Band 
Achter Band. O bis Q.
Seite
551
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Pierinnrir Pietisten 5L1

Muße wurde 1823 und 1821 der Bearbeitung einer umfassenden Medicinal»rd-nuna für das Herzogthum ?lltenburg gewidmet, wozu er als Verstand einer fürden Zweck einer Regulirunq des Medicinalweftns errichteten Medicinalcommissionvon der Regierung den Auftrag erkalten kalke. In der letzter» Zeit hat er an demvon seinem Sohne nach emem erweiterten Plane zur Redaction übernommenen»voi her Bmzer'schen ».Encyklopädischen Wörterbuche", das in dem von demselbenrtablirte» Literatur-Coniproir zu ?llte»burg. das auch das „Medicin . Realwörter«buch" in eignen Ver'og übernommen hat, bis zum 13. Bde. (Buchst. M., 1821)erschienen ist, Antheil genommen.

Pier innen, Pieriden, heißen die Messen, entweder von dem Berg«Pieros in Thessalien, der ihnen geheiligt war, ober von ihrem Siege über die STöchter des mac-domschen Königs Pieros, welche, weil sie es wagten, mit denMusen zu wetteifern, zur Strafe in Elstern verwandelt wurden.

Pierre, s. Taint-.Pierre.

Pierrot , eine komisch? Maske auf dem franzds. Theater, dle aus demHarlekin und Polichinell (s. d.) zusammengesetzt, und wie dieser gekleidet,wie jener launig und witzig ist. Bei den Italienern ist er der einfältige Diener.(S. Masken.)

Pietisten, Frömmler, ein Spottname, den die Anhänger der alten Ma»nier im akademischen Vortrage der Theologie einigen jungen Docenten zu Leipzig beilegten, welche seit 1689 angefangen hatten, asceiische Vorlesungen über dasneue Testament (aollr-ss.i pbilolüblwa oder roil'-p-ia pivliili») für-Vtudüende undBürger zu halten, und sich einer besonders andächtigen und eingezogenen Lebens-weise befleißigten. Die Idee einer solchen Behandlung der Theologie kam vonihrem Lehrer und Freunde Spener , dem deutschen F-n,Ion, her, der schon alsPre,diger in Frankfurt a. M. besondere Andachtsversammlungen zur erbaulichen An-wendung der Bibel und der christlichen Religionslehre, bei denen er den Laien er-laubte, mitzusprechen, seit 1610 in s. Hause gehalten, und durch s. Schriften dasBedürfniß einer Reform der lutherische» Kirche und Theologie zur Sprache ge-bracht hakte. Dies Bedürfniß niußke damals jeder Helldenkende empfinden. DieTheologie der Lutherischen war in Folge der Bemühungen, den Lehrbegriff festzu-stellen, unter den hitzigen Streitigkeiten derGotteszelehrten seit der zweiten Hälftedes 16. Jahrh, in den Formen eines steifen Dogmatismus erstarrt und für dieGemeinen fast ungenießbar geworden. Nur in der Polemik zeigtesich noch Leben;in Predigten und Schriften für den Nichtgelehrtcn hörte man fastmichtS als stren-ge Anmahnungen zur reinen Lehre und heftige Verk tzerungen der Andersdenken-den; die Kirchengeschichte wurde wenig, die Moral fast gar nicht bebaut; um dasGewicht des Glaubens zu heben, behauptete man geradezu, daß ein sittkichgutesLeben Nichts zur Sel gkeit Heiken könne; die Geistlichen strebten noch Vergröße-rung ihrerMacht, und Alles schien darauf angelegt, einPfaffenthum in der Kirche,die gegen allen Papismus protestirte, geltend z > machen. Gegen diese Verir-rungen trat Spener in s. „Frommen Wünschen" (161k), in s. Schriften überdas geistliche Prüsierlhum (1611) und über die Gottesgelahriheit aller gläubi-gen Christen (1680) mit Behauptungen auf, die der herrschenden theologischenDenkart geradezu widersprachen. Er verlangte echtes praktisches Christenthum,und erklärte, nur ein wiedergeborener, selbst wirkbch g besserten Theolog könne zumPretigtamie fähig sem, die heilige Schrift müsse den symbolischen Büchern nichtnachg setzt und sorgfältiger zur Erbauung gebraucht werden, den Laien, die ervom geistlichen Priesterthume keineswegs ausschloß, müsse verstattet sein, einan-der aus der heil. Schrift zu belehren und zu erwecken, man solle die Religion mehrpraktisch üben als systematisch anbauen, die Mystiker fleißig lesen und die Hoff-nung besserer Zeiten, in denen «ine allgemeiner verbreitete Frömmigkeit und die