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Achter Band. O bis Q.
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552 Pietisten

völlige Bekehrung der Juden bevorstehe, lebhaft unterhalten. Diese Gedankenfanden Beifall, und Spener's eigne Bemühungen in Frankfurt , wo er seine Pri-vatversannnlungen 1682 aus s. Hause in die Kirche verlegte, und in Dresden , woer seit 1686 als Dberhofprcdiger in gleichem Geiste zu wirken fortfuhr und beson-ders den religiösen Volks- und Zugendunterricht in Aufnahme brachte, richtetenMehr Gutes ing Werk, als man erwartet hatte. Dabei zeigte sich freilich auch anmanchen für diese neue gottselige Stimmung gewonnenen Seelen gestuichcr Hoch-muth, Abneigung gegen öffentlichen Gottesdienst und ein Geist des Separatis-mus, der die Kirche mit Unordnungen bedrohte. DieBesorgniß dieser Mißbrauche,und noch mehr der durch Spener's Geringschätzung jener bisher in der Dogmarikund Polemik üblichen Methode aufgeregte Parkeigeist reizte die Theologen des al-ten Styls zur Gegenwirkung. Die theologische Facultät zu Leipzig nöthigte jenejungen Docenten, ihre Dorä jungen einzustellen und (da Spener 1691 von Dres-den" nach Berlin als Propst und Oberconsistorialrath abging) Leipzig zu verlassen.Die Andachtsversammlungen oder «Hiess», ss,eü,iis wurden als ordnungswidrigeConventikel zur Beilegung der zu Gießen, Hamburg und Leipzig entstandenenHändel von der Regierung untersagt; Franke, der vorzüglichste jener leipzigerDocenten, mußte Erfurt , wo er sein Unternehmen fortgesetzt hatte, schnell verlassen,und Spener selbst sah sich von den kursachstschen Theologen durch ihre Wortführer,Carpzov und Löscher, mit allen Waffen der Verketzerungssucht öffentlich angegriffen.In dieser Bedrängnis fanden die Pietisten durch die Vermittelung des PhilosophenThomasiizs, der sie schon in Leipzig vertheidigt hatte, und unter Spener's Einflußeine Zuflucht auf der 1695 gestffl. Universität Halle, wo Franke eine theologischeProfessur erhielt. Seitdem galten die Ausdrücke: Hallenser und Pietisten, ziem-lich gleich, denn die theologische «chule, die Spener's Ansichten verarbeitete undden Pietismus ausbildete, hatte vorzüglich in Halle ihren Sitz, und Franke'S Stif-tungen wurden ihre Propaganda. Das Charakteristische des damals bis in daszweite Decenmum des 18. Jahrh, ebenso glücklich gedeihenden als heftig bestril-kenen Pietismus beruhte auf dem praktischen Hauptgedanken, daß es dem Chri-sten mehr gezieme, fromm als gelehrt zu sein, und daß man zur Beförderung derFrömmigkeit unter allen Ständen wirksamere Anstalten treffen muffe, als deröffentliche Gottesdienst, das Beichlwesen und die Kirchenzuchl bei der üblichenherz- und kraftlosen Verwaltung darböten. Eine strenge, beinahe düstere Moral,welche Tanz-, Spiel- und andre herkömmliche Vergnügungen als Werkstättendes Teufels verwarf; der Glaube, die Wiedergeburt znm heiligen Leben geschehedurch einen plötzlichen Durchbruch der Gnade; eine hohe Meinung von der Oentz-barkeit jener AndachtSübungen, zu welchen sich die Eingeweiheten (meist gemeineLeute) in Privakhüusern versammelten, und endlich Mißtrauen gegen Andersden-kende waren die wesentlichen Eigenheiten, welche die Pietisten als Ausbeute ihrermehr als 20jährigen Kämpfe mit den Orlhotopen beibehielien. Ubeicilie Schritteihrer Anhänger, welche zum Separatismus führen konnten, bewirkten vorüber-gehende Unordnungen in einzelnen Gemeinden; eine besondere Sekte haben diePietisten aber nie gebildet, ungeachtet ihre Gegner sie mit den gehässigsten Ketzernund Sektirern vermengten, und nur wegen des Unfriedens und Ärgernisses, wozu dieöffentlichen Befehdungen der erbitterten Parteien Anlaß gaben, erließe» die prote-stantischen Regierungen im Anfange des 18. Jahrh. Verordnungen gegen den Miß-brauch des Ausdrucks: Pietisten, und der daran erinnernden Streitpunkte in Pre-digten und Schriften, und erneuerten das Verbot der religiösen Piivatversamm-lungen. Waren nun aber auch hierdurch die pielistischen Händel gedämpft, sowurde doch der von Spener ausgestreute Same einer erbaulichen Behandlung derTheologie von Buddeus, Devling, Rambach und Mosheim lrefstich benutzt undweiter ausgebildet, sowie den Verirrungen der pietistifchen Denkart, welche eine