510 Phorometrie Phosphoreöcenz
Phorometrie, ein Zweig der Mechanik (s. d.), lehrt das Maß derBewegung bestimmen.
Phosphor (Lichtträger) nennt man Körper, welche im Dunkeln ein sanfttes, weißes oder farbiges Licht entwickeln, ohne dadurch eine Temperaturerhö-hung zu erregen oder in Flamme auszubrechen. Nur der durch Leuchten Phos-phoi säure oder eine Verbindung von Phosphor u. etwas mehr Sauerstoff bil-dende Phosphor, der sich schon bei mittler Temperatur entflammt, macht hiervoneine Ausnahme. Die hierher gehörigen Körper lassen sich unter folgende Classenbringen: 1) Körper, welche in Folge einer Oxydation Phosphore wurden. DieseGattung macht eigentlich nur der Phosphor aus, welcher sich als Phosphorsäureim ganzen Thier - und Pflanzenreiche und in einigen Mineralien findet, seit 16KSdurch Brandt bekannr ist, bei niedriger Temperatur leuchtet und sich dabei in phos-phorische Säure verwandelt. Da sich derselbe aber durch Reibung, und selbst inmittlerer Temperatur entflammt, so könnten hierher mit gleichem Rechte alle Ver-brennimgsacte, besonders die dem Stahle entlockten Funken, der Pyrophor, dieSelbstentzündungen, die Oxydation des Schwefels, das siedende Ö> und einigeDämpfe u. s. w. gerechnet werden. Wahrscheinlich gehört hierher das Leuchtenfaulender organischer Körper, z. B. der Meersische, der Austern, des Kalbflei-sches, wobei sich Pyrophor und Schwefel entwickeln, welche verbrennen. Aufdiese Weise entstehen wahrscheinlich die Irrwische. Vielleicht gehört auch das fau-lende Holz zum Theil hierher. 2) Körper, welche sowol das Sonnenlicht als auchdas terrestrische Feuer Ansaugen und es im Dunkeln sichtbar wieder ausströmen.Hierher gehören verschiedene Eid- und Steinarten und einige organische Körper, alsdas frische Tannenholz, auch einige thierische Stoffe. 3) Körper, welche in Folgeeiner elektrischen Einladung oder aus nicht hinlänglich bekannten Ursachen Licht ent-wickeln. Hierher gehören die phosphorescirenden Insekten, das Johanniswürm-chen, der Feuerwurm, der Laterncnträger u. s. w.; ferner die Augen der zumKaßengeschlechte gehörigen Thiere, das Fell derselben, wenn es gestrichen wird,u. s. w. Vielleicht gehört auch die PhosphoreScenz einiger Blumen hierher.
Phosphoreöcenz, die Eigenschaft mehrer Körper der drei Natur-reiche, »n Dunkeln einen Lichtschein von sich zu geben. Schon Plinius bemerkte,
' daß gewisse Muschelarren, die sich in kalkartige Felsen einbohren, in der Nachtleuchten, und gegen Anfang des 17. Jahrh, wurde das Leuchten faulender thieri-scher Körper, vorzüglich von Boyle, beobachtet. Die Entdeckung eines Schuh-machers in Bologna , der 1630 fand, daß ein gewisser Stein im Dunkeln einenGlanz ausstrahlte, nachdem er vorher im Lichte gelegen hatte oder verkalkt wordenwar, gab zu mehren interessanten Beobachtungen Anlaß. Marsigli, Beccariund andre italienische Naturforscher gingen in genauere Untersuchungen ein, undes fand sich, daß der Stein sowol im Sonnenlichte als bei Kerzenschein Licht An-sog, nicht aber im Mondschein. Diese Entdeckungen führten auf die Meinungvon der Körperlichkeit des Lichtes, und diese wurde der Grund von Newton'sLehre. Der sogen, bononische Stein war lange der einzige Körper, bei welchemunter gewissen Umständen das Leuchten im Dunkeln bemerkt wurde. bis 1675Dalduin in Großenhain entdeckte, daß der Rückstand der in Lcheidewaffer aufge-lösten Kreide Licht Ansaugt und im Dunkeln leuchtet. Homberg und Du Faybeobachteten in der ersten Hälfte des 18. Jahrh, jene Eigenschaft an mehren calci-uirten Körpern, z. B. Austerschalen, GypS, und Marggraf vollendete die Unter-suchung der erdigen, durch Calcination bereiteten Lichtsauger, wobei sich ergab,daß sich eine phosphorescirende Substanz äus allen Körpern bereiten läßt, dieDitriolsäure und alkalische Erden enthalten. Ein vollständiges Verzeichnis vonKörpern, die durch Hitze oder Reiben phosphorescirend werden, gab Wedgwood(s, Gren's „Journal", Vlt, 45 fg.), welcher deren gegen 80 zahlt. Am stärk-