Band 
Achter Band. O bis Q.
Seite
455
JPEG-Download
 

Pflanzcuanatoiiiir 455

sigkeit, sondern zur Aufbewahrung und Verarbeitung der Säfte. Daher findetman in ihm auch Behälter der eigenthümlichen öligen und harzigen Säfte. Diese,bisweilen den übrigen Zellen gleich, nur stärker angeschwollen, sind oft eigne Ca-näle, oder vielmehr ähnlicheZwifchenräume der Zellen, wie wir sie in der Rinde desNadelholzes, im Schöllkraut und in allen milchgebenden Pflanzen finden. DasZellgewebe steht in vollkommener,, Pflanzen mit der Luft in einer merkwürdigenGemeinschaft. Don den Farrnkräutern aufwärts wird es nach der Oberflächezu unregelmäßiger und voll Lücken, die, mir Luft erfüllt, durch eigens organi-sirke Öffnungen mit der Atmosphäre in Verbindung stehen. Diese Spaltöffnun-gen trifft man meistentheils da, wo eine grüne Oberfläche die Pflanzen bedeckt, amhäufigsten jedoch auf der untern Fläche der Blätter. Sie sind mehr oder wenigeroval, gewöhnlich von einem drüsigen Ringe umgeben, und haben unter sich bis-weilen Fältchen, die sie offen erhalten. Wir schreiben ihnen die Bestimmung zu,einzusaiigen und auszuhauchen, aber bloß Luftstoffe, nicht tropfbare Flüssigkeiten.Die 2. U rform ist die geradlinige, Faser- oder eigentlich Röhrenform. StarkeVergrößerungen zeigen uns die Fasern als wirkliche Röhren mit «duften erfüllt,aber nicht fortlaufend, sondern hier und da sich zuspitzend und blind endigend, z. B.im Baste der Bäume, auch im Splint und in den Nerven und Rippen der Blatter.Ihre Uranfänge erscheinen schon im schleimigen Bildungssaste, wo sie, den Nadelnoder Spicßchen gleich, sich in Bündeln gleichsam krystallisiern. Diese Röhrenhaben die zarteste» Häute und den kleinsten Durchmesser unter allen Urformen;dennoch sind sie außerordentlich dehnbar und zähe. Sie sind cS, die man als Flachsspinnt, die man aus Hanf, Nesseln, aus dem Papiermaulbeerbaum w. verarbeitet.Ihre Hauptbestimmung scheint die Führung der aufsteigenden Säfte zu sein. Die3. Urform nennen wir die Schraubcnform, weil sie ursprüglich aus schrauben-förmig gewundenen Fasern besteht, welche die Wände cylindrischer Canäle aus-machen. Diese Form kommt von den Farrnkrämern aufwärts bei vollkomme-nern Pflanzen, von den Safkröhren umgeben, in Bündeln oder einzeln vor. ImStamm der gewöhnlichen Bäume macht sie größteniheils den Splint und das Hol;aus. Bei den Palmen, den Gräsern !c. stehen die Schianbenbündel zerstreut imZellgewebe. Die Schraubengänge gehen durch alle Theile. Durch den Blatt,stiel dringe» sie mit den Saftröhren in die Blattnerven, durch den Blüthensticl indie Corollenblätter, in die Staubfäden, in den Fruchtknoten, in die Pistille, unddurch den Heimgang selbst bis in die Samen. So lange sie ursprünglich sind,haben sie keine andre Wand, als die von jenen gewundenen Faser» gebildet wird.Aber man findet sie nicht immer in jener ursprünglichen Form. Sie erscheinenoft als Ringgefäße, oft als Trcppengänge, oft als punktirte Canäle. Endlich gibtes Übergänge von dieser zur Zellsorm, besonders in Nadelhölzern. Hier erscheinengestreckte Zellen mit regelmäßigen geränderten Löchern durchbohrt, ja im Taxussogar Zelle» mit schraubenförmig gewunkenen Fächern, welche wahrscheinlich dieStelle der hier nicht vorhandenen Schraubengänge vertreten. Das Geschäft die-ser 3. Urform scheint die Bildung und Fortführung der Luftarren, der Dünsteund der Luftstoffe zu sein, die sich aus den Säften der Pflanzen entwickeln. — II.Besonderer Bau der einzelnen Pflanzentheile. Die Wurzel. Die Oberfläche derzartesten Würzelchen zeigt sich mit sehr feinen Härchen umgeben, und die Spitzensind mit einem schwammigen Mühchen bedeckt, wodurch, wie durch jene Härchen,die Einsaugung der Erdfeuchtigkeit erfolgt. Übrigens durchzieht der Länge nachdie Mitte der Wurzel ein Bündel von Saströhren und Schraubenzängen, ohnedaß eine Markhöhle da wär«. Der Stamm besteht bei allen Pflanzen, die mit2 «mmenlappe,! aufgehen, aus concentrischen Schichten, deren äußerste die Rinde,die zweite der Bast, die dritte der Splint und die vierte das Holz ist, welches i» jün-ger» Trieben das Mark einschließt. Durch den Stamm setzen außerdem strahlen-