Patristik Patrizier L15
den engern am stärksten. Wer mit seiner Liebesflamme die ganze Welt erleuchtenund erwärmen will, möchte leicht die Nächsten, mit denen die Vorsehung ihn ver-band, erstarren und in Finsterniß lassen. Auch die heilige allgemeine Menschen-liebe hat ihre Kreise; sie leuchtet und wärmt als eine starke, aber bescheideneFlamme Allen, die ihr nahen, darum aber den LandcSgenossen zunächst, weil dieseihr die Nächsten sind, und sie erst diesen gerecht sein muß, ehe sie den Entferntengütig sein kann. Xe.
Patristik (tlieoloffia patrlsi'w.i), derjenige Zweig der historischen Theo-logie, der das Leben, die Schriften und Lehren der ädirchenväter zum Gegenständeeines besondern Studiums macht. Als d.r zwar mühsame, aber belohnende Wegzu den Hülfsguellen der Geschichte der christlichen Lehre und Verfassung in denersten 6 Jahrh, verdient er ganz die Aufmerksamkeit, die man ihm neuerdings wie-der zu widmen anfängt. BeiFueS in Tübingen erschien 1827 fg. eine wohlfeile„Nil 'liotlieea juili ui» latiuui.", von Protestant, und kathol. Theologen besorgt.(Vgl. Kirchenvater.) X.
Patrize, der von dem Formschneider in Stahl geschnitteneStempel, mitwelchem durch Einschlagen in eine weichere Masse die Matrize (s. d.) verfer-tigt wird. Die Patrize enthält das Darzustellende der Buchstaben des Alphabetsverkehrt.
Patrizier hießen in dem alten Rom gewisse durch Abkunft, Ehre undVermögen ausgezeichnete Familien, aus welchen die Senatoren gewählt wurden.Romulus rheilte angeblich, nach dem Beispiele der Athenienser, die römischenBürger in 2 Classen: Patrizier und Plebejer. Zene wurden ursprünglicht>(>8 (Vater) genannt, weil man sie als Vater des Volks betrachtete; aus diesemWorte entstand der Titel „Patrizier". Romulus bildete aus ihnen einen Senatvon 100 Personen, welche die höchsten Würde» in der Regierung und im Kriegebekleideten und dem Gottesdienste bis 105 nach Roms Gründung vorstanden. DieMitglieder dieses Collegiums wurden Senatoren, von zenectus (Alter), genannt,weil man nur solche wählte, welche in Rücksicht ihres Alters, das nicht unter 25 sf.sein durfte, ihrer Erfahrung und Geschicklichkeit, bei der Leitung der öffentlichenAngelegenheiten das allgemeine Zutrauen des Volks genossen. Als man die Sa-binen in Rom aufnahm, wurde ihre Zahl mir 100 neuen Mitgliedern vermehrt.Am Ende der Republik war sie auf mehr als 1000 gestiegen, welche der KaiserAugustus wieder auf 600 herabsetzte. Man unterschied die Patres «»ist»! ,, ,,(Patrizier der ältern Familien), welche von den von Romulus gewähltenSenatoren abstammten, und die palees „,!>»,ru,» ^eniiuni (Patrizier der jün-ger» Familie»), welche Targuin der Altere hinzugefügt hatte. Obgleich man denPatriziern ihr politisches Übergewicht über die Plebejer durch das ihnen über dieseertheilte Schutzrecht (ju, pationatus) sichern wollte, so gingen doch ihre Vor-rechte verloren, als der Bürgerstand, vom I. Roms 261 an, eine völlige politi-sche Gleichheit mit den Patriziern erzwäng (s. Rom ), indem er zu obrigkeitlichenÄmtern, welche diese bisher ausschließend verwaltet hatten, zugelassen, und dieHeiralhen unter beiden Ständen nach dem Zahre 308 erlaubt wurden. Esblieb ihnen nunmehr kein andrer Vorzug übrig als ihre Abstammung aus denersten und ältesten Familien. Seit der Zeit entstand eine Art von Dienstadel(nulülitas), der durch die Bekleidung der 3 höchsten Ehrcnstellen (Consulat,Prätur und curulische Militär) erworben ward, und der mittelst des Rechts,die aus Wachs bossirten Brustbilder seiner Vorfahren im Vorhause aufstellenzu lassen (ft,s inni^inui»), auf die Nachkommen überging. Die Abkunft auspatrizischem Geschlechte war dazu nicht erfoderlich, sie erhöhte aber den Rangdes Adels, besonders, wenn sie mit Verdiensten begleitet war. Der Verfall derRepublik , die bürgerlichen Kriege und die Einführung des Kaiserthums schwäch-