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Pariser Theater
(die sparsamen Nettigkeiten INI gleichen Styl abgerechnet) nichts Andres sieht alsdi«ewig wiederkehrenden Darstellungen der Meisterwerke seiner classischen Dichter, wennnur die Schauspieler in der Darstellung selbst ihm genügen. Aber hier ist sein Urtbeilsireng, und seine Kritik scharf. Das Andenken an die großen Talente, welche die franz.Bühnevon jeher besaß, hat sich beim Publienm erhalten; die Art ihrer Darstellung istihm durch Tradition überliefert, und es vergehen mehre (Generationen, ehe bei jünger»sich erst bildenden Künstlern das Vergleichen mit ihren Vorgängern gänzlich aufhört.In keiner andern Hauptstadt wird man auch wol so viel regelmäßige und täglicheBesucher der Theater finden als in Paris , und der Geschmack des pariser Publicumshat dadurch eine Sicherheit und einen so feinen und richtigen Tact erhalten, daßjeder dramatische Dichter sich seinem Urtheile zu unterwerfen und ein 2 Mal mißfal-lendes Stück für immer von den Repertoires zu verschwinden pflegt. Die Kunst-stücke und Zudringlichkeiten, womit unsere deutschen dramatischen Dichter sich undihre Werke oft geltend zu machen suchen (mit Selbstrecensionen, erfundenen Berich-ten über Aufführungen u. dgl.), sind in Paris unbekannt und würden ohne alleWirkung bleiben. Falscher und trügerischer AnlockungSmiktel durch pomphafte An-kündigungen des Inhalts der Stücke oder ihres Vpectakels bedient sich keines derpariserTheater. Selbst in der Einfachheit ihrer Schauspielzettel liegt etwas Groß-artiges; sie enthalten nämlich außer der Angabe der Stücke nichts als die Namender Schauspieler ohne Angabe der Rollen, welche sie darstellen. Unnützes Geprängefindet sich auf keiner guten franz. Bühne. Der Inhalt und der dramatische Werthkann allein das Glück eines Stücks machen. Der ausgebildete Geschmack des Pu-blicums sichertdenDichtern und denBühnenvorstehern den Erfolg, wenn das drama-tische Gedicht selbst Beifall verdient. Noch verdient eine Seite der stanz. Bühnegroße Beachtung, bei der sowol das deutsche als auch das englische Theater sehr zu-rückstehen: die höhere sittliche Tendenz und der Tact des Publikums, der alles Ge-meine, Rohe Niedrige augenblichlich bemerkt und aus das strengste rügt. Von Ko-hebue's Stücken würden nur einzelne auf die französische Bühne gebracht werdenkönnen; ebenso wenig Stücke wie Müllner's „Schuld", „Albaneserin" u.dgl. Inden pariser Theatern ist noch die große Anständigkeit zu rühmen, welche in Beziehungauf das weibliche Geschlecht und im Betragen gegen dasselbe beachtet zu werdenpflegt. Auch dürfen die öffentlichen Mädchen ihre Netze nicht zu offen auslegen,wenn sie sich nicht der polizeilichen Ahndung aussetzen wollen. Übrigens herrscht inallen Theatern der franz. Hauptstadt eine große Aufmerksamkeit. Der gemeine Lärm,den man in englischen und deutschen Theatern so häufig findet, ist hier nicht bekannt,und in ausgezeichneten Stücken entgeht den Zuhörern kein Laut. Für die äußereOrdnung beim Ein - und Ausgang ist die Polizei sehr thätig, und was den ersternbetrifft, so hat sich stillschweigend eine Sitte gebildet, die allem Gedränge vorbeugt.Jeder Neuzukommende, der ins Theater will, stellt sich nämlich ä neue der schonzu gleichem Zweck Versammelten, d. h. Einer stellt sich hinter den Andern, und esdürfte Niemanden gerathen sein, die so gebildeten Reihen, deren es oft mehre gibt,die neben einander stehen, verlassen zu wollen. Beim Ausgange ist für die Wagendie strengste Ordnung eingeführt. Es darf nach keinem gerufen werden, bis derEigenthümer an der Thür zum Einsteigen bereit steht. Das Innere der pariserTheater ist nicht so reich aufgeputzt als z. B. in den englischen; auch ist die Er-leuchtung nicht so glänzend als in diesen. In der Eintheilung der Logen haben diefranz. Architekten großes Geschick, und man befindet sich in ihnen bequemer undsieht besser als in den meisten Logen der deutschen Theater. Dagegen sind Parterreund Parket dem Fremden weniger zusagend als in Deutschland , wo man sich inden meisten Theatern im voraus wohlgelegene und bequeme Sperrsitze verschaffenkann. Dies ist jedoch neuerlich auch in einigen pariser Theatern nachgeahmt wor-den. Die ersten und beliebtesten Künstler werten bei ihrem Erscheinen auf der