Band 
Achter Band. O bis Q.
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Philologie (Begriff der)

sentliche der Philologie mit Dem, was nur mit derselben in genauer Verbindungsieht, oder als Hülsswissenschaft jum Verständnisse der alten Literatur und derClasslker dient. Die gelehrte Kenntniß der Sprachen und Literatur des classischenAlterthums ist ein Theil der Altrrthumswissenfchaft, aber auch zugleich der Schlüs-sel und da« Organ derselben. Jene Sprachen nämlich sind selbst eine Art vonDenkmälern, die aufs sorgfältigste durchforscht werden müssen, um an ihnen dieorganisch fortgehende Bildung eines von Natur wohl ausgestatteten Volks wahr-zunehmen. Die alte Literatur aber, als da» in Schriften ausgesprochene Lebenjener Völker, macht den geistigsten und anziehendsten Theil des Alterthums au«,mithin auch die Philologie den wichtigsten Theil der Alterthumswissenschaft. Sieist aber ein Schlüssel und Organ derselben, insofern die gelehrte Kenntniß jenerSprachen, welche einen Haupttheil der Philologie ausmacht, in dieses Leben ein-führt und auch die Werke der Kunst des Alterthums zum nähern Verständnissebringt, sowie umgekehrt die Wissenschaft der Kunstdenkmäler des Alterthums unddie Kenntniß der Überreste alter Kunst (die Archäologie im eigentlichen Sinne) dasVerständniß der dass. Literatur vielfach befördert. Es findet also unter den Thei-len der Alkerthumswissenschaft eine durchgehende Wechselwirkung statt. Die Phi-lologie (als gelehrte Kenntniß der Sprache und Literatur des Alterthums) umfaßtober: 1) die Grammatik dieser Sprachen, in welcher, zufolge Wolf'« ideali»scher Schilderung, zuerst, nach einer philosophischen Erklärung der allgemeinenGrundsätze der Sprache aus den Gesetzen des Denkens, die Theorie der griech. undlat. Sprache nach dem von Zeit zu Zeit veränderten Sprachgebrauch« abgehandeltwird. 2) Hermeneutik (Auslegungskunst und -Wissenschaft), die Kunst, di«Gedanken eines Schriftstellers im Einzelnen und Ganzen mit nothwendiger Ein-sicht aufzufinden und darzulegen, wozu die Gesetze der grammatischen, rhetorischenund historischen Auslegung anleiten. Was aber nicht durch Anleitung gewonnenwerden kann und nur aus dem Genie des Auslegungskünstlers hervorgeht, ist die Ge-»vandiheit des Geistes, in die Eigenthümlichkeit der Vprache, Denkart, Redegat-tung und in die Individualität seines Autors einzudringen und nicht nur mit ihmübereinstimmend zu denken, sondern auch beurtheilend über ihn zu denken, welchesWolf das Verstehen in höherer Bedeutung nennt. Dies seht aber 3) die philo-logische Kmik und Verbesserungskunst voraus, mit welcher eine mannigfaltige ge-lehrte Kritik (welche die Wahrheit des Geschriebenen zu beurtheilen hat), und beiSchriften, die auf Schönheit des Vertrags Anspruch machen , die rhetorische oderästhetische (die den ästhetischen Werth bestimmt) zu verbinden ist. Die philolo-gische Kritik erforscht das Alter, die Echtheit und Authentie der schriftlichenWerke, und beurtheilt ihre originale Richtigkeit oder bald zufälligen, bald vorsetz-lichen Verderbnisse. Da sie sich entweder auf handschriftliche Urkunden stützt, oderaus innern Beweggründen Etwas aufklärt, so entsteht daraus eine niedere oderbeurkundende und eine höhere oder errathende Kritik. 4) Grundsätze der prosai-schen und metrischen Composilion, oder Theorie der Schreibart und derMetrik. Die Fertigkeit des Philologen, in den alten Sprachen, wenigstens inder lateinischen, zuschreiben, ist nicht bloß «ine subsidiarische, sondern zugleich «inMittel, wodurch hermeneutische und kritische Gewandtheit erlangt wird, und dasuns mit der charakteristischen Denkweise der Alten am innigsten vertraut macht.Denn nur der Schreibende bemächtigt sich der fremden Sprache ganz; auch istWolf der Meinung, daß man nicht nur von Gegenständen, welche die Alten be-handelt, sondern auch über neuere lateinisch schreiben könne. 5) Als Wissenschaftder alten Literatur gehört zur Philologie ferner die Geschichte und Literaturder Griechen und Römer, welche sich aus der Vvlkergeschichte heraushebenmuß. Diese betrifft sowol die wissenschaftliche und poetische Ausbildung überhaupt,als insbesondere die Schriftsteller und ihre Werke, und zwar .die vorhandene Litera-