Band 
Achter Band. O bis Q.
Seite
433
JPEG-Download
 

Petion (Alexandre) Petion (Ierome) 433

die östr. Infanterie binter ihre zweite Linie zurückgeworfen. Da aber die östr.Reiterei die türk. in Schach hielt, auch im Vortheile blieb, und da die Ianirscha«re» durch unbesonnenes Vordringen den Flügel bloßgaben, ließ Eugen einen Theilder Reiterei abschwenken und einbauen. Sein fliehendes Fußvolk, vorn Geschützeder Festung gedeckt, ordnete sich wieder zum Kampfe; die Türken hingegen, welchevon ihrem vielen, aber schwerfälligen Geschütze nur 3 Batterien aufzuführen ver-.stände», gericihen in Verwirrung und flohen hinter ihre Verschanzungen, die soplanlos angelegt waren, daß hier die Niederlage vollends entschieden ward. DieTürken verloren 6006 M. lind 104 Stück Geschütz. Eugen schrieb um Mittagin Haly's Zelle, welches mit dem ganzen Lager nebst reicher Beute den Ostrei-chen, in die Hände siel, seinen Siegesbericht. Halt) selbst, derveimeintliche Urheberdes Kriegs, und der berühmte Ianttscharen-Aga Mehemed waren geblieben. —Eugen führte sein Heer, das einen Verlust von 4000 M. erlitten hatte, über dieDonau zurück zur Belagerung von Temeswar . Anders hätten neuere Strategengehandelt, doch auch er mochte seine Gründe haben. 5.

Petion (Alexandre), s. Haiti .

P e- tion (Ierome) de Villeneuve, geb. zu Thartres 1759 und Advocat da-selbst, wurde von s. Vaterstadt 1789 zum Abgeordneten des 3. Standes bei derNationalversammlung gewählt. Gut gebildet und einnehmend, dabei geachtet alsein rechtlicher Mann und ausgezeichnet durch Beredtsamkett, erlangte er bald einengewissen Ruf. Dies und sein unternehmender Charakter zog ihn tief in den Stromder Revolution. Bei Gelegenheit der königl. Sitzung ani 23. Juni 1789 erklärteer sich gegen den von, Könige versuchten Machkgebrauch. Als Elubbist und Mit-glied des erstell SicherheitsausschusseS stritt er für die republikanische Partei mitHeftigkeit. 1791 übernahm er eine Sendung nach England, um mit den brit. Re-volutionsmännern gemeinschaftliche Pläne zu überlegen. Als Präsidenten des pa-riser CriminalgerichiS ei nannte ihn die Nationalversammlung zu einem der3§om-Missaire, welche den König von Varennes zurückführen mußten (23. Juni 1791),wobei er sich gegen den Monarchen nicht mit der Achtung und Schonung betrug,welche Barnaoe und LakoumMaubourg, die beiden andern Commiffaire, beobach-teten. An Bastln'? Stelle (d. 1!. Nov.) zum Maire von Paris gewählt, begün-stigte er die aufrührerischen Bewegungen des jakobinischen Pöbels, und s. An-schlagszcttel sollen den Aufstand der Vorstädte SmAnioine und St.-Marceau am20. Juni 1 792 veranlaßt haben. Die Departementsverwaltung von Paris ent-setzte ihn daher d. 6. Juli s. Amtes. Aber die Nationalversammlung hob kiesen vomKönige genebmigten Beschluß schon den 15. Juli auf, nachdem P. vor den Schran-ken sich nicht sowol vertheidigt, als Schmähungen gegen den Hofund dessenZlnhän-ger ausgestoßen hatte. Den Tag darauf war das Bundesfest. Der König warmit s. Familie zugegen und wurde beschimpft; aber auf den Hüten des Volks lasman mit Kreide geschrieben: ,,Es lebePiion!" Am 3. Aug. verlangte er von derNationalversammlung im Namen der Seetioncn von Paris die Entthronung desKönigs; doch widersprachen einige Seetioncn diesem Gesuche. Als der Ausstandam 9. u. 10. Aug. den Thron umstürzte, befand er anfangs sich im Palaste, wohiner vom Könige berufen worden war; nachher wurde er in s. eigne» Hause von denAufrührern bewacht. Seitdem hörte er auf, das Idol des Volks zu sein. Danton ,Marat, Robespierre entzogen ihm die Gunst des großen Haufens. Vergebens suchteer de» Septembermorden Einhalt zu thun. Als der Convent zusammentrat, warP. der erste Präsident desselben. Als solcher sprach er d. 21. Sept. 1792 die Auf-hebung des Königthums aus und bildete (11. Oct.) mit Brissot, Danton , Barn re,SieyeS , Thomas Payne, Vergniaud und Genfonue den Ausschuß, welcher die Ver-fasst,ngSform der Republik entwerfen sollte; auch ward er (18. Oct.) wieder zumMaire von Paris gewählt. Mit leidenschaftlicher Erbitterung sprach er jetzt auf

Eoii»ersatioii§!Lexicon. Bd. VIU. 28