Band 
Achter Band. O bis Q.
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Phantastisch Pharisacr

klingen machte Nicolai an sich selbst. Er war schon etwas kränklich, durch man-cherlei unangenehme Begegnisse mißmutkig gestimmt und hatte noch dazu einengewohnten Aderlaß und das Ansetzen von Blutegeln Übergängen. Als ihn im Febr.1791 mehre Borfälle in unangenehme Gemüthsbewegung versetzt hatten, standplötzlich die Gestalt eines Verstorbenen vor ihm. Noch denselben Tag erschienenverschiedene andre wandelnde Nestalten. In den folgenden Tagen sah er die Ne-stalt des Verstorbenen nicht mehr; hingegen kamen viele andre größteniheils unbe-kannte Personen zum Vorschein. Die bekannten waren meistens lebende, aberentfernt wohnende Personen. Diese Erscheinungen kamen ohne seinen Willen, under war durch die größte Anstrengung nicht im Stande, das Bild dieser oder jenerPerson mit Willkür hervorzubringen. Sie erschienen bei Tage und bei Nacht, infremden Häusern weniger, auf der offenen Straße selten. Zuweilen verschwandensie durch das Verschließen der Augen und waren in der nämlichen Nestalt da, wenner die Augen wieder öffnete. Sie erschienen in Lebensgröße, mir verschiedenenFärbungen der unbedeckten Theile, in Kleidern von allerlei Farben, die jedoch bläfferals an wirklichen Personen waren. Mit der Zeit kamen die Erscheinungen häufigerund öfter. Nach 4 Wochen fingen sie auch an zu reden, theils unter sich, theilsredeten sie den Kranken an. Am 20. April wurden ihm Blutegel angelegt. DasZimmer wimmelte von menschlichen Nestalten aller Art, die sich unter einanderdrängten. Dies dauerte ununterbrochen fort bis gegen Abend, da die Nestalkenansingen, sich langsamer zu bewegen. Kurz daraus begannen ihre Farben allmäsigbläffer zu werden, ohne daß die bestimmte Figur der Gestalten wäre verändert wor-den. Späterhin waren sie alle ganz weiß und bewegten sich wenig; allmälig wur-den auch die Umrisse der Gestalten unbestimmter, und sie zerflossen endlich gleichsamin der Luft. Von einigen waren eine Zeit lang noch einzelne Vtücke zu sehen, dienach und nach auch vergingen. Eine Täuschung des Gehörsinns begegnete auchMendelssohn , da er 1772 durch anhaltende Geistesanstrengungen in eine Nerven-krankheit verfiel, in welcher er das lullte Reden nicht vertragen konnte. War ihmdies am Tage doch vorgekommen, so fiel er am Abend in einen unvollkommenen ka-talepkischen Zustand, in deni eine laute und kräftige Stimme ihm die einzelneil miteinem hohen Accent ausgesprochenen oder sonst laut geredeten Worte und Selben,die er am Tage gehört hatte, so heftig wieder zurief, daß ihm davon die Ohrengellten. Bei Kranken, deren Bewußtsein gestört oder ganz unterdrückt ist, in Fie-bern oder in manchen Arten des Wahnsinns, kommen ebenfalls PkantaSmen vor,welche alsdann Delirien, Fieberphantasien heißen und wegen ihrer Lebhaftigkeitvon den Kranken für wirklich gebacken werden. (Vgl. Irresein.) t>.

Phantastisch, s. Phantasie.

Phantasus, s. Morpheus und Phantasie.

Phantom, s. Phantasmen.

Pkaon, s. Sappho .

Pharisäer nannten sich die Glieder einer Sekte oder theologischen Schuleunter den Juden, die zur Zeit der Makkabäer entstanden zu sein scheint. Sie be-trachteten »eben den Gesetzbüchern Mosis noch eine Menge für mündliche Sagenvon MoseS her ausgegebener Lehren und Satzungen mit den Glossen späterer Aus-leger (nach dem Erik) als Erkenntmßguelle der jütischen Religion, und glaubten siem,t mcht geringerer Pünktlichkeit als das mosaische Gesetz selbst beobachten zumüssen. Von den Vadducäern unterschieden sie sich durch den Eifer für diese -Vagenund durch den Glauben an die Auferstehung der Todten. Der Kleinigkeitsgeist ih-rerReligionsansicht m.> ihr Ehrgeiz machte sie zu Heuchlern, die bei einer schlaffenMoral das höchste Wesen durch äußere Werkkeiligkeit und möueinübe Büßungenzu gewinnen meinten und sich durch das Ansehen vorzüglicher Rcchtaläubigkeitund Frömmigkeit, das sie sich mit vielem Gepränge gaben, in der Gunst des Volks