Pathologie 805
und jedes Mal bemerkbare Zeichen erscheinen, welche in Veränderung der Formund Gestaltung, der Farbe des Körpers, der Lage und Haltung, der Gesichts;,"igeu. s. w. bestehen, und bey verschiedenen Krankheiten jederzeit als charakteristisch er-scheinen, indem sie von gewissen Umständen herrühren, welche mir der Krankheitwesentlich verbunden sind. So ist z. B. bei einem Kinde, welches au völlig aus-gebildeter häutiger Bräune leidet, die Lage des Körpers mit rückwärts gebogenerBrust, hinterwärts lehnendem Kopfe, offen gehaltenem Wunde, vorgetriebenemKehlkopse, rothem Gesichte, vorstehenden Augen so charakteristisch, daß jeder ge-übte Ant beim ersten Blicke die Krankheit, welche Ursache davon ist. c,kennenwiid. So offenbart eme gelblichblasse Gesichtsfarbe, mit gelblich gefärbten mär-ten Augen, hagern, Gesichte, tiefen Einschnitten der Wangen , jederzeit ei» tief-liegendes Leiden der Leber. Schon Hippokrates hat die äußer» Züge bei dem Zu-stande des gänzlichen Sinkens aller Lebenskiäste mit wenigen W orten so treffendbezeichnet, daß noch jetzt das Gesicht eines Kranken mit zugespitzter Vase, hohlenAugen, zusammengefallenen Schläfen, kalten und in sich gezogenen Hhrcn, har-ter, gespannter und trockener Haut der Stirne, grünlich blasser, schwänlicher, blei-farbiger Gesichtsfarbe, Ilchpcxnsiioa, das Hippokratische Gesicht, genanntwird (s. dessen „I',„L»o«i.", II). Auch Gcmüthskrankheiten führe» äußereKennzeichen mit sich, die charakteristisch sind. So hat z. B. der Wahnsinn, nachseinen verschiedenen Arten, als Narrheit das Unbestimmte, beständig Wechselndein den Gesichtszügen; die Melancholie das Stilltraurige, den starren Blick; dieTollheit die Spannung aller Gesichtszüge, das rollende Auge u. s. w. Aber auchdie Erregungen des gesunden Gemüths, durch Leidenschaften und Affecte, zeich-nen sich aus dem Gesichte des Menschen durch eigne Haltt,ng, Bewegung, Lageund Veränderung der Augen, der Gesichtsmuskeln und der Farbe sehr deutlich,sodaß hierauf die Darstellung dieser verschiedenen Gemüthsveräiiderungen beruht.Der Zusammenhang dieser äußerlichen Veränderungen der Gesichtömuskel» undder Augen mit den innern Vorgängen ist so genau und wesentlich, daß selbst diewillkürliche Darstellung derselbe» durch Nachahmung (s. Mimik) einen schwa-chen Nachhall des Gcinüthszusiandes, den sie nachahmt, sowohl in den. Darstel-lenden selbst als auch in dem Zuschauer erregt. So haben Haß und Liebe,Furcht und Hoffnung, Freude und Trauer, Zorn und Zufriedenheit, Habsucht,Neid u. s. w., ihre Nerve», auf welche sie bestimmt wirken, und durch deren Er-regung wieder bestimmte Muskeln des Gesichts, der Augen, ja zuweilen selbstMuskeln deü übrigen Körper« in Bewegung gesetzt werden, und wodurch die Zügedes Gesicht«, die Haltung des Körpers, die Lage der Augenlider, des Augapfels,selbst das größere oder mindere Feuer und der Glanz der Augen bestimmt, so oderanders verändert wird. Hierauf beruht die Pathognomik in der erster,, angeführ-ten Beziehung. Pathognomische Zeichen sind also Erscheinungen an dem Krankenund Empfindungen desselben, welche mit der Krankheit wesentlich und immer ver-bunden sind, sodaß sie niit ihr erscheinen, zunehmen und, wen» die Krankheit ab-nimmt, auch mit ihr abnehmen und verschwinden. Solche Zeichen sind z. B. beiLungenentzündung das Fieber, das beschwerlicheAthemholen, der stechende Schmerzin der L'eite, der Husten. II,
Pathologie oder Nosologie, in der Arzneikünde die Lehre von denKrankheiten. Sie besteht aus einem allgemeinen und einem speciellen Theile.Der letztere hat es mit den KrankheitSsormen (zzm-uiech, der erstere Mit der Be-trachtung der Ursachen, der Erscheinungen und der Entstehungswcise der Krank-heiten zu thun, zerfällt daher in Ätiologie, Symptomatologie und Pachogenie,Wenn die Pachogenie entwickeln will, inwiefern schon in der Einrichtung deckmenschlichen Organismus die Möglichkeit zu verschiedenen lkankhafttn Abwei»chungen gegründet ist, so muß sie die Verhältnisse dcs Menschen 1) als eines dekLoiwctjalionSüchpicou. Bd. Vlll, 29