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Achter Band. O bis Q.
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Physiologie (Geschichte)

anläge nicht auszugleichen vermögen. (Vgl. Abgaben, Grundsteuer.) Trotzdieser wesentlichen Mangel des physiokratischen Systems, welches der ältere Mi-rabeau nicht mit Unrecht einen prächtigen Palast ohne Treppe genannt hat, läßt sichnicht läugnen, daß die Verbreitung desselben der Wissenschaft der Nationalökono-mie wahrhaft förderlich gewesen, indem dadurch die Fehler des Mercantilsystemsin ihr volles Licht gestellt, und die heilsamen Wirkungen deutlich gezeigt wor-den, welche überall aus der Freiheit der Gewerbe für den Nationalwohlstand her-vorgehen. K. >1.

P h y si o l o g ie, d. i. die Lehre von der Natur; wir verstehen darunter ins-besondere die Lehre von der körperlichen Natur des Menschen, obgleich die Schul-definitionen dieses Worts nach dem jedesmaligen Standpunkte der Philosophie undder medicinilchen Wissenschaften verschieden waren. So erklärten z. B. Ferneliusund Platner sie für die Lehre von der Natur, oder dem Inbegriff gewisser Kräfteund Ursachen, durch welche das Leben und seine Äußerungen in dem Menschen be-wirkt werden; Haller für die belebte Anatomie; Meckel für die Lehre von denVerrichlungen des Menschen und seiner Theile im gesunden Zustande; die natur-philosophischen Ärzte für die Wissenschaft von dem Offenbarwerden des Lebens andem menschlichen Organismus; und da der vollkommenste Zustand des Lebens imOrganismus zugleich den Begriff der Gesundheit in sich schließt, so ist auch in die-ser Erklärung der Zu land der Gesundheit eingeschlossen. Die Physiologie ist derGrund aller wissenschaftlichen Medicin, ihre Geschichte ist folglich Eins mit derGeschichte der Medicin. Die Kenntnisse der ersten Zeit in der Physiologie warennur mangelhafte Bruchstücke, einzelne Materialien und Hypothesen. HippokrateSselbst halte nur unvollkommene Kenntnisse von der Organisation des menschlichenKörpers und einseitige Begriffe von dem Ursprünge des Lebens. Plato macht schondeßwegen Epoche, weil er umfassende Ideen von den Verhülln ssen des Universums,von dem 'Ausdrucke der gesammten Natur in dem Körper und Leben des Menschen,von dem Ursprünge des Lebens aus der Gottheit, als dem ewigen Leben selbst, indie Physiologie verwebte. Galen, mit mehren Kenntnissen in der Anatomie ver-sehen, sehte ein für die damalige Zeit schon weitläufiges Gebäude der Physiologiezusammen. Von ihm rührt die Eintheilung der Funcnonen in Lebens-, thierischeund natürliche Verrichtungen her, die sich bis auf unsere Zeit in Ansehen erhaltenhat. Nach den Zeiten des Mikkelalters bereitete die bessere Bearbeitung der A n a-tomie (s. d.) ein geläutertes Studium der Physiologie vor, doch blieb auch dieselange nur eine feinere Anatomie. Die Berichtigung der Theorie des BlutumlaufSvon Harvey verbreitete zwar vieles Licht in den Verrichtungen des menschlichen,Organismus; allein sie hatte auch zur Folge, daß die nachfolgenden Physiologenalle Thätigkeiten in demselben und das Leben selbst nach Grundsätzen der Mechanikund Hydraulik aus dem Unilaufe des Blutes erklären und. berechnen wollten. NurStahl lenkte die Aufmerksamkeit wieder auf eine geistige Ursache des Lebens un'oseiner Äußerungen, indem er die Seele als das Princip derselben annahm; Hall«r,aber gründete eine ganz neue Epoche in der.Physiologie, indem er die Theorie vonder Reizbarkeit der thierischen Faser aufstellte, welche von Physiologen nach ihmunter verschiedenen Modificationen zur Lehre von der Lebenskraft umgearbeitetwurde, und in welcher endlich selbst Brown's Lehre ihre Wurzel hatte, indem die-ser das Leben und seine Erscheinungen aus der Reizbarkeit des gesammten Orga».nismus (die er Erregbarkeit nannte) und den erregenden Einwirkungen der Außen-welt herleitete. Unterdeß hatten allmälig die Fortschritte der neuern Chemie unddie Philosophie Kant ü eine andre Gestaltung der Physiologie verbreitet; die er-ster», indem sie die einfachen Stoffe des Organismus durch kunüvolle Versuchedarstellen und näher kennen lehrten, und folglich auch mehr Licht über den Einflußder von Außen in ihn aufgenommenen und auf ihn wirkenden Stoffe der Nah-