit Wer-ken der ältern und neuern franz. Literatur ist für ganz Frankreich , sowol was Druckals was den Vertrieb im Großen betrifft, bloß aufParis beschränkt, das auch alleinden Handel mit dem Auslande führt. Jetzt wird, selbst London nicht ausgenom-men, nirgends schöner gedruckt als in den Officinen Didot's, Crapelet's u. a.pariser Druckerherren. Der Gesammtwerth der Ausfuhrartikel bei den pariserDouanen beträgt über 46 Mist.Fr., darunter find die beträchtlichsten: Seiken-zeuche, 6,457,000; Kramwaaren, 3,400,000; Buchhändlerartikel, 2,771,000Fr. Um einen Seecanal von Paris nach Rouen anzulegen, hat sich 1829 ein Ver-ein gebildet. Er soll sich bei Grenelle ausmünden. Dann wird Paris das Nieder-lagsrecht für die Colonial- u. a. Waaren des Auslandes erhalten.

IX. Öffentliche Belustigungen. Sitten. Man irrt, wenn mansich P. im Ganzen als den „Tummelplatz der Frivolität und Ausgelassenheit" vor-stellt. Daß sich unter einer Volksmenge von 890,000 Menschen, unter welchen80,000 Fremde zu ihrem Vergnügen in P. leben, viele Verderbte befinden müssen,die auf die Sitten nachtheilig zurückwirken, wird Niemand läugnen; wer wollteaber darum die Sitten von P. nach den Promenaden der Freudenmädchen des Pa-lais royal in den von der Polizei dazu eingeräumten wenigen Abendstunden beur-theilen ? Die Pariser selbst werden in solchen groben Netzen weniger gefangen alsdie Fremden, welche diese Art des Vergnügens häufig mehr zu suchen als zu fliehenpflegen. In den höchsten Ständen ähnelt sich die Gesellschaft in ganz Europa ; großeAbgeschliffenheit der Form, strenge Beachtung des Schicklichen, kluge und geschickteVerhüllung alles Dessen, was man begehen will, die Eonvenienz aber als nicht zu-lässig und unerlaubt erklärt: dies sind ihre Gesetze. In den wohlhabenden mittlernStänden herrschen in P., wie in ganz Frankreich , in der Mehrzahl der Familienstrenge und edle Sitten, ja viel strengere als bei uns. Man erlaubt sich in Deutsch-land viel, das in Frankreich von der öffentl. Meinung nicht geduldet wird. Auch inden untern Ständen und in der dienenden Classe findet man keineswegs eine solcheVerwilderung, als die Ausschweifungen der Revolution anzunehmen uns wol ver-anlaßt haben. Heiterer, leichter Sinn, Witz, ausgebildeter gesunder Menschen-verstand, Klugheit und Anstelligkeit charakterisiren im Allgemeinen den Franzosen;den Pariser insbesondere, vorzüglich in den höhern und mittlern Ständen, Feinheit,Grazie in der Erscheinung und im gesellschaftlichen Verkehr, sowie eine allgemeinereBildung des Urtheils und des Geschmacks. Hat die Revolution in Paris großeGräueltharen hervorgebracht, so hat sie hier auch große Tugenden entwickelt. In,