Band 
Achter Band. O bis Q.
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Pascha Pasquill 2!)7

Pascha, der Statthalter einer türkischen Provinz und zugleich Befehlsha-ber der darin befindlichen Kriegsvölker. Den vornehmsten werden 3, den kleinern2 Rofiscbweise vorgetragen. Die Gewalt eines Pascha ist sehr groß. Zwar wirder voin Grosherrn nach Willkür ein - und abgesetzt, auch ist er verpflichtet an denKriegen desselben auf erhaltenen Befehl Theil zu nehmen und die Einkünfte derProvinz bis zu einem gewissen Betrage abzuliefern, aber die ganze innere Verwal-tung hängt von ihm ab.

Paschalik, die Provinz, Statthalterschaft eines Pascha.

Pasigraphie, eine allgemeine (d. i. allen Nationen der Erde verständ-liche oder leicht begreifliche) Zeichen- oder Schriftsprache, ist bis jetzt noch eineungelöste Aufgabe. Leibnih soll zuerst die Idee einer solchen Kunst, sich allgemeinverständlich ni machen, gefaßt haben; gewiß ist, daß er sich ernstlich damit be-schäftigte. Ihm folgten darin der Engländer WilkiuS (1668); die Deutschen Chr.Gl. Berger („Plan zu einer überaus reichen, unterrichtenden und allgemeinenRede- und Schriftsprache für alle Nationen", Berlin 1779), Hofrath Wolke(„Erklärung, wie die Pasigraphie möglich und auMlich sei", Dessau und Leipz.1797), der berühmte Taubstunnnenlehrer Sicard (1798), Näther(1895), Ab.Bnrja („Pasilalie", Berlin 1898), I. M. Schmidt in Dillingen („Pasigraph.Versuche", Wie» 1815, und „Magaz. für allgem. Sprache", Dillingen 1816)und zuletzt Andr. Stethy (län^nn uiiivewnli-i", Wien 1825) machten gleich-falls Versuche bekannt. Die Akademie der Wissensch. zu Kopenhagen setzte 1811der besten Erläuterung dieser Idee und Angabe ihrer Ausführung einen Preis aus.In Frankreich rühmte sich ein Herr de Maimicup als Erfinder einer solchen Kunst.Die Idee einer Pasigraphie u. allgemeinen Sprachlehre, sagt Ioh. Jakob Wagnerin seiner „Philosophie der ErzichungSkunst", gründet sich darauf, daß das Wesenaller Sprachen in ihrer innern Organisation besteht, für welche ein allgemeinerAusdruck möglich sein muß. Diese innere Organisation der Sprache kann näm-lich bloß Ausdruck der Wechselverhältnisse der Vorstellungen sein, welche Verhält-nisse wieder nur Ausdruck der realen Verhältnisse der Objecte selbst sind. Laßtsich nun für diese realen Verhältnisse eine allgemeine Darstellung finden, so ist eineallgemeine Sprachlehre gegeben, und läßt sich diese, in einer allgemeinen Charak-teristik ausgedrückt, bis zum Einzelnen Herabfuhren, so hat man eine Pasigraphie.Doch konnte eine wirkliche Pasigraphie nur dann entworfen werden, wenn wir einvollständiges System von Begriffen hätten,,in welchem jedem Begriffe fein Werthgenau durch seine Stelle gesichert wäre. Über die Idee der Pasigraphie vgl. I.Sev, Vater's „Pasigraphie und Antipasigraphie, oder über die neuesten Erfindun-gen einer allgemeinen Schriftsprache für alle Völkern:." (Weißenfels 1795); I.Im. Niethammer, „Über Pasigraphie und Ideographie" (Nürnb. 1808), undAnd. Riem, „Über Schriftsprache und Pasigraphie" (Manheim 1809, 1. St.).Eine allgemeine Sprache durch Laute (Pa s>la lie), welche man mit der Pasigra-phie zugleich versucht hat, ist ebenfalls noch nicht gefunden worden. —i.

Pasiphab, Tochter des Helios und der Perse-s, und Gemahlin desMi-nos, Königs v.Kreta, dem sie den Deukalion, Glaukus, die Ariadne und Phädra geboren haben soll. Verblendet von Neptun (der den MinoS dafür bestrafen wollte,daß er den von dem Gott erflehten und empfangenen Stier nicht geopfert), oder,wie A. sagen, von der Venus (die dein ganzen Geschlechte des Helios wegen derihr und Mars begangenen Verrätherei Rache geschworen hakte), entbrannte sie inunnatürlicher Liebe zu jenem Stier, ward in des sinnreichen Dädalus hölzernerKuh ihres Wunsches gewährt und gebar den stierhauptigenMinotauruS (s.d.).

Pasquill (Schmäh-, Schand- oder Lästerschrift, Libell) ist eine ano-nym cder Pseudonym bekanntgemachte Schrift, durch welche Jemand eines Ver-brechen? beschuldigt wird. Doch wird auch oft schon jeder schriftliche Aufsatz ein