Phryxus Physik 51»
Begebenheit war entscheidend für ihren Ruhm; sie verhüllte ihre Schönheit undverlieh ihre Gunstbezeigungen fortan nur um einen hohen Preis, und wenn sie einstzu Eleusis vor den Augen des ganzen Volks entkleidet in das Meer stieg, so geschahdies vielleicht nur, um den Eindruck ihrer Reize zu erneuern. (Dgl. Anadyo»mene.) Phryne, nach Andern jedoch die gleichberühmte Laiü, hatte gewettet, denwegen scin-r Enthaltsamkeit und Strenge berühmten Philosophen LenokrateS zabesiegen; aber alle ihre Bemühungen blieben fruchtlos, und sie kehrte mit der Äu-ßerung von ibm zurück, sie komme nicht von einem Manne, sondern von einerBildsäule. Selbst im Alter fehlte es ihr nicht an Anbetern, da man eine Ehredarein setzte, sich ihrer Gunst rühmen zu können.
Phryxus, s. Argonauten, Athamas und Helle.
Phth io tis, s. Thessalien.
P h t h i si s, f. Schwindsucht.
Physik, Naturlehre (l'l>v,ina oder ?I>vii<-u). Unter der Natur-wissenschaft (vgl. d.) im umfassendsten Sinne des Wortes versteht man denInbegriff unserer gesammten Kenntnisse von der Natur derKörperwelt. sonderrdie-selbe aber, nach Maßgabe des bloß historischen oder philosophischen und mathema-tischen Gesichtspunktes, gewöhnlich in die Naturgeschichte (vgl. d.) und in dieNaturlehre oder Physik. Jene bleibt bei Demjenigen stehen, was wir inder Erfahrung wahrnehmkn, und bei den allgemeinen Sätzen, welche eine daraufbegründete Induction verbürgt, während die Naturlchre sich zu dem innern Zusam-menhange dieser Sahe erhebt. Einen innern Zusammenhang erkennen wir nurdurch Schlüsse; eine Erkenntniß aus Schlüssen aber ist rational; die Naturleh resteht daber als eine rationale Wissenschaft der Naturgeschichte als einer bloß em-pirischen gegenüber/) Die mathematischen Lehren hierbei auszuschließen, ist darumunmöglich, weil die Betrachtung der Größe, welche den eigentlichen Gegenstandder Mathematik ausmacht, zu genau mit dem Wesen der Dinge verbunden ist, alsdaß sich ohne sie die Qualitäten allerseits deutlich abhandeln ließen. Man könntealso auch sagen: die Naiurlehre sei die Wissenschaft der Erklärung der Naturbege-benheiten durch philosophische und mathematische Entwickelung ihrer Ursachen.Inwiefern zugleich das Experiment zu Hülfe genommen wird, sondert man davonnoch die Experimentalphysik ab und begreift hiernächst den solchergestalt aufSchlüsse, Vergleichungen, Muthmaßungen und Rechnung eingeschränkten Theilder Naiurlekre, im Gegensatze, unter dem Namen der dogmatischen oder theo-retischen Physik. In solcher Gestalt heißt sie auch Naturphilosophie, und hul-digt, bei einer vorzugSwcisen Erhebung auf den philosophischen Standpunkt, na-mentlich 2 Systemen: dem dynamischen und dem akomistischen. Die dynami-sche, vorzüglich durch Kant ausgebildete und nachher durch Schelling noch mehrcentralisirte Ansicht führt die Materie und mit ihr die Naturbegebenheiten auf dieWechselwirkung zweier entgegengesetzter Kräfte, der Expansiv- und Attractivkraft,zurück. Der Körper ist ihr eine nach Außen wirkende Kraft. Allein zur beharrlichenErfüllung des Raumes durch die Materie, welche sich sonst mittelst jener expan-siven Tendenz in das Unendliche ausbreiten würde, bedarf es eben der, dieser Ex-pansion entgegenwirkenden Attraetivkraft, und das Gleichgewicht der genanntenbeiden Kräfte, in verschiedenen Proportionen und dazu ersoterbchen verschiedenenBeziehungen, bestimmt im dynamischen System das Sein und die Art der Körper.Der Atomist hingegen läßt die Körper aus kleinsten Theilchen (Atomen) von unab-
*1 Man sieht schon aus dieser Definition, daß es nicht leicht ist, die Grenzen zwi-schen beide» naturwissenschaftlichen Disciplinen haarscharf zu ziehen: beide vermischensich vielmehr sehr häufig und bedürfen der gegenseitige» Hülfe. (Vgl.Naturgeschich-t e.) Dasselbe gilt hinsichtlich der Plnssik selbst, von der(dben.ie und der angewandten Mathe-matik. Indeß ist doch durch die Cvnvenienz eine Art von formalem Unterschiede feg^eietzr.Conversations-Lericon. Vd. VtU. 33