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Achter Band. O bis Q.
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314 Patriotismus

dürfen, obgleich nach dem Sprachgebrauchs mit Patriotismus sich weniger alsMit Patriot eine schlimme Nebenbedeutung verbindet. Es ist die innigste Ge-meinschaft mit dem Lande und Volke, in dem man das Bürgerrecht hat, eine Ge-meinschaft, die sich in der treuesten Anhänglichkeit an dieses Land und Volk, in fei-ner völligen Hingebung ausdrückt, mir der man die Angelegenheit des Ganzen zureignen Angelegenheit macht und sein Persönliches allezeit dem Allgemeinen unter-ordnet. Da wacht der Bürger für das Gemeinwohl wie für das Wohl seinesHauses, seiner Familie; da erregt die Gefahr, die jenem droht, ebenso sehr wiedie, die seinen persönlichen Wohlstand gefährdet, seine Aufmerksamkeit, seine Kraft.Da erhebt er sich nicht minder entschlossen und begeistert gegen den Feind, der dievaterländische Grenze überschreitet und die Volksehre kränkt, wie gegen den Räu-ber, der in sein Haus eindringt, den häuslichen Herd entweiht; da sieht er nichtminder sorgsam auf Alles, was des Ganzen Ruhm, Wohlstand und Glück for-dern kann, wie auf Da?, was seines Hauses Ehre und Glück begünstige; da scheuter so wenig irgend eine Mühe, Beschwerde oder Aufopferung, die deni Vaterlandsersprießlich sein kann, wie er kein Bedenken trägt, für die Liebsten im Leben Alleshinzugeben. Es mag aber scheinen und ist auch wohl gesagt worden, daß dieseGesinnung, diese herzinnige Theilnahme an dem Ganze» nur in Freistaaten,weil hier der freie Bürger in der engsten Gemeinschaft mit den» Vaterlands lebtund an allen Angelegenheiten desselben freien, lebendigen Antheil nimmt, zu ftndensei; nicht in Monarchien, wo so Vieles hinzuwirken scheint, den Bürger vonjeder Theilnahme auszuschließen, ihn nur zum Werkzeuge des Ganzen, die An-gelegenheiten des StaatS aber nur zum Eigenthum und Wirkungskreis einigerwenigen, dazu fast ausschließlich Berufenen zu machen, die mehr Stellvertreterder Macht als des Dslkswillens und der Volkskrast sein mögen. In der Thatrühmt man besonders den Patriotismus der Freistaaten Griechenlands und Roms,und bemerkt, wie besonders in letzten» auch jener Patriotismus ersterben sei, dadie Alleinherrschaft der Cäsars» die Bürger vom Forum in ihre Häuser zurück-drängte und die freien Vaterlandsveriheidiger zu Lohnsoldaten machte. Manzeichnet ihn daher auch an Denen aus, die gegen Alleinherrschaft sich sträubten undihr Vaterland in einen Freistaat umzuwandeln bemüht waren, z. B. Brutus.Aber Patriotismus kann auch da bestehen, wo das Volk seinem eingeborne» Für-sten , als Sachwalter der Gerechtigkeit, Bewahrer der Volksehre und Volksselb-ständigkeit, als das von Gort verordnete Haupt des Gemeinwesens, das, »'eil esdas Haupt ist, so wenig von den Gliedern getrennt werden als dieselben mißbrau-chen darf, treu ergeben ist. Er niag namentlich in Deutschland wohl bestehen, woeigentliche Despotie sich nie fest begründet hat, die große Idee der Volksvertretungsich nie ganz verloren und auch in den entartetsten landständischen Verhältnissensich noch erhalten hat. Und es ist kein Verhältniß, keine Verfassung, die von ihn»entbände. Unter welcher Verfassung du lebe» magst, im Glück und Unglück desVaterlandes, hat dasselbe heilige Ansprüche an deine Theilnahme, deinen Eifer,deine Treue, und dein Werth als Mensch steigt mit deinem Werthe als Bürger.Wohl mag es dem Deutschen , der, zu seinem Ruhme, gewohnt ist, Vaterland undFürst unzertrennlich zu denken, schwer sein, dann beide zu trennen, wenn der Fürstihm und den Genossen nicht gerecht ist. Aber auch dann muß das Vaterland unsheilig, unverletzlich sein, dafern wir des Patriotismus uns freuen wollen. Es hateine Zeit gegeben, wo uns die Bedeutung des Patriotismus fast verloren war, derKosmopolitismus, als ein viel Höheres, nicht in der That, aber im Wort sich gel-tendmachen wollte, wo man in böser Mißdeutung das in sejnem geheiligtenSinne so schöne Wort: allgemeine Menschenliebe, vorschob, die Vaterlandsliebezu verdrängen. Ist Patriotismus Liebe, Liebe aber ein leuchtendes und wärmen-des Feuer, so wirkt sie zwar, wie dieses, m engern und weiter» Kreisen, aber m