Payö de Daud Pazzi L83
gewordener Mann, geb. den 29. Jan. 1137 zu Thetford in der (Grafschaft Norfolkin England. Sein Vater war ein Schnürbrustmacher, und der junge P. betriebdies (Geschäft ebenfalls, wiewol mit grossem Widerwillen. In der Folge wurde erZollbeamter und übernahm außerdem die Direktion einer Tabacksfabrik. AberBeideS reichte für den Unterhalt seiner Familie nicht hin; er gerieth in Schulden,wurde 1774 abgesetzt und ging nach Amerika , wo er bei einem Buchhändler inPhiladelphia eine günstige Aufnahnie fand. Hier gab er 1776 seine erste Schrift:„(Auiuuon »eure" (übers. in Dohm's „Materialien zur Statistik", 1. Lieferung)heraus. Dieses Werk war damals in den Verein. Staaten von großer Wirkung,indem es gegen die Usurpation im britischen Parlamente gerichtet war, und der Vf.ohne metaphysische Sophistereien über Staatsverfaffung in der kunstlosen Sprachedes schlichten Menschenverstandes schrieb. Mehre Auflagen dieser Schrift erfolgtenschnell nach einander. Darauf wurde P. vorn Congresse zum Secretair bei demDeport, der auswärt. Angeleg. erwählt. Washington un^Franklin schenkten ihmihre Freundschaft. 1786 unternahm er seine erste Reise Mch Frankreich und gingbald darauf nach England. Hier gab er 1791 „ llw ri^lu» <>( mau" heraus,worin er die Grundsätze zu bekämpfen suchte, welche Burke in s. Schriften überdie französische Revolution aufgestellt hatte. Diese Schrift erregte nicht nur denHaß der Ministerparkei gegen ihn, sondern schreckte durch unbezühnite Sprache,welche er darin führte, selbst die freien Briten auf. Man wunderte sich, daß einAmerikaner mit seinem Enthusiasmus für die Verfassung, die sich Amerika selbstgegeben hatte, die neue Regierungsform in Frankreich vertheidigen konnte. DieAristokraten boten alle Waffen gegen ihn auf. Er verließ England und begab sichnach Frankreich , wo er als Volksreprüsentant bei dem Senat und zugleich von demDeport. Oise zum Repräsentanten erwählt worden war. Gleich nach seiner Abreisebegann in England der Proceß gegen ihn, und man sprach das „schuldig!" überihn aus. Er warf sich jetzt in die Mitte der Fackionen Frankreichs und ließ einenAnschlagzettel erscheinen, welcher verschiedene streitige Fragen enthielt, die die Abireise des Königs betrafen und die Nothwendigkeit fühlbar machen sollten, eine er-niedrigte monarchische Regierung ganz abzuschaffen. Doch wagte er nicht, diesBlatt mit s. Namen zu unterzeichnen, sondern nannte sich VelnUe» Onebalelel.Auch ließ er sein Buch von den Menschenrechten ins Franz, übersetzen. Man natu-ralisiere ihn und ernannte ihn zum Repräsentanten des Deport, von Ealais. Den20.Nov. theilte er seine Meinung über das Schicksal Ludwigs XVI. schriftlich mit.Da er nicht für des Königs Tod, sondern für Verbannung stimmte, so zog ihm diesdas Mißfallen der Bergpartei zu. Marat warf ihm die Grundsätze eines Quäkersvor. Robespierre ließ ihn 1793 als einen Ausländer aus der Liste der ConventS-deputirtcn streichen und einkerkern. Damals schrieb er gegen den Atheismus seineSchrift: „I.A^v->o I-, i->i»nn". Im Der. 1794 ward er, nach einer ^monat-lichen Gefangenschaft, auf Requisition der Nordamerika ». Regierung freigelassenund trat wieder in den Convent. Als dieser 1796 auSeinandcrging, kehrte er inden Privakstand zurück und beschäftigte sich mit statistischen Untersuchungen. 1796schrieb er eine Abhandlung über den Verfall der Finanzen Englands, die viel Auf-sehen machte. Da er indeß den Einfluß nicht erlangte, welchen er beabsichtigte, so'kehrte er 1862 aufIefferson's Rufnach Amerika zurück, wo er den 8. Juni 1809in Armuth starb.
Pazzi , eins der vornehmsten und reichsten Geschlechter der Rep. Florenz,ist berühmt durch die Verschwörung von 1478, deren Opfer es wurde. Nichtbloß Eifersucht auf die Gewalt des mediceischen Hauses, sondern auch Eifersucht. der Liebe entflammte den Urheber jener Verschwörung, Franz Pazzi, zur Wuthgegen seinen Nebenbuhler, Julian v. Medici, welcher sich heimlich mit Camilla Ea-