539
hatte. P. starb 1656 zu Wien . Seinen Feldherrnruhm verdunkelt s. grausamerBefehl gegen die 1640 gefangenen Hessen und Lüneburger. Da er kinderlos war,so folgten ihm die Nachkommen s. Bruders ÄneaS in f. Gütern und nahmen aufder Herrschaft Nachod in Böhmen ihren S itz.
P i ch e g r u (Charles), General der stanz. Republik , geb. 1761 zuArboisin der Franche-Comtö von unbemittelten Ältern und daselbst in einem Kloster derMinimen erzogen (jedoch ohne in ihren Orden zu treten, wie fälschlich behauptetworden ist), kam in das Collegium zu Brienne, wo er sich in den mathem. Wissen-schaften so auszeichnete, daß ihm als Schüler die Repekitionsstunden in s. Classeübertragen wurden. Napoleon B. war damals zu Brienne gewissermaßen seinSchüler. Noch sehr jung, trat P. freiwillig in das erste Artillerieregiment ein, woer zum Sergeant ernannt wurde und mit Charles Villers in Bekanntschaft kam,welcher damals als Lieutenant in dems. Corps diente und auf P.'S weitere Ausbil-dung großen Einfluß hatte. In den letzten Jahren des amerikanischen Kriegswurde P. auch dahin mit eingeschifft, und fand dadurch Gelegenheit, sich mit demSeedienst bekanntzumachcn. Zu sein Vaterland und zu s. Regimente zurückge-kehrt, ward er Sergeankmajor, hierauf Compegnieadjutank, und stand eben imBegriff, trotz s. bürgerlichen Geburt, den Grad eines Offiziers zu erhalten, als dieRevolution auSbrach, deren Grundsätze er, wie alle helle Köpfe seiner Zeit, mitFreuden erfaßte. Sein Aufenthalt war damals in Besarwon, wo sich, wie fastin allen andern Städten des Reichs, ein Clubb gebildet harte, an dessen Spitze ermit stand. Die Ankunft eines Bataillons Nationalgarden aus Gard verschaffteihm einen größern Wirkungskreis. Es fehlte nämlich dem weder an Subordina-tion noch Disciplin gewöhnten Haufen an einem tüchtigen Führer, und die besan-nonner Clubbisten schlugen P. vor. Seine erste Sorge war, den zügellosen Hau-fen zur Ordnung zu bringen. Mit Kraft und Geschick vollendete er diese herkuli-sche Arbeit und führte sein neugeschaffenes Bataillon zur Rheinarmee, wo er sichbald so auszeichnete, daß er in den Generalstab kam (1792), Obrist , Brigade-general und 1793 Divisionsgeneral wurde. Unterdeß war in Frankreich dieSchreckenszeit auSgebrochen; Custine , Houchard, Biron u. A. hatten unter demBeil der Guillotine geendet. Damals gehöne, wegen des Mißtrauens der Macht-haber in Paris , fast mehr Muth dazu, den Oberbefehl einer Armee anzunehmen,als eine feindliche Batterie zu stürmen; dennoch übernahm P. die Leitung der, nachdem Verlust der weißenburger Linien beinah aufgelösten Armee, stellte die Mannü-zucht her und führte die entmuthigten Truppen zu einer Reihe der glänzendstenSiege. Um den zahlreichen und besser disciplinirten Feinden, die besonders durcheine treffliche Cavalerie unterstützt wurden, mit Erfolg widerstehen zu können,fühl te er das System der Tirailleurangriffe ein, und indem er zugleich sich aufsglücklichste bei seinen Attaquen der reitenden Artillerie bediente, gelang es ihm,die Taktik seiner Gegner zu lahmen. Hoche commandirte zu jener Zeit den rechtenFlügel der Armee im Elsaß . Mit diesem General zusammen, der das Ober-kommando erhielt, aber nur P.'s durchdachtem Plane folgte, obgleich er sich späterdie Ehre des Sieges allein zuschreiben wollte, stürmte P. am 23. Dec. 1793 dieLinien von Hagenau, entsetzte Landau und nahm Lauterburg. Diese Erfolge er-warben ihm in Paris die ausgezeichnetsten Lobsprüche; selbst Robespierre undCollot-d'Herbois bezeigten ihm ihre Zufriedenheit. Nachdem Hoche 1794 ent-lassen worden war, übertrug man ihm den Oberbefehl über die Nord-, Sambre-und Maasarmee, die gleichfalls durch Unfälle ihrer Auflösung nahe gebracht war.Auch hier stellte P. bald Ordnung und Zucht wieder hei . Nachdem der von demWohlfahrtsausschuß unbedachtsam befohlene Angriff auf das feindliche Centrumunter dem Prinzen von Koburg unglücklich ausgefallen war, ließ P. auf eigneGefahr eine Abtheilung s. Heeres nach Westfiandern vorrücken. Hierdurch den