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Achter Band. O bis Q.
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450 Pflanzen

men ihren Ausgang an der Oberhaut. Die flüssigen Bestandtheile der Pflanzenbewegen sich in den genannte» Gefäßen und sind kropsbarflüssige oder elastischfiüs-flge. Die tropfbaren Flüssigkeiten scheinen bei den Pflanzen die Stelle deöBluteSzu vertreten und in ihren Verrichtungen mit demselben verglichen werden zu kennen.Sie sind wahrscheinlich, wie das Blut der Thiere, mit organischen Theilen ge-schwängert, woraus sich die festen Theile bilden. In physiologischer Hinsicht findetsich zwischen Pflanzen und Thieren große Ähnlichkeit. Zusammenziehende Kraft,Reizbarkeit, Bildungskraft, Reproductions- und andre Kräfte haben die Pflanzenmir den Thieren gemein, nur in einem geringern Grade. Diese Lebenskraft erhältin den Pflanzen ebensowol wie in den thierischen Körper» bei allen Abwechselungenund Veränderungen, denen sie unterworfen sind, die eigenthümliche Form des In-dividuums, und sie ist es, durch welche die chemische Verwandtschaft der Grund-stoffe, woraus die organisirten Körper bestehen, bei diesen anders als bei den un-organischen modisicirt wird. Hört sie auf, so stirbt der organische Körper, undseine Bestandtheile unterwerfen sich ungehindert den allgemeinen Nerwandlschasts-gesetzcn der leblosen Natur. Ob man den Pflanzen auch Empfindung zuschreibendürfe, ist zweifelhaft, denn bis jetzt haben wir noch keine Nerven bei ihnen entdeckt,und die Erscheinungen an gewiffen Pflanzen, welche Empfindung zu verrathenscheinen, lassen sich vielleicht auf bloße Reizbarkeit zurückführen. Auch Bewe-gung, als Folge der Lebenskraft, ist den Pflanzen nicht abzusprechen. Mehreäußern unter gewissen Umständen «ine Bewegung einzelner Theile, die der thieri-schen Bewegung ähnelt. Die Bewegung der iLäste in den Pflanzen kannte manlange, bevor man die Ursache davon einsah. Malpighi scheint ihren Grund ineiner Bewegung der Gefäße, Haies ihn in der Wärme der äußern Luft gesucht zuhaben; spätere Naturforscher nahmen mechanische Gründe an, indem sie die Pflan-zengesäße als Haarröhrchen (s. d.) betrachteten. Allein die Unstatkhaftigkeitdieser Erklärungsarten ist leicht zu entdecken, und cS scheint richtiger zu sein, dieReizbarkeit der Gefäße als die Ursache des SteigenS ihres Saftes anzunehmen.D'ese Meinung wird dadurch bestätigt, daß der Saft zu steigen aufhört, wennman durch starke elektrische Schläge die Reizbarkeit der Gefäße abgestumpft hat.Worin aber diese Reizbarkeit bestehe, und was sie verursache, ist bis jetzt noch nichtdargethan worden; nur ihr Dasein kennt man und hat durch Versuche gefunden,daß sie sich durch gewisse künstliche Mittel ebensowol erhöhen als schwächen, jaganz aufheben läßt. Außerdem scheint auch die Wärme auf die Bewegung derSäfte Einfluß zu haben; denn warum bewegt die Reizbarkeit die Pflanzensäfteim Winter nicht? Erst bei einem gewissen Wärmegrade steigen die Säfte undbeginnt das Wachsthum: kalte Tage aber bringen sogleich einen Stillstand odereine Hemmung hervor. Die Sommerhitze schwächt, wie es scheint, allmälig jeneReizbarkeit und stumpft sie so ab, daß die Säfte sich nach und nach immer lang-samer bewegen und im Herbste stillzustehen anfangen. Mit der Reizbarkeit derPflanzen hängt der Schlaf derselben und ihr Drehen nach dem Lichte genau zusam-men. Ersterer scheint zu erfolgen, wenn sie anhaltend und heftig in Thätigkeit ge-wesen. Man bemerkt ihn besonders an den Blumcnkronen, aber auch an den Blät-tern, nur in verschiedenen Graden. Die Neigung der Pflanzen, sich nach demLichte zu drehen, wird bei solchen leicht sichtbar, die das Licht nur von einer Seitehaben, indem alle Stängel, Zweige, Blätter und Blüthen sich nach dieser Seitehinwenden. Ein andrer wichtiger Gegenstand in der Physiologie der Pflanzen istdas Athmen derselben. Es besteht in einem Einsangen und Aushauchen, welchesman besonders an den Blättern wahrnimmt. Leqt man ein frisches Blatt in einGlas mit Brunnenwasser und setzt es den Sonnenstrahlen aus, so erscheint es baldmit LuftblüSchen bedeckt, die allmälig nach der Oberfläche aufsteigen und dort zer-platzen. Fängt man sie auf, so zeigt sich, daß sie aus Sauerstoffgas bestehen.