Petersburg 431
natsgebäube; das der h. Synode; die Reichsbank; der Ostrog oder Zuchthaus;derarnieSünderplaß, wo die Knute gegeben wird. Sehenswerth sind die Schiffs»werfre, wo sogar Dreidecker von 80 Kanonen vom Stapel gelassen werden. ?ln ihrerSeite längs der Newa herunter rieht sich der Galeerenhof, eine der schönsten Stra-ßen , die bloß von Engländern bewohnt wird; auch befindet sich daselbst ihre Kirche.An russischen, franz. und deutschen Buchhandlungen und Privatdruckereien ist keinMangel; doch ist die Censur in Absicht philosophischer und politischer Schriften,sowie hinsichtlich der Religionüverhältnisse, sehr streng. — Handel und Schiff-fahrt sind von der größten Wichtigkeit; denn aus allen Ländern Europa's , wie auchaus Amerika , kommen jährl. über 1100 Schiffe an und gehen dahin ab; man siehtz. B. im Sommer Schiffsladungen von Apfelsinen u.a. Früchten, die alsdannsehr wohlfeil sind, aus Portugal ankommen. Doch werden Schiffe, die tiefer als7 Faden gehen, zu Kronstadt in Lichtersahrzeuge abgeladen. Den Handel insInnere, nach Sibirien und China hat die moskcwische Kaufmannschaft fast aus-schließend. Nächst den Wohnungen ist die Theurung der Lebensmittel, besondersdes Fleisches, groß, weil diese Artikel, wie auch Obst und Melonen, aus den mitt-lern und südlichen Gegenden des Reichs herbeigeschafft werden; Fische hingegen,von denen im Winter auf dem Fischmarkte ganze Berge gefrorener aufgehäuft wer-den, sind sehr wohlfeil. Man trinkt außer den franz. Weinen griechische und mol-dauische. Die unfern von der Stadt wohnenden deutschen Colonisten versorgenihre Bewohner mit guter Tischbutter. Vergnügungen aller Art werten durch dieLiebe zur Geselligkeit und durch Gastfreiheit sehr befördert; dazu bieten die Hand:1)das große prächtigeOpernhaus, woin russische, deutsche und franz. Vorstellun-gen abwechseln; auch gibt es noch andere Theater. 2) der musikalische Clubb, wodie vollständigsten und herrlichsten Concerte ausgeführt werten, denn Musik wirdhier vorzüglich geschäht; der Tanzclubb; der große Bürgerclubb, welcher mehrals1000 Mitglieder zählt; der amerikanische , englische u. a. 3) Im Winker dieSchlitten- und im Sommer die Wasserfahrte» auf der Newa nach den verschiede-nen Inseln und Gürten, aus welchen man oft, im Vorbeifahren, durch die schöneHornmusik überrascht wird, die in der Ferne einer gedämpften Orgel gleicht. DieleStraßen sind mit Canälen, die schöne Kaien zu ihrer Seite haben, durchzogen.Berühmt ist die schiffbare Fomanka, welche, wie die Moika, die 4 Brücken vonGußeisen hat, östlich aus der Newa entspringt; beide Flüsse ergießen sich in denfinnischen Busen. Innerhalb der Stadt sind sie von schönen Granirkais miteisernen Gittern eingefaßt. In der Mitte von beiden stießt der Katharinencanal.4) Gibt es große Caffee - und Speisehäuser mit Billards (auch Orgeln). DasStraßcngetümmel hat hier eine ganz andre Gestalt als in andern großen Städten.Die prächtigen und glänzenden Equipagen mit ihren bärtigen Kutschern und12jäh-rigen Knaben von Vorreitern, die unaufhörlich ihr (aus dem Wege) vor
sich herkreischen, das immerwährende Ausrufen von Obst und andern Waaren,das Gewimmel des gemeinen, zum Theil berauschten Haufens, der sich bisweilenDemonstrationen mit Faustschlägen macht, ziehen die Aufmerksamkeit des Frem-den auf sich. Das Klima ist streng; doch steigt die Kälte von der Mitte des Dec.bis zu Ende Jan. selten über 15 Grade R> aumur. Sie steht gewöhnlich 10 Grad,unter 5 Grad fällt sie selten. Es gibt aber auch Winter, wosie2K—28, jabis30Grad zunimmt. Die Schlittenfahrt dauert fast 5 Monate; doch werten mancheWinter von einem 14tägigen Thau- und Regenwetter unterbrochen. Die schönsteSommerzeit, die hierunter dem 60. Grade ebenso angenehni ist als in Sachsen ,dauert in der Regel 3 Monate. Die große Wärme über 20 Grad hält selten langean. — Noch ist zu bemerken, daß die übertriebene Zahl von Kirchen-, Krön- undRikterfesten, an welchen nicht gearbeitet wird, der Nation fast die Hälfte des Jahresrauben. S. Storch's „Gemälde von St.-Petersburss"; „Kunst und Alterthum in