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Achter Band. O bis Q.
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PhantaSmen 467

gen erlangen, und einen wirklichen Gegenstand vorzustellen scheinen, sodafi sie durchdas Bewußtsein schwer, oder, wenn dieses gestört ist, gar nicht von jenen unterschieden werten. Dieses sind alsdann die PhantaSmen oder Erscheinungen; inso-fern sie uns täuschen, Phantome (Trugbilder) genannt. Sie sind theils will-kürlich erregt, theils erfolge» sie unwillkürlich. Die iLeele kann durch ungeregelteThätigkeit, durch Hinwendung oller Kraft aus die Einbildung, diese so sehr erhö-hen, daß sie einen Gegenstand wirklich außer sich zu sehen glaubt, der doch nichtda ist. Auch Leidenschaften, Affecten, angestrengte Thätigkeit der Seele könnensie in einen solchen angestrengten Zustand versehen. So hat man Beispiele, daß»ach einem sehr unruhvollen Tage ein überspanmerMensch Abends noch dem Sebla-,fengehen das Gesicht eines Menschen auf seinem Kopfkissen neben sftl liege» sah,das zuweilen Äbnliehkeit mit einem Bekannten hatte, das er mit vollem Bewußtseinund deutlich sah, und welches nur allmälig immer blässer ward und endlich per-,schwand. Man hak die glaubwürdige Erzählung von einem alten Anatomen, wel-cher, nachdem er sich den ganzen Tag mit anhaltender Anstrengung bis in die Nachtmit dem Seciren eines todten Körpers beschäftigt hatte, eine wirkliche Gestalt aufseinem Stuhle sitze» sah. Personen, welche an eitlen abwesenden Freund und Ge-liebten mit großer Sehnsucht und Anstrengung ihrer Phantasie dachte», sahen die-sen plötzlich in wirklicher Gestalt vor sich. Haller erzählt in seiner „Physiologie", daßCarkanuS im wachenden Zustande Alles gesehen habe, was er zu sehen wünschte,doch wären die Bilder vor seine» Augen auf- und niedergestiegen. Jemand, derunter den Ruinen eines alten Klosters herumging und mit großem Eifer einmal eineNonne zu sehen wünschte, sah auf einmal eine in vollem Drnate vor sich stehen(Reil, „Über ticFieber"). Durch östereGewohnheik entstehtbei manchen Personeneine Fertigkeit, solche PhantaSmen willkürlich hervorzurufen; auch geräth diePhantasie zuweilen in eine krankhaft erhöhte Stimmung, daß sie öfters, auch ohnewillkürlich erregt zu sein. erscheinen; sodaß solche Personen geneigt werken, sie fürwirklich bestehend, für Erscheinungen Abwesender, Gestorbener, für Geister oderfür wirkliche schon geschehene oder noch zukünftige Begebenheiten, wenigstens fürAnzeigen derselben, zu halten. So hielt Tasso m den letzte» Jahren seines Lebenseine Gestalt, die ihm öfters erschienen, für einen Geist. Einer seiner Freunde,der Ritter Manso, suchte ihn zu überreden, daß diese Erscheinung eine Täuschungseiner Phantasie sei; allein Tasso bat ihn, einer solchen Zusammenkunft beizuwoh-nen, um sich von der Wahrheit zu überzeugen. Manso kam, und mitten in derUnterredung heftete Tasso auf einmal seinen Blick auf ein Fenster, blieb unbeweg-lich und nannte den vermeinten Geist bei seinem Namen. „Hier ist der freundschaft-liche Geist", sagte er zu Manso, „der sich mit mir unterhalten willz gib Acht undüberzeuge dich, daß Alles Wahrheit sei, was ich gesagt habe". Manso sah undhörte nichts, Tasso aber sprach mir großem Ernste zu dein Geiste, legte ihm Fra-gen vor und antwortete ihm. Endlich nahm der Geist Abschied und endigte dadurchdie Unterredung (Reil'S „Fieberlehre", 4. Bd.). Es können aber auch bloß vonkörperlichen Ursachen, ohne Überspannung des Gemüths und der Phantasie, solchePhaiuasmen entstehen, wobei der Mensch seine völlige Besonnenheit und das Be-wußtsein hak, daß die Bilder nicht wirklich sind. So erzählt Donner („AnalytischeVersuche über die Seelenkräfte", Bremen 1110) von seinem Großvater, einemManne von übrigens vollkommener Gesundheit, Aufrichtigkeit und guter Beiuthei-lungokrast, daß er mitten im Wachen, ohne den geringsten äußern Eindruck zuhaben, von Zeit zu Zeit Figuren von Manns- und Fraueiwversoncn, von Vögeln,Wagen, Gebäuden u. A. m. vor sich gesehen habe. Er habe diese Figuren sehrdeutlich verschiedene Bewegungen machen, sich nähern, entfernen, größer undkleiner werde», verschwinden und wieder erscheinen sehen. Er habe auch recht gutgewußt, daß diese Gestalten keine äußern Gegenstände seien. Ähnliche Beobach-

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