Band 
Achter Band. O bis Q.
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Pingre

1115 ging er nach Paris , wo er die Medicin. Hülfswissenschaften trieb und mitPorial, Desanlk, Chapral, Berthollet, Fourcroy , Desfontaineö u. a. berühmtenMännern in Verbindung kam. Später wandte er sein ganzes Studium der eigen!»lichen Medicin zu, und winde 1191 dirigirender Arzt an der Irrenanstalt zu Bicsitreund 1191 an der Salpeiricre. Die rauhe und grausame Behandlung der Irren,wie sie dama:S fast überall noch Satte war, die Kelten und ungesunden Kerker der,selben erfülben chn mit Abscheu; er führte eine menschlicheBehandlung ein, vei bandStrenge mit Schonung und war der Erste, welcher die psychische Behandlung derIrren (in seinem Merke: ,,8„r l'alicuulion inentule", Paris 1191, neue Allst.1899) mit Bestirnnuheit aussprach, sowie er zu den Ersten gehört, die eine zweck»wüßlge Aussicht und Polizei in den Irrenhäusern zur Pflicht machten und so weit esmöglich war, wirklich ausführten. Auch behauptete er das Norkcmmen der vonihm sogenannten rounic »an, elclire. Auf die physische Behandlung der Irrenhielt er weniger, namentlich war er, wie Bordeu, gegen das Blutlassen. Über»Haupt befolgte er die erwartende Methode. „Mas die Kunst nicht vermag", pflegteer zu sagen, „vermag d-e Zeit". Seine Pathologie war auf die Condillac 'sche Phi-losophie gebaut und bält sich daher mehr an die siunlich wahrm hmbaren Ersehe,nun,gen, als daß sie ein ii.feS Eindringen in das Wesen der Krankheiten versuchte; je,doch machte seine pkilnsophiipi«-", die im I. VI den Preis erhielt

(Paris 1198, 8. Aufl. 1818), Epoche in der sranz. Medicin, weil sie einem all-gemein gefüblien Bedürfnisse abhalf; in mancher Rücksicht darf man P. als denVorläufer Bichatg ansehen, da er zuerst auf die physiologische und pathologischeVerschiedenheit der Gewebe aufmerksam machte. Eigentliche Lehrertalente, wie sieder Franzose im mündlichen Vortrage federt, gingen P. ab; aber er zog dennoch i»der Salpetriäre und als Pros der Pathologie an dermedicinischcn Schule eine MengeSchüler, unter denen sein Nachfolger an der SalpetrÜ-re, Esquirol, die Grundsätzeseines Lehrers am glücklichsten ersaßt zu haben scheint. P. redigirte eine Zeit lang die§6sLette (le r.'inte", war Mitarbeiter an Fourcroy's „>1ctlcci„c cclair. e pur lo,iciences plipsigno»", und in Verbindung mit seinem Schüler Bricheteau Mit-arbeiter an dem großen „Oiciicuniaire lies Science» uuüicules". Ferner besorgteer eine sranz. Übersetzung von Eullen'S „I irst >i»es »t ll>e practiee ok pli^sic"(,,^ien„-„s üe ineüeci,»- pialig'ic", Paris 1185), und eine neue ?lusg. von Ba-glivi'sWerken (Paris 1188). Unter P.'s Schriften nennen wir noch seinen „I)is-cours snr lu iiccessite <Ic lappelei l'ensei^ueinent <Iv la nicücciu« -,u.v Princi-pes ckc l'nl„crvutic»>" (Paris IM I. X l V.). ?(uch als Mensch stand dieser berühmteArzt in allgemeiner Achtung. Er war es, der in den Tagen des Schreckens den un-glücklichen Eondorcet in seinem Hause verbarg. Stets wohlihätig hat er keine Reich-thümer gesammelt. P. starb zu Paris den 25. Oct. 182k, 81 Z. alt. 16.

P! ngrc (Akepandre Gui), Kanonikus reg. der Congregarion und Biblio-thekar von St.«Genovefa, ?lstronom und Geograph der Marine und Mitgliedder Akademie der Wissenschaften in Paris , ward hier den 4. Sept. 1111 geb. ImOrden zu Senlig erzogen, zeichnete er sich bald als Theolog, besonders in den jan-senistischen Streitigkeiten aus, was ihm mehre Uettrcs >Ic caclict und Verwesun-gen zuzog; ja er mußte in Rouen das Lehramt der untersten Classen übernehmen.Hür erkannte der berühmte Wundarzt Lccat seinen Geist und vermittelte, daß ihmdie in seiner hier 1148 gestifteten Akad. d.Wissensch. noch offene stelle eines Astro-nomen angetragen ward. 38 I. alt, versprach er, sich auf die Sternkunde zu le-gen. Er hielt sein Wort, und seine ausgezeichneten Beobachtungen beförderten ihn1159 zum Correspondenten der pariser Akademie. Nun riefen ihn seine Ordens-bruder vom Verbannungsortc nach Paris zurück, ließen ihm 1151 eine LLternwa''kebauen und ausrüsten. 40 Jahre lang setzte er hier seine Beobachtungen fort undgab 1154—51 die ersten astronomischen Schiffercalender heraus, von welchen