:,08 Pathos
Wechselwirkung kann aber auch als Ursache e^ner krankhaften Abweichung erschei-nen, indem der auf den Organismus oder einen Theil desselben wirkende Einflußeine -Störung des normalen Verhältnisses der Naturkraft und daher eine Zerrüt-tung der Harmonie der Functionen veranlaßt. Auch die innern Verhältnisse desOrganismus» seine periodischen Entwickelungen und die von der Willkür abhän-genden Einwirkungen, sowol von Außen, als die willkürlichen Kraftäußerunzen dessensibel» Systems, können als krankmachende Ursachen wirken. Dieses entwickeltdie Ätiologie, von deren Anflehten wir nur eine Probe geben wollen. Dievorzüglichsten Einflüsse der Außenwelt sind die Lust, die Nahrungsmittel, die un-willkürlichen und willkürlichen Einwirkungen mittelst der Sinnesreize, der GeisteS-thärigkeiten und Gemüthsaffecte. So kann also die Luft Krankheit erregend wir-ken, in Beziehung auf ihre Temperatur. Zu heiß, vermehrt fle die innere Wärme,dehnt die Säfte zu sehr aus, regt die Naturkraft zu sehr auf, vermehrt übermäßigdie Ausdünstung. Ihre Nachwirkung ist Erschlaffung, Schwächung, AuStrock-nung des Körpers. Sie erregt besonders das Gallensvstem. vermebrt die Ab-sonderung der Galle zum Übermaße. Zu kalte Lust vermindert die ThätigkeitS-außerung der Naturkraft, vermehrt die Cohäflon der organischen Faser bis zur Ri-gidität, verengert die Gefäße der Oberfläche und drängt das Blut nach den innernTheilen, wirkt besonders auf die Lungen, auf die strafen-und Mundhöhle, unter-drückt die Function der Haut, macht dagegen die innern, Schleim und andre Feuch-tigkeit absondernden Häute zu stärkern Absonderungen geneigt, löscht endlich inhöherm Grade die Naturkraft gänzlich aus. Zu feuchte Luft schwächt den Tonder Faser, verhindert die Hautausdünstung, bewirkt Überfluß an wässerigen Feuch-tigkeiten im Körper, veranlaßt ein Sinken der Naturkraft, besonders in der Re-gion der Irritabilität und Reproduction, bewirkt daher Neigung zu Krankheitenvon Wchwäche, zu Fanlflebern; fle leitet die Elektricität zu se w aus dem Körper,enthält auch mehr fremdartige Theile, besonders die Sumpflust. Zu trockene Luftvermehrt die Spannung der Faser, begünstigt die Ansammlung der Elektricitätim Körper, verstärkt die Ausdünstung und trocknet den Körper aus. In Rück-sicht der Elasticität der Lust kann der Druck derselben auf den Körper zu stark sein,daher Ursache von innern Anhäufungen des Blutes, von Schlagfluß u. s. w. wer-den; oder zu schwach, wodurch wieder das Gleichgewicht des Blutes gegen dieBlutgefäße aufgehoben wirk. In Rücksicht der Bestandtheile der Luft kann sie zurein sei», d. h. zu viel Sauerstoffgas enthalten, wodurch das irritable System einenachtheilige Vorherrschaft über die andern erhält, und Fieber und Entzündungenentstehen können; oder sie hat zu wenig Antheil davon, wodurch die Naturkraftbesonders und zunächst in dem irritabeln Sostem zu sehr herabgesetzt wird, dasBlut an Vitalität verliert, und allgemeine Schwäche eintritt; oder es sind fremd-artige schädliche Stoffe beigemischt, Ausdünstungen, Ansteckungsstoffe rc. Jedezu schnelle Abwechselung der Luft, besonders in Ansehung der Elasticität und Tem-peratur, kann Veranlassung zu Krankheiten geben; auch die Weltgegend, aus wel-cher die Luftströmung erfolgt, führt gewisse Disposition zu Krankheiten mit sich.Ebenso bedingen die Jahreszeiten und die Beschaffenheit des Klima allezeit be-stimmte Anlagen zu Krankheiten. Die Nahrungsmittel können theils durch zugroße oder zu geringe Quantität, theils durch schädliche Beschaffenheit Ursache vonKrankheiten werden. II.
Pathos (griech.), das Leiden, oder Angesprochenwerdcn von Etwas; be-sonders bezeichnet es den starken Eindruck auf das Gemüth, die heftige Gemüths-bewegung, den Affect. Pathetisch ist daher, was eine starke Gemüthsbe-wegung (mit Würde und Ernst) ausdrückt. In der Kunst wird Pathos demEthos (Charakter) schon von den alten Kunstrichtern gegenübergestellt, und beideals nothwendig darzustellende mit Recht angesehen. Denn Charakter ist das ei-