534
P'd
P. mit StanislausPotocki 1794 nach Karlsbad . Hier wurden beide als politischverdächtig verhaftet und nach Theresienstadt geführt. Bald darauf kam Graf Sta-nislaus in Freiheit, P. aber mußte in Prag unter Aufsicht leben. Erst 1800 er-hielt er auf die Bürgschaft der verwitweten Herzogin von Kurland und gegen dasVersprechen, nie etwas über Polen zuschreiben, die Erlaubniß, Böhmen z„ ver-lassen. Er lebte seitdem meistens zu Löbichau und Berlin in dem Hause der Her-zogin und war mit der Unterweisung der jüngsten Prinzessin Dorothea, jetzt verm.Herzoain von Dino, beauftragt. 1805 reiste er mit dem Geh.-Rathe Göckingk ,dem Vormunde der Prinzessinnen von Kurland, nach Petersburg , um deren Erb-schaftsangelegenheiten in Ordnung zu bringen. Dort erhielten Beide den Auftrag,für die Gesetzgebungscommission thätig zu sein, und P. den Titel eines kafterlichenStaatsraths. Auch die Herzogin kam in den Angelegenheiten ihrer Töchter nachPetersburg . P. begleitete sie zurück und vermählte sich in Kurlaud 1808 mit ihrerHofdame, einem Fräulein von Vittinghoff. Er lebte hierauf in Altenburg , wo er1809 gestorben ist. Seine Witwe, die seine einzige Erbin war, verkaufte seine anclassischen Werken reiche Bibliothek gegen eine Leibrente an die Herzogin von Kur-land , welche sie Mit der Bibliothek im Schlosse zu Löbichau vereinigte. Eine be-trächtliche Chartensammlung kaufte der Fürst Adam Czartoriski, der Wohn. P.'sHandschriften sind verloren. Unter diesen fanden sich Vorarbeiten zu einer Ausgabedes Iuvenal, welche den auch humanistisch gründlich gebildeten Mann in den letztenZähren seines Lebens beschäftigte. 20.
P > azzi (Giuseppe), Generaldirector der Sternwarten zu Neapel und Pa-lermo, Miigl. der Akademien von Neapel, Turin, Göttingen, Berlin , Petersburg,coi'i'.'si', Mitgl. des franz. Instituts der königl. Gesellsch. der Wissensch. zu London und der Mailänder Akad., geb. zu Ponte (Veltlin) am 16. Juli 1746. Er trat1764 zu Mailand in den Orden der Theatiner, studirte zu Mailand, Turin undRoni, und zählte unter s. Lehrer Tiraboschi, Leseur und Beccaria. In Genua hörte er Philosophie und wurde 1770 als Pros. der Mathematik an die neuerrich-kete Universität zu Malta berufen. Als der Großmeister des Malteserordens,Timenez, diese Universität aufhob, ging P. nach Rom und von da nach Ravenna ,ward Direckor des AdelScollegiums, daraus Prediger in Eremona und endlich Pro-fessor der Dogmatik an der Anstalt St.-Andrea della Valla zu Rom , wo er an demPater Ehiaramonti (nachher Papst Pius VU.) einen Collegen hatte, der ihm spä-ter immer gewogen blieb. 1780 nahm P. die Professur der Hähern Mathematikzu Palermo an, woselbst er mehre Verbesserungen einführte, und u. A. Wolf mitCondiilac und Locke vertauschte. Er gewann den Dicekänig, Fürsten Caramanico,für die Anlegung einer Sternwarte, und unternahm eine Reise nach England undFrankreich Behufs des Ankaufs von Instrumenten. 1788 war er bei Herschel inGreenwich . Die palermitanische Sternwarte wurde 1789 erbaut und von P. inseiner Schrift: „Osglr, zueiln !>>,tie>non>i<:a <Ic' rc>»istnüj ll! ?.<Iaiinv 1792—94" beschrieben. Die ersten Resultate feiner Beobachtungen machte er 1792 be-kannt. Bald daraufunternahm er sein Sternveizeich,liß, und widmete den ersten6781 Sterne enthaltenden Katalog dem Institute zu Paris . Am 1. Jan. 1801entdeckte P. den Planeten Ceres (welche Entdeckung den Giulio Perticari zu einem,„Der Piazzi Planet" betitelten Gedicht veranlaßte). Der König von Neapel wolltedem Entdecker zu Ehren eine goldene Medaille prägen lassen, aber der bescheideneMann wünschte das Geld zu Instrumenten für die Sternwarte verwendet zu sehen.1814 vollendete er sein zweites 7646 Sterne enthaltendes Stcrnverzeichniß.Außerdem beschäftigte er sich noch mit Verbesserung des Maß- u. Gewichtssystemsvon Sicilien. Die Beobachtung der Kometen betrachtete er sters als etwas Nutz-loses. 1817 berief ihn derKönig nach Neapel , um den Plan des neuen daselbstzuerrichtenden Observatoriums zu prüfen. In den letzten Jahren überließP. die un-