Band 
Achter Band. O bis Q.
Seite
334
JPEG-Download
 

334

Pazzi

farelli vermählt hatte. Franz Pazzi, rachsüchtig, stolz, kühn und verwegen, wolltesich für diese Beleidigung und für so manche Zurücksetzung s. Geschlechts durch dieVertilgung der Mediceer rächen. Bernhard Bandini, ebenfalls von den Medicigekränkt und von gleichen Gefühlen beseelt, war sein erster Vertrauter. Da siewußten, wie wenig die steigende Macht des Hauses Medici dem Papste Sfttus i V.gefiel, theilten sie dessen Wohne, Pazzi's Freunde, HieronymuS Riario, ihren Plan,die Bruder Lorenz und Julian v. Medici zu ermorden und eine andre RegierungS-t erfassung einzuführen, mit und suchten durch ihr, den Papst für sich zu gewinnen.Wirklich versprach ihnen der Letztere Unterstützung, und der Erzbischof von Pisa ,Franz Salviati, Feind der Florentiner und des Lorenz v. Medici, verband sichgleichfalls mit ihnen. Späterhin trat Jakob Pazzi, ein Oheim von Franz undein ordnungsliebender, verständiger Mann, auf Zureden des päpsil. Generals,Montesecco, der Verschwörung bei. Während einerKrankheit des KarlManfredi,Grafen v.Faenza , zogen die Verschworenen, ohne den Verdacht der Medici zu er-regen, eine Menge Truppen zusammen, wodurch sie ihre Partei verstärkten. AlsSfttus IV. seinen Neffen, den jungen Cardinal Rafael Sansoni, nach Florenz sen-dete, beschlossen sie, die beiden Medici bei den demselben zu Ehren angestellten Fe-sten umzubringen. Zwei Gelegenheiten schlugen fehl, weil Julian dabei nicht mirerschien; nun bestimmte man den 26. April 1418, an dem in der HauptkircheSanta Reparata großer Gottesdienst gehalten werden sollte, zur Vollziehung desMordes. Das zweite Ertönen des Glöckchens, wenn der Priester die Hostie er-greifen würde, sollte das Zeichen sein; aber Montesecco weigerte sich, als die Zeitherannahte, den heiligen Ort zu entweihen. Jetzt übertrug nian dies Geschäftdem Anton von Volrerra und Stephan, einem Priester, zwei feigen Menschen.Schon waren Lorenz und eine Menge Volks in der Kirche versammelt, aber nochfehlte Julian; da begaben sich Franz Pazzi und Bandini zu ihm und beredetenihn, dem Hochamte des Cardwals beizuwohnen. Auf dem Wege dahin unter-hielten sie ihn auf das Freundschaftlichste, und Franz Pazzi umarmte ihn mehr-mals, um sich zu überzeugen, daß er nicht gepanzert sei. Zn der Kirche nahmensie ihn in die Mitte; Anton v. Volrerra und Stephan stellten sich Lorenz zur Weite.Als nun das Glockchen zum zweiten Mal errönre, durchbohrte Franz Pazzi denZulian mit solcher Wuth, daß er sich selbst am Schenkel verwundete. Bandini er-mordete Julians Freund, Nori. Anton und Stephan griffen den Lorenz an, stießenfehl und verwundeten ihn nur leicht am Halse. Er rettete sich in die Sacristei.Franz und Bandini, die ihm dahin folgen wollten, wurden zurückgestoßen. Ln demGedränge verloren viele Menschen das Leben. Der Cardinal konnte von den Geist-lichen nur mit Mühe gegen die Wuth des Volks geschützt werden. Bandini entsteh.Franz suchte vergebens das Volk aufzuwiegeln und mußte sich, von dem Blutver-lust erschöpft, nach Hause begeben. Salviati und Jakob Poggio hatten sich un-terdessen an der Spitze von ungefähr 100 Peruginern nach dem Palaste begeben,um denselben zu besetzen; allein der Gonsaloniere Cäsar Perrucci ahnete Verrath,rief schnell die Wache herbei und besetzte den obern Stock. Durch einen Zufallwaren die Peruginer in dem Versammlungssaale, dessen Thüre von Innen nichtgeöffnet werden konnte, eingesperrt, und die Florentiner bemächtigten sich mit leich-ter Mühe des Erzbischofs und mehrer Verschworenen, die theils niedergehauen,theils an die Fenster aufgeknüpft und dann hinab auf die Wtraße gestürzt winden.Das wüthende Volk holte Franz Pazzi aus seiner Wohnung, schleppte ihn nacktdurch die Gassen und hing ihn nebst 10 Andern gleichfalls an den Fenstern desPalastes auf. Jakob Pazzi, der durch die Straßen ritt und das Volk zu den Waf-fen und zur Freiheit rief, rettete sich, da auch er aus dem Palaste der Signoriamit Steinen geworfen wurde und keinen Anhang fand, durch die Flucht, wardaber in den Apenninen von einem Bauer erkannt, nach Florenz ausgeliefert und