588 Piccolomini (ÄneaS SylviuS Bartholom. — Ortavio)
einem rein-n Gesang »nd ausdrucksvollen Melodien, welche über die Harmonieherrschten. Hierdurch gab er der ital. Musik in Frankreich ein großes Übergewicht.Sein Sohn Louis hat ebenfalls eine bedeutende Zahl Opern für das Thea-ter Feydeau in Paus und die Opera buffa componirt, die mit Beifall gehörtworden sind.
PI c c o l o m i n i. Dies Geschlecht, welches aus Rom stammt, aber nach-her in Wiena sich niederließ, gehört unter die ältesten und berühmtesten GeschlechterItaliens . Die vorzüglichsten Glieder desselben waren: 1) Äneas SylviuSBartholomäuS P., der u. d. N. PiuS II. 1458 den päpstl. Stuhl bestieg. Erwar einer der gelehrteste» Päpste (er schrieb das Leben Kaiser Friedrichs I II. undeine Geschichte Böhmens , und war ein glücklicher lat. Dichter) und für s. Zeitalterein sehr wichtiger Mann, der als Secretair auf dem baseler Concilium die Rechteder Kirchenversammlungen gegen die Päpste vertheidigte, als Papst aber alle seinevorher zur Schmälerung des päpstl. Ansehens gethane Äußerungen widerrief. Seinwichtigster Plan, eine allgemeine Verbindung der europäischen Fürsten gegen dieTürken zu Stande zu bringen, den er so sehr verfolgte, daß er sogar einige von ihmzusammengebrachte Truppen in eigner Person anführen wollte, wurde durch seinenTod (1464) vereitelt. 2) Octav io P. erwarb sich durch s. Verdienste die Wurdeeines deutschen Reichsfürsten. Er war 1599 geb. und trat sehr jung in Kriegs-dienste. Nachdem er in Mailand unter den spanischen Truppen gedient hatte, kamer mit einem Regimente, das der Großherzog von Florenz dem Kaiser Ferdinand I I. gegen die Böhmen zu Hülfe sendete, als Rittmeister nach Deutschland . In derSchlacht bei Lützen soll er das Reiterregiment, auf welches Gustav Adolf im Ge-tümmel der Schlacht stieß und durch das er fiel, befehligt haben. 1634 Waid ervon Wailenstein, der sich gegen seinen eignen Kaiser wendete, zum Oberbefehlshaberim Lande ob der Ens ernannt, mit dem Auftrage, die salzburgischen Pässe zu be-setzen, um allen etwa aus Italien herbeieilenden Hülfsvölkern den Weg zu ver-sperren, und der Vollmacht, jeden dem Herzoge nicht ergebenen Obersten abzusetzen.Aber P. und mehre Generale, die Wallenstein'S Vertrauen besaßen, gaben von s.Plänen dem Kaiser Nachricht, ja P. ging heimlich selbst nach Wien , und erhieltnebst Gallas, Altringer, Maradas, den Befehl, den Herzog von Frietland todt oderlebendig zu fangen. Dies geschah durch verräthcrische List. Dafür bekam er nachWallenstein'S Tode auch von dessen Gütern einen Theil. Nach der Wchlacht beiNördlingen (7. Sept. 1634), in welcher die Schweden auf einige Zeit sehr ge-schwächt worden waren, drang er mit Isolani durch Würtemberg bis über denMain . 1635 ward er mit einem CorpS dem Könige von Lrpanien gegen die Fran-zosen zu Hülfe geschickt und befreite die Niederlande von den Franzosen. Daraufkämpfte er gegen die Holländer weniger glücklich. Seine fernern glücklichen Unter-nehmungen gegen die Schweden , besonders die Eroberung von Höpter 1640, dieGefangennekmung des schweb. Obersten Schlang bei Neuburg in der Oberpfalz ,1641, nach einem 4kägigen Kampfe, der Entsatz der Stadt Freiberg in Sachsen ,welche die Schweden einige Monate belagert hatten (1643), bewogen den Königvon Spanien, Philipp IV. , sich ihn von dem Kaiser zum Feldherrn zu erbitten.Er war auch als spanischer General gegen die Franzosen und Holländer in den Nie-derlanden glücklich und erhielt den Orden des goldenen Vließes. Als aber 1648die Schweden siegreich vordrangen, wurde P. zurückberufen und zum Mai schallernannt. Der noch in dems. Jahre abgeschlossene westfälische Friede setzte jedochs. KriegSthaten ein Ziel. Dagegen ward er 1649 als kaiserl. Principalbevollmäch-tigter auf den Convent nach Nürnberg gesendet, welcher die Vollstreckung des Frie-dens zum Zwecke hatte, und darauf zur Belohnung s. Thaten, ungeachtet mehrerHindernisse, in den Reichsfürstenstand erhoben, sowie ihm schon vorher der Konigvon Spanien das von s. Vorfahren besessene Herzogthum Anialsi wieder ertheilt