Band 
Achter Band. O bis Q.
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Philmion und Bunris Philidor 475

manches Rühmliche nachzusagen. Hierher gehört der Sonnenstrahl der Erbarmnnnig und Hülfe, welchen er in die Nacht der Barbarei der Landschulen warf(vgl. d. und Rochow), die Einführung besserer Lehr- und Lesebücher in demVolksunterrichte, und vor Allem seine rastlose «orgfalt für das in hohem Gradevernachlässigte leibliche Wohl der Jugend, ferner das Verdienst, durch Wieder-erweckung der Gymnastik (welche GutsmuthS in Schnepfenihal und Viech inDessau betrieben) der fugend das zweckmäßigste Mittel der Kraftübung verschafft,die Kinderstuben, durch seine durchdringenden Srrafreden gegen tausend Miß-brauche der frühesten Erziehung, aus Marterkammern in heitere Wohnsitze der Ge-sundheit, Freude und Liebe verwandelt, die Kleidung der Kinder gelüftet und na-türlicher eingerichtet, den heimlichen Sünden der Jugend gewehrt, das weiblicheGeschlecht von der Ldchnürbrust, und die Köpfe der Kleinen und Großen von demPerücken-, Zopf- und Pudertand befreit zu haben. Ihm verdankt die jetzigeGeneration eine Körperkraft, Abhärtung, Gewandtheit und Munterkeit, die inden letzten Jahren manche» Jüngling und Mann aus der Sludir- und ArbeitS-stube in die Reihen der Helden führte; und tausend Vorurtheile, die das Lebenverfinsterten, die Geschäfte erschwerten und die Geselligkeit in steife Formeneinzwängten, sind durch ihn verschwunden. Daher wird die erkenntliche Nach-welt, wenn die übel» Folgen seiner Mißgriffe längst verschwunden sein werden,doch immer noch emgestehen, daß er es gut mit der Menschheit gemeint undihr wichtige Dienste geleistet hat. lr.

P h i l e m o n und D a u c i S, ein wegen seiner noch im hohen Alter treuenLiebe im griech. Alterthume berühmt gewordenes Ehepaar. Die Mache (Ovid'S„Meram.", V 11l) erzählt von ihnen Folgendes. Als einst Jupiter und Mercurin Menschengestalt Phrpgien durchwanderten, wollte Niemand die Fremdlinge be-herbergen ; bloß jene schon betagten Ehegatte» nahmen sie gastfreundlich auf, wu-schen ihnen die Füße, setzten ihnen ein ländliches Mahl vor und beherbergten sie.Hieraufnahmen die reisenden Götter ihre Wirthe mit auf einen benachbarten Berg,und als dieselben hinter sich blickten, sahen sie ihr Dorf überschwemmt, ihre Hütteaber in einen prächtigen Tempel verwandelt. Auch erlaubte ihnen Jupiter , jedeBitte zu thun; allein die bescheidenen und zufriedenen Ekeleute baten bloß um dieBegünstigung, als Diener seines Tempels einst zu gleicher Zeit zu sterben. Sowurden sie auch endlich in einem hohen Alter, als sie einst vor des Tempels Thüresaßen, Philemon in eine Eiche, seine Gattin Baucis in eine Linde verwandelt. Siebemerkten allmälig ihre Verwandlung und nahmen, so lange sie sich shen und spre-chen konnten, den zärtlichsten Abschied von einander. Lange standen sie nochals heilig gehaltene Bäume vor jenem Tempel.

Philidor (Andre Danican), geb. zu Dreur 1126, vor der RevolutionPcnsionnair des Königs von Frankreich und des ital. Theaters zu Paris , war einerder größten Schachspieler und zugleich als Componist berühmt. Als Eapellknabehatte er den Eapellmeister Eampra zum Lehrer, und ließ schon im l 1. I. seine ersteMotette vor dem Hofe aufführen. Seine Fortschritte in der Musik, und noch.mehr seine Gescbicklichkeit im Schachspielen, bewogen ibn, 1145 eine Reise nachHolland, England, auch durch einen Theil von Deutschland zu machen. In Berlin spielte er 1150 3 Spiele Schach zugleich gegen 3 Meister mit verbundenen Au-gen und gewann sie in kurzer Zeit. Seit seiner Zurückkunft nach Frankreich (1154)widmete er sich ganz der Musik; anfangs mit wenig Glück. Nach und nach abererhielten s. Dperncompositionen größer» Beifall, und einige derselben, z.B. „DerHufschmied", „Der Soldat als Zauberer", „Tom Io»es"ic., wurden auch aufdeutschen Theatern mit Beifall gehört. Seine Opcrncompositioven nähern sichden, Kirchenstpl, und seine fugirten Finale zeigen den tüchtigen Arbeiter. SeineArien arbeitete er in einer freien Manier, nicht nach dem gewöhnlichen ital. Leisten.