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Achter Band. O bis Q.
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PhystokratischeS System

noy, Leibarzt Ludwigs XV., auf die Bahn gebracht. Dieser hatte auf den Reisen,welche er mit dem Kön'g im Lande machte, Gelegenheit, von dem großen Verfallesich zu überzeugen, worin sich in Frankreich damals der Landbau befand, und ent«deckte einen Hauptgrund dieses Verfalls in der Befolgung der unter Colbert's Mi-nisterium eingeführten Grundsätze des Mercantilsystems (s. d>), welche»den städtischen Gewerbfleiß vorzugsweise begünstigte auf Kosten des ländlichen.Kaum hatte Quesnoy s. neuen Ansichten öffentlich dargelegt („Tableau eeonomi-gue avce son explieation", 1st58 , erläuk. u. d. T.: „ba pliFsIooratie, ou oc>n-«litulion naturelle -In ^nnrernenisnt >e plus avanta^sux au p^enre bumain",Paris 17K7, Verb. Pverdun 1st68, 8 Bde.), so wetteiferten scharfsinnige Schrift-steller, die vom Erfinder bloß hingeworfenen Ideen zu entwickeln und ausführlicherdarzustellen. Es bildete sich eine eigne Schule von staatswirthschaftlichen Philo-sophen u. d. N. der Physiokraten oder Ökonomisten. Unter den Fran-zosen waren es vorzüglich du Pont, Baudeau , le Trosne, de la Rioiäre und derältere Mirabeau , unter den Deutschen Iselin, Schlertwein, Springer, Mauvillon,Schmalz und Krug, welche zur Verbreitung dieses Systems beitrugen. In derletzten Zeit der Regierung Ludwigs XV. war dasselbe in Frankreich ganz ohne Ein-fluß; erst unter Ludwig X Vl. kamen verschiedene seiner Anhänger, u. a. der Mi-nister Turgot , in die Verwaltung. Nachher sank dasAnsehen dieser Schule wie-der, bis sie zur Zeit der Revolution mehre Jahre hindurch ein entschiedenes Über-gewicht in der Nationalversammlung behauptete. In Deutschland ist das physio-kratische System praktisch einzuführen zuerst versucht worden vom letztverst. Groß,Herzoge von Baden, welcher selbst manche Schriften darüber herausgegeben; abersein Versuch mußte schon deßhalb mißlingen, weil er bloß mit einigen Dörfern an,gestellt wurde. Auch die Bruder Joseph ll., römischer Kaiser, und Leopold, Groß,herzog von Toscana, waren dem Systeme im Ganzen ergeben; nur die von dem-selben empfohlene Freiheit des Verkehrs mit dem Auslande hat Joseph ganz undLeopold theilweise beschrankt. Die Hauptgrundsätze dieses Systems sind folgende:1)Die Erde ist die einzige Quelle alles Nationaleinkommens und Wohlstandes;nur die Arbeit Derer, welche die im Pflanzen - und Thierreiche schöpferisch wirken,den Naturkräfte benutzen und verstärken, wie Landeigenrhümer, Fischer, Hirten,Bergleute, bringt wahre Güter hervor; alle übrige Arbeiter, Handwerker, Fabri»kanten, Kaufleute bringen nichts hervor, was den Reichthum vermehren könnte.Sie verändern nur die Form der von Erstem hervorgebrachten Güter, werde» aufKosten der Grundbesitzer und Landwirthe beschäftigt, sind deren Dienstleute, undihr Lohn wird jedesmal von dem Überschüsse der rohen Produkte bezahlt, den derGrundeigenthümer über Das, was er für seine Consumtion braucht, behält. Undwas nun Handwerker und Künstler von ihrem ersparten Lohne kaufen, was derCapitalist an Zinsen, der Fabrikunternehmer u. A. gewinnen, läßt sich immer aufdie alleinige Quelle zurückführen. Die Arbeit des Kaufmanns fördert bloß denUmtausch der Waaren. Noch weniger kann die Arbeit der Beamten und Staats,diener und Ähnlicher die Bestandtheile des Reichthums vermehren. 2) Alle Staats»bürger sind daher in produktive, welche den Boten bauen und benutzen undden Reichthum vermehren, indem sie einen Überschuß über Das liefern, was sieselbst von ihren Produkten consumiren, und unproduktive oder sterile Staats-bürger getheilt, wie Gelehrte, Künstler, Handwerker. Kaufleute rc., weil sie sämmt-lich mit Erzeugnissen der Erde ernährt werden müssen, ohne bei deren Hervorbrin-gung unmittelbar mitgewirkt zu haben. Was sie sich von dem aus der Masse derrohen Naturerzeugnisse erhaltenen Lohn ersparen und in allerlei Formen aufbewah-ren, trägt freilich zur Vergrößerung des Nationalreichthums bei, und sie werdendadurch eine sehr nützliche Classe in der Gesellschaft, die wenigstens mittelbar denWohlstand vermehrt; auch würde der Landbauer ohne sie sich nicht ausschließlich