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Achter Band. O bis Q.
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460 Pfropfen Pfund

ein adeliges Fränleinstift, ein Hospital, ein Irren- und SiechhauS, ein Waisen-und Zuchthaus und ein Pädagogium, 21 Dijouteriefabriken, deren Goldwaarennicht unter 14 Karat halten dürfen, wozu eine eigne fürstliche Tomrole aufgestelltist. Man kann den Werth der verkauften Waaren jährl. auf 600,000 Gldn. an-schlagen. An 1000 Menschen finden darin ihren Unterhalt. Eine Tuchfabrik ver-fertigt besonders feine Tücher und Kasimir; bedeutend ist die Leinwandbleiche; einEisenhammerwerk liefert jährl. 5000 Etnr. Stab- und Zameisen. Noch gibt eseine Uhrenfabrik, eine chemische Fabrik, ein Kupferhammerwerk, eine Saffianger-berei und eine türkische Garnfärberei. Der sehr wichtige Holzhandel geht mittelstdes NeckarS und Rhems bis nach Holland . Der Ob, Frucht-, Wein- und Buch-handel sind gleichfalls nicht unbeträchtlich, wozu besonders die Lage der Stadt ander Heerstraße von Frankreich in das südliche Deutschland günstig ist. Muth undeine besondere Anhänglichkeit an ihren Fürsten zeichnete stets die Bewohner dieserStadt aus. Unter Anfuhrittig ihres Bürgermeisters Deimling folgten nämlich 400Bürger ihrem tapfern Markgrafen, Georg Friedrich, als Leibwache in dasTreffenbei Wimpfen , das derselbe den 6. Mai 1622 mit 20,000 M. gegen die große Über-macht der Kaiserlichen unter Tilly lieferte. Schon hakte der Muth über die Mehr-zahl gesiegt, als die Pulverwagen der Tapfern zersprangen und Zerstörung untersie brachten. Flucht war das einzige Rettungsmittel, und Georg Friedrich ent-schloß sich dazu auf dringendes Bitten der Scinigen; aber diese Rettung ward nurdadurch möglich, daß jene 400 Treuen sich für die Übrigen aufopferte», indem siedas feindliche Heer so lange aufhielten, bis die Ihrigen entronnen waren, und sieselbst den Tod fanden. E. L. Posselt's „Gedächtnißrede auf die Gefallenen"ist ein Denkmal deutscher Beredtsamkeit und Freimüthigkeit.

Pfropfen (Impfen), in der Gärtnerei, das abgeschnittene Reis einesBaumes dem Stamme eines andern so einfügen, daß es mit demselben zusammen-wächst. Es gibt dabei ein doppeltes Verfahren. Entweder spaltet man den-Stamm, dem man das Pfropfreis einsetzen will, in der Mitte mit einem Messer,und steckt das gehörig zugeftbniktene Pfropfreis so ein, daß Rinde auf Rinde paßt,oder man löst auf der einen Seite des Stammes die Rinde etwas ab und sieckr dasPfropfreis dahinter ein. Die Pfropfreiser, denen nian 3—5 Augen lasse,i kann,werken im November, oder, bevor die Knospen anschwellen, im Frühling abgeschnit-ten; im erste» Fall muß man sie im Keller aufbewahren, damit sie nicht trocknen,aber auch sie vor dem Schimmel in Acht n-hmen. Man wählt zum Pfropfen alle-mal vorjährige, glatte, gerade und gesunde Zweige von lebhaftem Wüchse. Esgeschieht gewöhnlich von der Mitte des Märzes bis in die Mitte des Aprils, wo-bei jedoch die Witterung sowol als die Art der Bäume zu berücksichtigen sind. Diezu pfropfenden Stämme können 1 — 2 Zoll im Durchmesser haben; ob man siehöher oder tiefer pfropft, ist gleichgültig, doch soll es sicherer sein, die Stämmeeinige Zoll über der Erde abzuschneiden. Den Spalt macht man nicht in derMitte, denn das Mark des Stammes darf nicht verletzt werden. Die Rindeauf beiden Seiten des Spaltes muß glatt durchschnitten und nicht gefasert sein,weil dies das Verwachsen bindert; die äußere Rinde des Keils aber am Pfropfreisgenau mit der Rinde des Stammes zu beiden Seiten des Spaltes anschließe», au-ßerdem kann es nickt wachsen. Ist der Stamm einigermaßen stark, so hält er dasPfropfreis von selbst fest, und man braucht den Spalt nur mit Baumwachs odereiner andern guten Daumsalbe, die nicht aufspringt, zu bedecken, damit keineLuft eindringe. Das Pfropfreis schießt noch in demselben Jahre ansehnlich.Bei schwachen Stämmen genügt 1 Pfropfreis, bei starken kann man 2 — 4einsetzen. (Dgl. Oculiren und Copuliren.)

Pfründe, s. Präbende.

Pfund, ein Gewicht, dessen Schwere sehr verschieden ist. Das gewöhn-