Band 
Achter Band. O bis Q.
Seite
542
JPEG-Download
 

542

Pichler (Ioh. Peter) Pichler (Karolinc v.)

schreiben, er habe den Unglücklichen heimlicb im Gefängnisse foltern und dann er:morden lassen; dies würde aber eine um so unzweckmäßigere Grausamkeit gewesensein, da schon das gewöhnliche Gerichtsverfahren hinreichte, um P. zum Tode zuverurtheilen, indem laut seinem eignen Geständnisse das Factum feststand, daß essein und seiner Mitschuldigen Absicht gewesen war, das damalige Oberhaupt desStaates gewaltsam bei »Leite zu schaffen. Wahrscheinlicher ist, daß P. in derVerzweiflung, seine ebenso unbedachten als jedenfalls unmoralischen Absichtenscheitern zu sehe», sich selbst mittelst des um s. Hals gefundenen seidenen Tuchesden Tod gab. Der Einwarf, als könnte ein Mann von seinem Muih nicht dieFeigheit haben, sich durch Selbstmord s. Schicksale zu entziehen, ist in jeder Be-ziehung unhalibar; auch würde man gewiß jetzt, wo die neue Regierung sich be-müht hat, das Andenken P.'S, als eines ihrer Anhänger in den Zeiten der Ver-bannung, durch ein Denkmal in s. Vaterstadt zu ehren, nicht verfehlt haben, dieSache actenmäßig festzustellen, wenn dies nur einigermaßen möglich gewesen wäre.Übrigens ward P.'S Leiche den Tag nach s. Tode öffentlich ausgestellt, und Nie-mand hat an derselben die Spuren der angeblich dem Verstorbenen widerfahrenenTortur bemerkt. P.'s Privaichorakter verdient das größte Lob. Uneigennützig ineinem hohen Grade, lehnte er stets die Geschenke ab, welebe ihm ofimals gebotenwurden, und seine Menschlichkeit gegen Gefangene bewies sich bei mehr als einerGelegenheit. Als er nach Cayenne deportier wurde, war er so arm, daß s. Freundes. wenigen Effecten und u. a. auch s. Uniform und s. Degen verkaufen mußten, umihm nur einiges Reisegeld zu verschaffen. Verheirathet war P. nie; dennoch mel-dete sich »ach der Restauration eine Abenteuererin, die linier dem Vorgeben, einenatürliche Tochter von ihm zu sein, sich eine Pension von der Regierung zu erschlei-chen wußte; durch einen Bruder von,P. ward aber der Betrug entdeckt. NachP.'S Tode, und nachdem von mehren Ärzten gerichtliche Gutachten abgegeben wor-den waren, daß er sich erdrosselt habe, erschien von Montgastlard ein „>I,„uü,sconoeiii.int lu li-chssou üe l'iuliepi ,1 cltiii!, !<:,-> „Uiieeii 3, 4 kt 5" (1195, 1196und 1191), das über des Generals damaliges Benehmen, in Betreff s. Unter-handlungen mit der vertriebenen KönigSsamstie, vielfache Aufschlüsse gibt.

Pichler (Johann Peter), Kupferstecher, geb. zu Botzen 1165, wurde einguter Zeichner durch den Unterricht des MalersHos. Ant. Eussek zu Botzen (st. 1193),stiidirte dann in der Akademie der bildenden Künste zu Wien , widmete sich spä-ter, unter des Pros. der Schabekunst, Jakobe, und desDirectorSchmutzer Lei-tung, dem Kupferstechen und bald ausschließend der Schabekunst. Seine Blätterwurden den besten englischen an die Leite gesetzt. Seil 1191 verfertigte er inDessau mehre Platten für die chalkographistbe Gesellschaft, nach Gemälden derGalerien zu Braunschweig, Dresden und Kassel . Nach Zakebe'S, seines Schwie-gervaters, Tode, versah er dessen Professorstelle, starb aber schon 1806 an denFolgen s. unordentlichen Leben? und s. Hanges zum Tränke. Von s. Blätternwerden 61 als vorzüglich geschätzt: die nach Guido Rem, Pomp. Banoni, Eara-vaggio, Eignani, Albano, Correggio, Tizian , Dommichino, van Hupsum, Van-dpk, Rembrand, Mengs, Füger, Hetsch u. A.

Pichler (Karoline von), geb. zu Wien d. 1. Sept. 1169, T. des Hos-raths Franz v. Greiner, ihre Mutter, Karoline v. Hieronymus, war ei» Lieblingund viele Jahre lang Vorleserin der großen Theresia. Seit beinahe einem halbenZahrhundert gehörte das Gremer'sche Haus unter die ausgezeichnetsten Wuns, inwelchem die meisten interessanten Fremden und die vorzüglichsten Lileratoren undKünstler Wiens einen Mittelpunkt fanden. Aus ihrer 1196 mir dem Reaurungs-rathe P. geschlossene» Ehe batte die Dichterin eine einzige Tochter. Der täg-liche Umgang mit Haschka, Alzinger, Dem?, Mastalier, Rastebki, machte Karoli-nen schon in früher Jugend mit den edelsten Erscheinungen der schönen Literatur